Alster

Zwischen Trauer und Freude: der Abschied

Nun ist er weg.

Samstag

Den Morgen verbringen wir damit, die vielen Geschenke in meinem alten Koffer (der, mit dem ich seinerzeit nach England zog) zu verstauen. Von seinen hiesigen Klamotten nimmt Mustafa ein paar T-Shirts, Longsleeves und Socken mit sowie die Schuhe und Sandalen. Da ist er sehr rigoros. Wahrscheinlich ist er auch heilfroh, endlich keine Unterhosen mehr tragen zu müssen.

Auf der einen Seite die Adresse, auf der anderen ein Foto - dieser Koffer gehört Mustafa

Auf der einen Seite die Adresse, auf der anderen ein Foto – dieser Koffer gehört Mustafa

Die Stimmung ist ausgelassen, um nicht zu sagen überdreht, nur Alma muss zwischendurch immer mal weinen. Wir brechen zeitig gen Flughafen auf, um dort noch eine Stunde Flugzeuge anzugucken und Pommes zu essen. Auch meine Eltern gesellen sich dazu. Die Jungs sind nun endgültig vollkommen überdreht, Alma weint immer mehr. Anton jammert herum. Aber nicht wegen Mustafa, sondern wegen der Ungerechtigkeit, dass er jetzt nicht mit dem Flugzeug fliegen darf.

Um eins treffen wir uns mit den anderen Gastfamilien am Check-in. Die Stimmung ist fröhlich, nur Mustafa fängt an zu schluchzen. Den Rest der Zeit ist er entweder bei Andi oder bei mir auf dem Arm, auf dem anderen Arm ist die meiste Zeit Alma. Als wir endlich das Gepäck losgeworden sind, müssen wir auch schon zum Boarding. Es wird noch ein Foto von den Kindern und ihren Handgepäckstücken gemacht (zwecks Zuordnung) und schon ist er da, der endgültige Abschied. Familie Füßle (Anton ausgenommen, Mustafa eingeschlossen) schluchzt, alle anderen Kinder winken fröhlich, einige Gastmütter haben feuchte Augen. Wir sehen den Kindern hinterher, bis sie verschwinden. Da hält es auch Anton nicht mehr aus und heult los.

Die Unzertrennlichen (Foto: Claudia Timmann)

Die Unzertrennlichen (Foto: Claudia Timmann)

Zum Trost besuchen wir auf dem Nachhauseweg das Tomatenfest. Alma darf in meinem Bett einschlafen, da sie vor lauter Trauer nicht zur Ruhe kommt.

Sonntag

Diese Ruhe! Erstaunlicherweise sind unsere Kinder schlagartig wieder so, wie sie vor der Zeit mit Mustafa waren. Der dauererhöhte Adrenalinspiegel scheint keine Schäden verursacht zu haben. Wir räumen die Kinderzimmer um, auf und aus und alles ist wie immer. Oder so. Was Mustafa wohl gerade macht?

Anton hat seinen besten Freund zu Besuch. Die Beziehung kam die letzten Monate viel zu kurz, da Anton ja mit seinem Gastbruder beschäftigt war. Wir staunen ein wenig, wie viel leichter wir uns mit Mustafa verständigen konnten.

Am Abend überkommt Alma wieder die Traurigkeit. Ich sage ihr, sie soll aufschreiben, was sie bewegt. Immerhin schläft sie irgendwann, ohne vor lauter Traurigkeit wieder aufzuwachen.

Was Alma schrieb

Was Alma schrieb

Montag

Meine Schwiegereltern sind da und die Kinder abgelenkt. Am Mittwoche fahre ich mit Andi nach Wacken.

Was wohl Mustafa gerade macht?

Als wir noch fünf waren (Foto: Claudia Timmann)

Als wir noch fünf waren
(Foto: Claudia Timmann)

3 thoughts on “Zwischen Trauer und Freude: der Abschied”

  1. Gut habt Ihr das gemacht, Du und Dein Mann, besser geht nicht. Mustafa wird Eure Liebe bestimmt weiter geben. Und Eure Kinder sind einfach großartig!

  2. Hallo Gesa,
    ich bin zu Beginn Eurer Zeit mit Mustafa auf Deinen Blog gestoßen (ich glaube über is a blog) und habe Alles sehr gespannt verfolgt. Ich finde es ganz toll, dass Ihr das gemacht habt und bei der ‘Abschieds-Szene’ musste ich ja schon fast ein Tranchen mitverdrücken… Vielen dank, dass wir an Euren Erfahrungen teilhaben durften! Und jetzt erstmal viel Spaß in Wacken!

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