Schlagwort-Archiv: tübingen

Nostalgiebetten – Bett 8 und 9

Als ich aus Straßburg zurückkam, stand fest: Sprachen will ich studieren. Warum es ausgerechnet Tübingen wurde und warum ausgerechnet Russisch, Englisch und Deutsch – ich glaube, die Sprachen habe ich am Ende ausgelost. Tübingen wurde mir empfohlen. Ich war da recht leidenschaftslos, glaube ich, vielleicht hatte ich auch einfach keine Lust, mir Gedanken über Orte zu machen, die ich ohnehin nicht kannte. Es gibt eine gewisse In-Tübingen-studieren-Familientradition, die noch aus der Zeit von vor zwei Generationen stammt, Fußstapfen und so, lassen wir das.

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19.06.1938: Vorzüglich in Wohnungen passende Vasen (Rudu)

Rudu und Ingrid reisen shoppend durch Deutschland und die Niederlande. Der Geburtstagsbrief dürfte fast pünktlich angekommen sein – Leni hatte am 21.6. Geburtstag und wurde 29.

Achtung! Die Telefonnummer stimmt nicht mehr

Achtung! Die Telefonnummer stimmt nicht mehr

Hotel Frankfurter Hof, Frankfurt am Main

 19.6.38.

 Meine liebe Leni!

Wir beide gedenken Deiner sehr herzlich und wollen mit Dir wünschen + hoffen, daß Dein kommendes Lebensjahr freudige und glückliche Ereignisse mit sich bringt.

Vor allem denke ich an den Moment im Okt. und zum anderen an die Pläne Deines Friedrich, für die ja bald in der einen oder anderen Weise ein Entschluss fällt.

Bei unserem Bummel durch die Stadt hier fanden wir in dem Rosenthal-Laden eine kleine Vase, die uns vorzüglich in Deine Wohnung zu passen schien. Wir haben sie nach N. schicken lassen und hoffen, daß Du Gefallen an ihr findest.

Von Amsterdam flogen wir über Brüssel, das wir uns gut besehen konnten in einem hellen Tag, nach Köln. Von dort per Dampfer nach Mainz. Von Frankfurt geht es jetzt nach Stuttgart – Tübingen. Bis jetzt ist mir ein Brief nach Holland nachgesendet – von U. – und ich hoffe, Ihr schickt die weitere eingetroffene Post nach Tübingen an das Tropengenesungsheim.

Wie mag es Bea gehen. Wir sprechen soviel von ihr.  – Grüß alle, Albrecht, Friedrich und vor allem Mama.

Dich umarmt in brüderlicher Liebe

Der Brief stammt übrigens nicht vom Hotel

Der Brief stammt übrigens nicht vom Hotel

Dein Rudu.

Einen innigen Glückwunsch schickt Dir

Deine Ingrid.

Der “Moment im Oktober” bezeichnet die Geburt von Lenis zweitem Kind. Was Rudu an der Tropenklinik in Tübingen wollte, konnte ich nicht herausfinden. Ob er seinem deutschen Arzt in Guatemala Medizin mitnehmen sollte? Warum lässt er die Post dorthin schicken und nicht in sein Hotel? Er selbst war ja wohl nicht krank, Ingrid hingegen ging es nicht blendend, ob das aber einen Aufenthalt in einer Tropenklinik nötig machte? Sorgenvoll klingt der Brief jedenfalls nicht. Das Hotel Frankfurter Hof gibt es noch immer, sieht recht mondän aus.