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Kram, Krämer, am krämsten

Ein Blogwichtelbeitrag von Annette Lindstädt

Blogwichteln wird immer zum Jahresende/Nächstjahresanfang vom Netzwerk Texttreff veranstaltet. Wie beim “richtigen” Wichteln bekommt jede einen Namen zugelost – und für diejenige verfasst sie dann einen Blogbeitrag. Mir wurde Annette von der Worthauerei zugelost – und hier ist das Ergebnis! Ein paar sehr schöne Gedanken zum Thema “Kram”.

In diesem wunderbar nostalgischen Blog geht es um Kram. Und „Kram“ ist ja eins dieser fabelhaften Wörter, die so universell verwend- und kombinierbar sind, dass man ohne sie gar nicht auskommt. Ich jedenfalls nicht. Ich habe beim Nachdenken über diesen Gastbeitrag festgestellt, dass ich Kram täglich mehrmals verwende, und zwar in den unterschiedlichsten Zusammenhängen.

Kinderkram

Kinderkram

Doch erst mal zu den Fakten: Wikipedia sagt, Kram bezeichne „unwichtige oder minderwertige Angelegenheiten oder Kleinteile oder auch ein Durcheinander vieler schwer unterscheidbarer Dinge.“ Als Synonyme bei Wiktionary werden genannt: Bettel, Gerümpel, Klimbim, Plunder, Zeug. Ich kenne noch die schönen Begriffe Geraffel, Gelumpe, Gerlerch, Plörren, Krempel, Tinnef und Krusch (mit langem U), aber fragt mich nicht, woher.

Eins haben sie gemeinsam: Synonyme von und Kombinationen mit Kram, die man so findet, sind allesamt negativ konnotiert. Gesakram selbstverständlich ausgenommen, aber das ist schließlich ein Sonderfall. Ich will die Synonyme hier mal nicht näher analysieren, denn das würde ein Erforschen verschiedenster regionaler Herkunft erfordern und führte zu weit. Schließlich geht es hier um Kram und nicht um Krempel.

Also mal zu den Kombinationen bzw. Ableitungen. Da wären zuerst der Krämer nebst dazugehörigem -laden und entsprechender -seele zu nennen. Mag man die drei? Nicht wirklich. Wobei – beim norddeutschen Teil meiner Familie konnte ich einen durchaus neutralen Gebrauch des Begriffes Krämerladen wahrnehmen, der die sonst mitschwingende Kleinkariertheit hanseatisch-nüchtern ignoriert und recht wertneutral ein kleines Geschäft bezeichnet, in dem man alles Mögliche und Notwendige bekommt, und das oftmals in sehr kleinen Mengen. Seine direkten Verwandten, der Geheimnis- und der Umstandskrämer, sind jedoch eindeutig unsympathische Gesellen. Wen von beiden man schlimmer findet, ist sicherlich subjektiv – mich persönlich treiben Umstandskrämer in den Wahnsinn, während ich Geheimniskrämer gut aushalten kann (bin ja rechercheerfahren und kriege Dinge notfalls auch anders raus).

Die bisher genannten sind jedoch nicht die Kram-Komposita, die ich täglich verwende – die kommen jetzt:

Kabelkram - oft ein ziemlicher Tüddelkram

Kabelkram – oft ein ziemlicher Tüddelkram

Mit einem Hamburger als Ehemann hielt unmittelbar das Wort „Tüddelkram“ hier Einzug. Im Grunde ist Tüddelkram nichts anderes als Kram: überflüssiges Zeug, das immer genau da rumliegt, wo man es nicht braucht. Aber klingt es nicht viel netter als das schnöde „Kram“?

„Was für ein Nervkram!“ ist ein in unserer Familie häufig gebrauchter Ausruf. Typischerweise verwendet, wenn technische Geräte nicht so funktionieren, wie sie sollen, eine aussetzende Netzverbindung in den Wahnsinn treibt oder bürokratische Hemmnisse die Geduld auf eine harte Probe stellen.

Handarbeitskram - kann schnell zu Fummelkram werden

Handarbeitskram – kann schnell zu Fummelkram werden

Ungeduld ist auch der Treiber für den Fluch „Verdammter Fummelkram!“ – das verwenden wir hier innerfamiliär (Blitzumfrage: Sagt das außer uns noch jemand?), wenn irgendwas Fummeliges zu bewältigen ist. Oft in kausalem Zusammenhang mit Reparaturen, Handarbeiten oder dem Zusammenbau zimmergroßer Konstruktionen aus Lego oder Playmobil zu hören.

Und jetzt hab ich über die Assoziationskette Fummelkram-Playmobil-Kinderzimmer-Kind tatsächlich doch noch eine einzige positiv besetzte Kombination mit Kram gefunden, die vor allem bei der minderjährigen Bewohnerin sehr angesagt ist: Süßkram.

Vielen Dank, Annette! Und ich kann Dir bestätigen, dass auch ich häufiger Fummelkram verfluche. Bei den Synonymen kenne ich Kruscht mit T, statt Tinnef sage ich Tünnef, statt Zeug sage ich Zeuchs. Auch Plörren verwende ich, während ich Gelumpe nur von meinem Süddeutschen Mann kenne (dann natürlich als Glump). Witzigerweise ist – im Gegensatz zum Krämer – bei mir der Kinderkram negativ besetzt. Das ist alles, was baby-acker (oder -eier)-leicht geht. 

Mein eigener Blogwichtelbeitrag ging übrigens an Julia Dombrowski und beschäftigt sich mit den bisher von der Forschung wenig beachteten Gedankenzombies.