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Irrende irre Iren

Gestern wollte ich Sam Millar treffen, der sollte sein Buch vorstellen. Hat er auch und ich war auch da, obwohl es kurzzeitig auf der Kippe stand, weil der Babysitter krank war und uns vergessen hatte und nun fix eine andere Lösung hermusste. Die sich aber fand. Und mehr als drei Minuten konnte ich dann auch nicht mit ihm quatschen. Aber darum soll es hier nicht gehen.

Es ist Nachmittag, ich mache mich stadtfein, die Kinder wuseln um mich herum und fragen mich, wen ich denn heute in der Stadt treffe.

Ich: “Den Mann, der mir neulich die Bücher geschickt hat.”

Sohn: “Welche Bücher? Du kriegst doch jeden Tag Bücher.”*

Ich: “Die, die so doll verpackt waren.”

Tochter: “Die auf Englisch?”

Ich: “Ja. Der Mann kommt aus Irland.”

Sohn: “Dann irrt er sich.”

Ich: “???”

Sohn: “Na, wegen IRRland.”

Tochter: “Nee, der ist irre.”

 

* Was meinen Beruf für die Kinder übrigens sehr interessant macht.

 

Papás Grab

Kinder, Krieg und Stolpersteine

Seit Mustafas Besuch bei uns ist besonders Anton sehr an Krieg, Gewalt und den jeweiligen Hintergründen interessiert. Durch meine Recherchen in Sachen Großmutterbriefe bekommen die Kinder natürlich auch noch einiges mit, die Flucht vom Gut nach Hamburg sind wir schließlich auch zusammen nachgefahren.

Gestern war ich mit Anton (4) im Völkerkundemuseum. Er fand es mittelinteressant, naja, immerhin steht da ein Auto. Und Gebetsfahnen gibt es überall, wie bei uns. Beim (sehr guten!) Essen im Museumsrestaurant schaffte es Anton, der Bedienung 20 Cent abzuschnacken (“Da ist einer drauf, der tanzt!”). Spannender als das Museum waren aber die Kaninchen im Garten meines Freundes, der dort in der Nähe wohnt und den wir noch besuchten. Und mit am allerspannendsten waren die Stolpersteine, die in der Rothenbaumchaussee in erschreckend großer Zahl liegen.

Ich versuchte, Anton möglichst kindgerecht zu verklickern, was es damit auf sich hat. Erst dachte er an Grabsteine: “So wie der Stein von unserem Ururopa bei dem großen, großen Haus!”

Ich setzte meine Erklärung fort, er sann eine Weile nach und rief dann begeistert:

“Ach so! Dann haben die da Steine hingelegt, damit die Bösen darüber stolpern und die Leute nicht holen können!”

Nein, so war das nicht. Aber es wäre irgendwie schöner gewesen.

 

(Auf dem Foto sieht man das Grab von Papa [hinten betont], meinem Urgroßvater, bekannt aus den Briefen. Er liegt im Gutswald begraben.)

Oma lesen

“Oma war eine Seeräuberin” von Andrea Behnke

Miteinandergeschichten für Kita, Schule, Seniorenarbeit und Mehrgenerationenprojekte

Miteinandergeschichten, was für ein schönes Wort – so schön wie das Buch. Ein Buch für Alte und Junge und die dazwischen.
Kurze Geschichten, die danach vertieft werden können. Es gibt Anregungen für Kinder, für Senioren und für alle gemeinsam. Ab und zu wird das Ganze mit einem passendes Lied, Gedicht oder gar Märchen abgerundet. Mit den Kindern wird die Geschichte besprochen und eventuell weiterentwickelt, mit den Seniorinnen und Senioren ihr eigener Bezug zur Geschichte hergestellt. Durch die gemeinsamen Aktivitäten von Jungen und Alten bleibt niemand außen vor.

Die Geschichten behandeln „typische“ Senioren-Themen, sei es, dass die Vorlese-Oma ins Krankenhaus kommt, dass Opa in Erinnerungen schwelgt, als er den Kinder beim Fußballspielen zuschaut oder dass Opa gestorben ist. Irgendwie ist Opa aber doch noch da. Und Frau Weber kann zwar nicht mehr laufen, aber durchaus noch schaukeln.
Die kurzen Erzählungen sind so geschrieben, dass Kinder sehr gut verstehen können, worum es geht und wie das Kind sich fühlt – aber auch die Gefühle der alten Menschen erlebt man hautnah mit. Ich habe bei manchen Geschichten Schwierigkeiten, sie den Kindern vorzulesen, weil ich selbst weinen muss – obwohl das Ende immer wunderbar versöhnlich ist und es immer eine Lösung gibt. Ich weine halt sehr leicht.

Dieses Buch ist perfekt für alle Eltern, die ihren Kindern Schwerverständliches wie das Altern oder den Tod begreifbar machen wollen. Ich habe zwar keine Erfahrung mit Seniorenarbeit, kann mir aber sehr gut vorstellen, dass man viele alte Menschen mit diesen Geschichten aus der Reserve lockt. Und dass Jung und Alt mit dem Buch gemeinsam Spaß haben können, ist unbestritten.

Fremde Länder und Sprachen - genau mein Ding

“Hier, dort und anderswo” von Andrea Behnke

Fremde Länder und Sprachen - genau mein Ding

Fremde Länder und Sprachen – genau mein Ding

Ja, ich habe bereits ein Buch von Andrea Behnke rezensiert. In dem ging es ums Großwerden. Diesmal ist das Thema „Kindergeschichten rund um die Welt“. Da ich selbst viel Zeit im Ausland verbracht habe, versuche ich meinen Kindern ein Gefühl dafür zu vermitteln, dass die Welt nicht überall gleich aussieht. Da das Buch für 4- bis 8-Jährige konzipiert ist, habe ich meine Kinder gleich drauf angesetzt.

Ungefähr da ist Afghanistan

Ungefähr da ist Afghanistan

Vor Kurzem wohnte eine Afghanin in unserer Straße, mit der meine Tochter (5) in der Vorschule sofort Freundschaft schloss. Sie war mit der Herzbrücke nach Deutschland gekommen, ihre Zeit hier war also begrenzt. Das Interesse meiner Tochter an fremden Kulturen ist durch diese Begegnung stark gewachsen – obwohl der Abschied sehr schmerzhaft war und noch ist.
Den Sohn (4) interessiert vor allem, wo das jeweilige Land auf der Weltkarte zu finden ist. Praktischerweise gibt es eine im Buch, auf der die Länder verzeichnet sind, um die es geht (Deutschland eingeschlossen).

Das Buch besteht aus zwei Teilen mit je fünf kurzen Geschichten: In den „Geschichten von hier“ geht es um Kinder mit Migrationshintergrund, die in Deutschland leben. Kimons Opa sehnt sich nach Griechenland, Jamila hat eine andere Hautfarbe. Mit Hayet feiern wir das Ende des Ramadan.
Die „Geschichten von anderswo“ erzählen von Kindern in fernen Ländern. Wir erfahren, wie Naoki in Japan für seine Prüfung lernt, während Leandro in Brasilien am Straßenrand Maiskuchen verkauft. Wir gehen in einen hinduistischen Tempel und wir feiern das Kirschblüten- und das Zuckerfest.

"Ist das in Afrika?"

“Ist das in Afrika?”

Nach jeder Geschichte werden Fragen zum Text gestellt. Während die Kinder mit Ausmalbildern und Bastelarbeiten beschäftigt sind, liefern „Redeanlässe“ Impulse, um das gerade Gehörte zu vertiefen. So kann das Kind Vergleiche zu seinem eigenen Leben ziehen. Da wir uns in letzter Zeit viel mit der Situation in Afghanistan beschäftigt hatten, kamen die Geschichten aus Kenia und Brasilien besonders gut an. Die Tatsache, dass nicht jedes Kind automatisch zur Schule gehen kann, hat meine Kinder extrem schockiert. Da konnte selbst die Aussicht auf einen sehr langen Schulweg nicht mithalten – lieber lange zu Fuß gehen müssen, als nicht zur Schule gehen dürfen.

"Darf ich das Buch in deinem Arbeitszimmer lesen?"

“Darf ich das Buch in deinem Arbeitszimmer lesen?”

Die Geschichten greifen typische Klischees aus den jeweiligen Ländern auf. Das könnte man anprangern, aber für diesen Zweck ist es sinnvoll. Es geht darum, den Kindern ein Gefühl dafür zu vermitteln, dass es woanders eben anders aussieht (und dass es deswegen nicht unbedingt schlechter ist) – und dass die Kinder doch überall irgendwie gleich sind.
Ich höre jetzt öfter Fragen wie „Müssen die Kinder in Afrika auch ins Bett?“, „Essen die Japaner Sushi zum Frühstück?“ – die Geschichten haben also offenbar einen Nerv getroffen.

Mehr über die Autorin und ihre weiteren Bücher erfahrt Ihr hier, dort findet Ihr auch eine Leseprobe.