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Irrende irre Iren

Gestern wollte ich Sam Millar treffen, der sollte sein Buch vorstellen. Hat er auch und ich war auch da, obwohl es kurzzeitig auf der Kippe stand, weil der Babysitter krank war und uns vergessen hatte und nun fix eine andere Lösung hermusste. Die sich aber fand. Und mehr als drei Minuten konnte ich dann auch nicht mit ihm quatschen. Aber darum soll es hier nicht gehen.

Es ist Nachmittag, ich mache mich stadtfein, die Kinder wuseln um mich herum und fragen mich, wen ich denn heute in der Stadt treffe.

Ich: “Den Mann, der mir neulich die Bücher geschickt hat.”

Sohn: “Welche Bücher? Du kriegst doch jeden Tag Bücher.”*

Ich: “Die, die so doll verpackt waren.”

Tochter: “Die auf Englisch?”

Ich: “Ja. Der Mann kommt aus Irland.”

Sohn: “Dann irrt er sich.”

Ich: “???”

Sohn: “Na, wegen IRRland.”

Tochter: “Nee, der ist irre.”

 

* Was meinen Beruf für die Kinder übrigens sehr interessant macht.

 

Blogparade Fremdsprachenlernen: Von Vokabelpauken und Grammatiktests

Ricarda Essrich möchte wissen, wie wir Fremdsprachen lernen. Dazu kann ich einiges beitragen.

Meine erste Fremdsprache war Latein. Das ist ja eine ganz tolle Sprache. Damit kann man später super Französisch und so lernen. Aber dazu später.

Latein, 5. Klasse, 1. Lektion: Servus clamat – der Sklave ruft. So weit, so gut. Neben diesem Satz erinnere ich mich noch an ein paar Vokabeln wie tandem – endlich und debere – schulden, müssen, verdanken.

Wie habe ich Latein gelernt? Gar nicht. Ich habe mich nie mit der Sprache anfreunden können, was mich bis heute etwas wundert. Immerhin habe ich das Latinum erlangt, ohne einen vernünftigen Satz übersetzen zu können. Die Antwort wäre also eher: Systematisch schummelnd habe ich Latein „gelernt“.

Meine zweite Fremdsprache war Englisch. Weil Latein so doof war, habe ich schon vor der 7. Klasse angefangen, mit Lernheften („Englisch lernen mit BBC“ – kennt das noch jemand?) und Kassetten Englisch zu lernen. Als der Unterricht an der Schule losging, fand ich es einfach. Von meinem Englischlehrer habe ich mir Agatha-Christie-Krimis ausgeliehen, bis er keinen Nachschub mehr hatte. Dann bin ich nach England gezogen und habe dort Abi gemacht. Vokabeln gelernt habe ich nur für Vokabeltests, aber da hat es gereicht, sie einmal durchzulesen. Ansonsten: Bücher lesen. Und natürlich in England wohnen, das hilft enorm. Die erste Vokabel, die ich dort bewusst kennengelernt habe, war pregnant. Aber nur, weil das bei Neighbours gerade Thema war. (Es ging um Natalie Imbruglia alias Beth, die dann aber „nur“ eine Vergiftung hatte …)

Später habe ich Anglistik studiert und mich mit Altenglisch und Mittelenglisch befasst. Das war sehr schön und ging prima ohne Vokabellernen. Grammatik wende ich nach Gefühl an.

Meine dritte Fremdsprache war Französisch, 9. Klasse. Trotz eines unfähigen (1. Jahr) bzw. eines stets kranken (2. Jahr) Lehrers lief auch das ganz gut. Viel gelernt haben wir trotzdem nicht. Als ich dann nach England ging und nach kürzester Zeit feststellte, dass Chemistry A-level (LK) nicht klappen würde, fragte mich die Französischlehrerin, ob ich es nicht mit – ja, genau – French A-level versuchen wollte. Ich stellte klar, dass ich gar kein Französisch konnte und ließ mich trotzdem überreden. Hat prima geklappt. Gelernt habe ich für die Prüfungen nicht, da ich der Überzeugung war (und bin), dass man unmöglich die thematisch passenden Vokabeln erwischen kann. Das wiederum würde bedeuten, dass man einfach ALLES lernen muss, und wer will das schon. Auswendig gelernt habe ich nur die Zitate aus den Büchern, weil wir mit Seitenzahlen zitieren mussten, aber ohne das Buch. Alles ging auch so, und in der Tat kam ein Text über Frösche vor, also die Vokabel hätte ich ja niemals gelernt. Irgendwie habe ich sie aber wohl erkannt.

Nach der Schule bin ich für ein halbes Jahr nach Straßburg gezogen und habe einen Französischkurs besucht. Einige Jahre später hing ich in Berlin rum und mein Studium zog sich wie Kaugummi. Ich wollte wieder ins Ausland, wo man zum Lernen geprügelt animiert wird. Da Frankreich das einzige Land war, das ein angefangenes Studium anerkannte, bin ich nach Caen gezogen. Vorher habe ich noch schnell ein Semester Französisch studiert.

Das Studium in Frankreich war sehr bereichernd, vor allem, weil ich altisländische Texte ins Französische übersetzen musste und es mir eher an den französischen als an den isländischen Vokabeln haperte. Ging aber trotzdem gut und ohne viel Gelerne.

Meine vierte Fremdsprache weiß ich jetzt gar nicht so genau. Ich habe in England kurz mit Italienisch angefangen, wurde aber gezwungen, den Unterricht abzubrechen (weil, völlig aus der Luft gegriffen natürlich, die Schule der Meinung war, ich würde nicht genug für die anderen Fächer tun).

Zu Beginn meines Studiums dachte ich, Russisch wäre ein prima Hauptfach. Im ersten Semester musste man einen Intensivkurs belegen, der offiziell 15 Wochenstunden hatte, tatsächlich aber 20. Nebenher sollte man noch nicht mit dem eigentlichen Studium beginnen. Das brachte ich nicht über mich, ging trotzdem zu den anderen Vorlesungen und verbrachte etwa 10 Stunden im Russischunterricht. Am Ende des Semesters stellte ich fest, dass mich Russisch eigentlich gar nicht interessierte, weil ich viel lieber Schwedisch lernen wollte. Mein Russischlehrer war stinksauer und hat nie wieder mit mir gesprochen.

Meine richtig gelernte vierte Fremdsprache war also Schwedisch. Das war nett und einfach und während dem ersten Semester habe ich angefangen, Astrid Lindgren im Original zu lesen. Also auch hier wieder lernen durch lesen. Später habe ich dann auch noch ein Jahr in Schweden studiert – u. a. Französisch und Unterwasserarchäologie, weil ohnehin klar war, dass mir die Scheine nicht anerkannt würden.

Im Grundstudium habe ich noch Niederländisch und ein bisschen Isländisch gelernt und nach meiner Rückkehr aus Schweden habe ich in Berlin an der VHS mit Hebräisch angefangen, das aber schnell abgebrochen, weil wir nur 2 Buchstaben pro Stunde durchnahmen, sich die Leute beschwert haben, dass es zu schnell ging und ich beinah Amok gelaufen wäre. Dann habe ich es mit Jiddisch versucht (wo man das Alphabet in der ersten Stunde komplett durchnahm), ging dann aber nach Frankreich usw.

Im Studium habe ich außerdem neben dem erwähnten Alt- und Mittelenglisch noch Alt- und Mittelhochdeutsch, Gotisch, Altisländisch und Mittelniederländisch gelernt. Dadurch, dass ich nur germanische Sprachen studiert habe, musste ich eigentlich nur einmal die Ablautreihen der starken Verben lernen. Praktisch. Immer wieder habe ich gedacht, dass ich doch inzwischen auch Latein kapieren müsste, immerhin habe ich mich ja recht viel mit toten Sprachen beschäftigt. Ich habe mir sogar die „Germania“ von Tacitus in der zweisprachigen Ausgabe angeschafft. Fehlanzeige. Manchmal helfen mir meine Französischkenntnisse ein bisschen.

Meine Schwächen liegen auf jeden Fall im Fleißbereich. Was sich nicht durch das Lesen von Texten lernen lässt, ist bei mir nicht willkommen. Deshalb kann ich auch so schlecht Isländisch, da muss man ganz viele Endungen lernen. Lesen kann ich es ganz gut, aber ich habe einfach zu wenig isländische Bücher. Vielleicht wird es doch noch was, wenn ich mehr lese.

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