Paris mit Bier

Letztes Wochenende war ich in Paris. Dort gibt es jetzt mehr Sicherheit – oder Unsicherheit, je nach Sichtweise. Ich wohnte bei meinem besten Freund (dem von Bett 7) und verbrachte die Tage mit meiner besten Freundin (die von Bett 3a).

Bei dem Besuch zahlreicher Markthallen fanden wir just an dem Tag, an dem der Schlafstättenbereitsteller bereitwillig zugesagt hatte, am Abend zu kochen, einen deutschen Tante-Emma-Laden eben dieses Namens.

Tante Emma Laden

Deutsch, oder was?

Gleich mal reingehen, da gibt es ja immer lustiges Zeug. Händlmaiersenf in Eimern, zum Beispiel.

Und da stand es. Ganz unten im Bierregal. Jever. Der beste Freund liebt Jever. Das perfekte Mitbringsel, wenn man sich gerade selber eingeladen hat!

Flugs zwei Flaschen gekauft und weiter im Touri-Programm. Mal gucken, was am Eiffelturm so los ist. Oh, gar nicht mal viel. Aber blöderweise haben wir – Überraschung! – zwei gläserne Bierflaschen in der Tasche. Nein, sagt der Securitymann, das geht ja nun gar nicht. Versteckt die mal irgendwo.

[Hier Gedanken darüber einfügen, was ich von dem Rat halten soll, mein Gefahrgut im Gebüsch zu verstecken.]

Verstecken? Die Lungerleute hier warten doch nur darauf, dass die blöden Touris was verstecken, um es dann an sich zu reißen. UNSER BIER! Und nachher ist der Markt zu. Exen und neu kaufen ist keine Option.

Mal im Imbiss gegenüber fragen, ob sie die Flaschen aufbewahren können.

Nein, natürlich nicht. Verboten. Doch verstecken? Einem Penner zum Aufbewahren geben? Oder den Russen auf den Rikschas? Wir wollen die Flaschen MIT Inhalt wiederhaben. Fällt auch flach.

Wir setzen uns vor dem menschenleeren Spielplatz auf die Bank und prompt füllt es sich um uns herum mit Menschen. Mist. Aber wozu hat mein aufmerksamer Lieblingskumpel uns mit Einkaufstaschen ausgestattet? Damit man sie wegwerfen kann, natürlich. Wir packen die Flaschen hinein und versenken den Beutel in einem der Mülleimer, die ja nunmehr immer durchsichtige Beutel haben, weswegen man auffällig schlecht geschlossene Bierflaschen unauffällig in ihnen unterbringen kann.

Die maschinengewehrbewehrten Soldaten haben uns nicht bemerkt. Oder?

Auf zum Turm! Kalt isses da und oben muss man Schlange stehen. Aber man hat einen famosen Blick auf den Spielplatz, der wieder angenehm leer sein Dasein fristet. Keine Gefahr, dass die Mülltüten demnächst geleert werden. Es sei denn, sie haben ein festes Leerschema. Das wäre blöd. Haben sie aber bestimmt nicht.

Hoffentlich.

Das Bombenräumkommando ist auch noch nicht am Spielplatz eingetroffen.

Stunden später haben wir wieder festen Boden unter den Füßen und befreien das Täschle mit den Kaltgetränken. Ein kleiner Mayonnaise-Fleck, ansonsten keine Sachschäden entstanden. Das war ja einfach!

Später möchte ich noch zum Institut du monde arabe, weil die da einen hervorragenden Buchladen haben. [Wer noch nicht da war: aufs Dach gehen und Aussicht genießen.] Sicherheitsschleuse. Taschen durchleuchten.

Die zwei arabischen Sicherheitsbeamten reißen die Augen auf. Sind das Bierflaschen?

Ja.

Belgisches oder deutsches Bier?

Deutsches.

Ach, ihr seid aus Deutschland? – Das Gespräch nimmt eine persönliche Wendung, halt, Moment, möchte da jemand freundlich sein und uns das Bier abschnacken? Kommt gar nicht infrage!

Das Bier ist für einen arabischen Freund, sage ich.

Oh! OH! Sie haben einen arabischen Freund! Na dann, viel Spaß!

 

Ja, Spaß hatten wir.