Nostalgiebetten – Bett 6

Was bisher geschah:

Sinnieren über die Betten meiner Vergangenheit. Wenn ich nicht einschlafen kann, träume ich mich in frühere Schlafstätten zurück.

Wir sind in meiner Jugend angelangt, ich ging in England zur Schule, doch meine Bildungsstätte zog es vor, die Pforten für immer zu schließen.

Es war nicht so einfach, eine neue Schule zu finden, an der meine etwas ungewöhnliche Fächerkombination – so ungewöhnlich war sie gar nicht: Französisch und Bio – durchführbar war. Doch ich fand eine und zog im September in meine neuen vier Wände ein.

Das vorletzte Zimmer eines U-förmigen Bunglalowbaus. Danach kam nur noch ein unbenutztes Zimmer und der Gemeinschaftsraum.

Ein sehr kleines Zimmer, aber mit Waschbecken und direktem Zugang zum unbenutzten Nebenraum. Von dort holte ich mir gleich mal die geräumigere Kommode. Nun galt es, Schreibtisch, Kommode, Schrank und Bett möglichst geschickt um Waschbecken, Fenster und Türen zu drapieren. Es gab noch eine zusätzliche Tür, hinter der sich der Heizungskessel befand. Netterweise war darüber ein Fach angebracht, und so konnte ich gewaschene, aber noch feuchte Jeans einfach zum Trocknen hineinlegen und hatte auf die Weise eine warme Schrank-Außenstelle. Mit dem eigentlichen Schrank stellte ich die Verbindungstür zu und zack!, war das Zimmer auch schon voll. Noch ein paar Bildchen aufgehängt und fertig war mein Zuhause für das kommende Schuljahr.

Hätte ich am Anfang des Schuljahrs gewusst, wie unglaublich niederschmetternd die Briefe der Schule an meine Eltern waren, hätte ich eventuell die ein oder andere schlaflose Nacht gehabt. Vielleicht aber auch nicht, so schnell schlafe ich nicht schlecht.

Tatsache ist, dass meine Eltern mit Briefen über meine schlechten Leistungen bombardiert wurden. Das mag zugegebenermaßen gerechtfertigt gewesen sein, aber was sollten sie denn tun? Für die Abinote zählen würden nur die Abschlussprüfungen, es gab also keinerlei Grund, sich über Zwischennoten aufzuregen. Es sei denn, natürlich, die Schule fürchtet um ihr Ranking. Da waren wir nun etwas in Konflikt, denn ich zog es aus Freizeitoptmierungsgründen dann doch vor, nicht für die Probeprüfungen zu lernen, um auf diese Weise genau eruieren zu können, was ich noch würde lernen müssen und wo mein Wissen auch so ausreichte.

Zugeben konnte ich das schlecht und so beruhigte ich meine Eltern am Telefon, während mutmaßlich bereits der nächste und übernächste Brief an sie unterwegs war. Mit mir zu sprechen (die ich ja immerhin volljährig war) fand die Schulleitung nicht notwendig, ich bestand zwar mal auf einer Klärung, die klärte aber nichts und so beließ ich es bei meiner Taktik.

Ich lag oft augenrollend im Bett.

Kurz vor den Abschlussprüfungen lag ich lernend im Bett. Zur Motivationssteigerung riss ich jede Seite, die ich für Bio gelernt hatte, aus dem Lernheft heraus. Nein, es bestand keine Chance, dass ich das Heft später noch brauchen würde, ich lernte ja erst am Morgen der jeweiligen Bioprüfung. So konnte ich sichergehen, dass ich in den nächsten vier Stunden nichts vergessen würde. Dass ich bestehen würde, bezweifelte ich nicht, war ich doch in den Probeprüfungen – ohne zu lernen – nur ganz knapp durchgefallen. Für Französisch lernte ich nur die benötigten Zitate auswendig, denn die Chancen, dass man prophylaktisch die richtigen Vokabeln büffelt, sind viel zu gering.

Mein Bett also.

Waschbecken, Bett, Poster

Witzigerweise habe ich nie ausprobiert, mir im Liegen die Füße zu waschen

Wenn ich in dem Bett lag, konnte ich mit den Füßen das Waschbecken berühren. Das Zimmer hatte papierleichte Holztüren, die klapperten, nein, ich fand es dort nicht übermäßig gemütlich, der Aufenthalt glich eher einer Notwendigkeit, die nicht ganz schlecht, aber auch kein Highlight war. Wir waren 19 in meinem Jahrgang, tiefgehende Freundschaften sind nicht entstanden. Die Mädchen kamen aus einer anderen Welt und ich wollte die Brücke dorthin nicht überqueren. Vielleicht ist meine Erinnerung aber tatsächlich negativ verklärt, ich war nicht unglücklich an dieser Schule. Allerdings entschied ich mich dagegen, in England zu studieren und blieb dem Land anschließend 18 Jahre lang fern. Dann war es aber schön, vorübergehend zurückzukehren.

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