“Leona – Die Würfel sind gefallen”: Interview mit Jenny Rogneby

Im Rahmen der Blogtour durfte ich wieder ein Interview führen.  Und Ihr dürft die unten stehende Frage beantworten und habt die Chance, eins von fünf Büchern zu gewinnen!

Leona

Du bist eigentlich Kriminalistin. Wolltest du immer auch schreiben oder kam die Idee zum Buch durch deine Arbeit?

Ich wollte eigentlich nie Schriftstellerin werden. Als ich einige Jahre als Ermittlerin bei der Polizei von Stockholm City arbeitete, bekam ich die Idee für die Protagonistin Leona. Diese Idee wollte nicht wieder verschwinden. Ich beschloss, sie aufzuschreiben. Ich wusste, dass es um eine Polizistin gehen sollte, die genau wie ich als Ermittlerin arbeiten würde, und ich wollte, dass es um einen Bankraub geht. Aber ich wollte nicht einen gewöhnlichen Bankraub beschreiben, wie man ihn aus Film und Literatur kennt, wenn eine Bande maskierter, bewaffneter Männer in eine Bank stürmen, schreien und wild herumballern. Ich sah den Räuber eher als eine verwundbare Person. In meinem Kopf hatte ich das deutliche Bild eines kleinen siebenjährigen Mädchens, das mit seinem Teddy im Arm in die Bank ging und mit mehreren Millionen wieder herauskam. Das wurde die erste Szene im Buch.

Wann hast du deinen KollegInnen erzählt, dass du ein Buch schreibst? Was haben sie gesagt?

Ich habe gleich am Anfang gesagt, dass ich ein Buch schreiben wollte. Meine Kollegen standen positiv dazu und haben mich ermuntert – und haben Witze gemacht, dass sie gern eine Rolle in der Erzählung hätten.

Wie fühlt es sich jetzt an, da du mit deinem ersten Buch so einen großen Erfolg hast?

Es fühlt sich wunderbar an. Als ich mit dem Schreiben anfing, wusste ich nicht, ob es überhaupt publiziert werden würde. Dass es nun in elf Ländern erscheint und noch dazu großes Interesse bei der Filmindustrie geweckt hat, fühlt sich unglaublich gut an. Es ist besser gelaufen, als ich hätte träumen können.

Zu Leona selbst. Sie ist ja manchmal ziemlich unsympathisch. Es fällt schwer, ihr zu folgen. Hattest du immer den Plan des Antihelden, dessen Motive schwer zu verstehen sind? Oder machte sich Leona quasi selbstständig?

Ich wollte über eine Person schreiben, die nicht nur gut und nicht nur schlecht ist, sondern die viele verschiedene Seiten hat. Leona hat eine dunkle Vergangenheit mit einer schweren Kindheit, was dazu geführt hat, dass sie Gefühle nicht so erlebt wie andere Menschen. Deshalb reagiert sie in vielen Situationen auf eine gefühlskalte Art. Sie hat ihr Leben lang lernen müssen, wie man sich verhält, um in die Gesellschaft zu passen und akzeptiert zu werden, und sie hat eine Fassade mit Mann, Kindern und Arbeit aufgebaut – die sie schlussendlich nicht aufrechterhalten kann. Am Ende beschließt sie, auf sehr dramatische Weise von dem eingefahrenen Alltag loszubrechen.

Wie war es für dich, das Buch zu schreiben? Fandst du Leonas Verhalten logisch? Verstehst du sie und warum sie das tut, was sie tut?

Es war unglaublich interessant und fordernd, das Buch zu schreiben. Vor allem war es interessant, über eine Frau zu schreiben, die nicht so agiert, wie man es von einer Frau, Mutter und Polizistin erwartet. Ich habe als Kriminalistin und Ermittlerin viele Jahre das menschliche Verhalten studiert und viele verschiedene Personentypen getroffen. Ich habe gesehen, wie die Biologie und das Kindheitsmilieu Menschen in verschiedene Richtungen beeinflussen kann. Wenn man das menschliche Verhalten betrachtet, kann man dahinterliegende Erklärungen sehen, warum diese Menschen drastische Taten begehen. Leona ist eine fiktive Person, aber man kann in der Wirklichkeit viele Personen finden, die noch drastischere Taten begehen. Ich glaube, dass die Menschen die Handlungen von Frauen und Männern unterschiedlich sehen und stärker reagieren, wenn eine Frau den Rahmen verlässt, der als normal angesehen wird.

Glaubst du, dass so eine Geschichte in Stockholm passieren könnte?

Ich hole mir die Inspiration im wirklichen Leben, aber was ich schreibe, ist keine Dokumentation, sondern Fiktion. Der Vorteil, wenn man Fiktion schreibt, ist, dass man die Richtung der Erzählung bestimmen kann. Gleichzeitig ist die Wirklichkeit oft viel unglaublicher als die Fiktion. Die Menschen haben im Laufe der Zeit viele Verbrechen begangen, von denen man kaum glauben kann, dass sie wahr sind. Wer hätte zum Beispiel geglaubt, dass die Terrortat mit dem entführten Flugzeug, das ins World Trade Center in Manhattan in New York flog oder einige andere furchtbare Verbrechen, die in der Welt passiert sind, wirklich geschehen würden? Die Wirklichkeit ist oft unglaublicher und unbehaglicher als die Fiktion.

Beim Lesen des Buches musste ich mich manchmal daran erinnern, dass es eine erfundene Geschichte war, dass es das Kind eigentlich nicht gibt. Aber es war trotzdem schwer. Wie fühlte sich das für dich an?

Einen Großteil des Buches habe ich bewusst aus der Perspektive der Siebenjährigen geschrieben, was eine Herausforderung für mich war. Genau wie bei den anderen Protagonisten, versuchte ich mich hineinzuversetzen, wie ein kleines Mädchen empfindet und denkt. Es war mir wichtig, die Szenen aus ihrer Perspektive zu beschreiben und nicht aus der ihres Vaters. Bestimmte Szenen waren schwerer zu schreiben als andere, aber insgesamt finde ich, es ging ganz gut.

Vielen Dank, Jenny!

Und jetzt zu Euch, liebe LeserInnen. Habt Ihr es auch schon erlebt, dass die Wirklichkeit Euch unglaublicher erschien als jede fiktive Geschichte? Schreibt mir einen Kommentar – vielleicht gewinnt Ihr ja das Buch!

 

22.8. Buchvorstellung
23.8. Leona Lindberg
24.8. Missbrauch
25.8. Presse & Polizei – Hand in Hand?
26.8. Interview
27.8. Gewinnerbekanntgabe

Teilnahmebedingungen
Mit der Teilnahme am Gewinnspiel erklärt Ihr Euch mit den Teilnahmebedingungen einverstanden. Daten, die im Gewinnfall weitergegeben wurden, werden nicht für weitere Zwecke entfremdet. 4 Wochen nach Gewinnversand werden die Daten gelöscht.
Im Gewinnfall erklärt sich der Gewinner bereit, seine Daten für den Versand des Gewinns zur Verfügung zu stellen.

GewinnerInnen werden in der Regel öffentlich genannt und bei den teilnehmenden Bloggerinnen in der Gewinnerbekanntgabe veröffentlicht.

Mit der Teilnahme am Gewinnspiel wird automatisch bestätigt, dass Ihr das 18. Lebensjahr erreicht habt und voll geschäftsfähig seid. TeilnehmerInnen unter 18 Jahren müssen eine Erlaubnis haben und auf Nachfrage eine Einverständniserklärung der/des Erziehungs-/Sorgeberechtigten vorlegen.

Der Gewinnversand erfolgt ausschließlich nach Deutschland/Österreich/Schweiz
Bei weiteren Ländern wird Porto per Vorkasse fällig.

Für den Postweg wird keine Haftung übernommen.

Eine Barauszahlung der Gewinne ist nicht möglich.

Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

 

11 Gedanken zu „“Leona – Die Würfel sind gefallen”: Interview mit Jenny Rogneby“

  1. Huhu :)

    Oh ein sehr interessantes Interview, gefällt mir richtig gut :)
    Zu deiner Frage.
    Mir ist es noch nicht passiert, daß die Wirklichkeit unglaublicher ist, als eine fiktive Geschichte.
    Aber ich denke, das liegt auch oftmals im Auge des Betrachters.
    Lg Susi Aly
    Buecherjunkie78@gmail.com

  2. Ich habe schon Einiges erlebt, das durchaus so absurd war, dass man es kaum glauben konnte oder dacht, ma sei im Film. Eine live Verfolgunsjagd auf einen bewaffneten Verbrecher (damals arbeitete ich in einem laden in der Fußgängerzone und plötzlich war draußen die Hölle los). Ich hatte schon das Vergnügen mich bei Bombenanschlägen in unmittelbarer Nähe aufzuhalten (wobei cih das Ausmaß erst viel später realisiert habe).

  3. Nein, sowas habe ich noch nicht erlebt, das die Wirklichkeit unglaublicher war als die Fiktion.

    Ich wünsche einen schönen Mittwoch.

    Liebe Grüße,
    Daniela

  4. Das Interview ist sehr interessant und ich habe es gerne gelesen.
    In meinem Leben habe ich noch keine Dinge erlebt, wo ich dachte, dass sich so eine Geschichte niemand ausdenken kann.

  5. Oh ja, ich habe schon einiges erlebt, was einfach unglaublich erscheint – einschließlich schlampiger Polizeiarbeit. Als mein Schwiegervater tot aufgefunden wurde, war die Polizei nicht einmal in der Lage, den Todeszeitpunkt einzugrenzen. Dabei war das so leicht, dass ich das sogar geschafft habe – es ist schwer möglich, an einem Samstag zu sterben, wenn die Zeitung vom Sonntag (also einen Tag später) vom Verstorbenen ins Altpapier gelegt wurde.

    LG,
    Heidi, die Cappuccino-Mama

  6. Hallo ,

    Nein , ich habe bis jetzt noch nicht erlebt daß die Wirklichkeit unglaublicher ist, als eine fiktive Geschichte.
    Ich hoffe das ich nicht erleben muss.
    Tolles und interessantes Interview :) Vielen Dank .

    Liebe Grüße Margareta

  7. Hallo,

    ja ich kenne Situationen, wo mir die Wirklichkeit fiktiver vorkam als eine Geschichte :)

    Liebe Grüße
    SaBine

  8. Guten Abend,
    es ist mir durchaus schonmal passiert, dass mir die Wahrheit fiktiver vorkam als sie eigentlich ist. Einige Momente, in denen ich mir dachte “Echt jetzt?!?” – und sogar einige, in denen es ein wenig länger gedauert hat, bis sich das Gefühl wieder gelöst hat.
    Erst neulich dachte ich, dass ich im Film bin. *grins* oder mein Leben eine schlechte Seifenoper ist. :D

    Vielen lieben Dank für das Interview.
    Ich überlege noch, ob ich nicht zu ihrer Lesung gehe.
    Liebe Grüße, Verena.

  9. Hallo,

    ein toller Beitrag! Ich kenne durchaus Geschichten, die tatsächlich sehr fiktiv gewirkt haben, aber dennoch Realität waren.

    LG

  10. Guten Morgen,
    ein wirklich sehr interessanter Beitrag, was mich doch sehr auf das Buch neugierig gemacht hat.

    Ich habe schon öfters gedacht – Mensch, dass kann doch alles nicht wahr sein… wieviel Pech kann eine Person nur haben. Das sind Momente, wenn mir viele komische Dinge passieren, und sich über Tage anhäufen. Wo ich die Hände vors Gesicht halte und nur noch ungläubig mit dem Kopf schütteln kann. Manchmal glaube ich sogar… wenn ich darüber ein Buch schreiben würde, mir würden die Leser das nicht mal als eine fiktive Story abkaufen :-)

    Liebe Grüße
    Kati

    (Katis-Buecherwelt@outlook.de)

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