“Der Pfau”: Interview mit Isabel Bogdan

Meistens übersetzt Isa. Aber manchmal schreibt sie auch. Und dann kann es passieren, dass ein Pfau daraus wird und alle sich vor Freude überschlagen. Ich habe ihr ein paar Fragen dazu gestellt und erfahren, warum sich das Buch im Sommer zum Flirten eignet.

Herzlichen Glückwunsch, es ist ein … Pfau. Du scheinst ein Händchen für eingängige Titel zu haben. Noch lange bevor die Wortspielchen mit „Sachen machen“ auch nur annähernd abebben (sollten sie es jemals tun), wimmelt es in deiner Facebook-Timeline nun von Pfauenbildchen, Pfauenkleidchen, Pfauenmustern usw. Hast du ansatzweise geahnt, wie viel Pfauzeug es gibt? War es gar Berechnung?

Ich habe mir überhaupt keine Gedanken darüber gemacht, wie viel Pfauenzeug es gibt, und dass es Leute geben würde, die es mir schenken wollen. Hätte ich, dann hätte ich das Buch vielleicht „Buckelvolvo“ oder „Schokolade“ genannt.

Berechnung war es sicher nicht, denn mal ehrlich: Das meiste Pfauenzeug ist furchtbar kitschig.

Ich bin mir sicher, dass wir jeden Titel irgendwie ausschlachten können – viel wichtiger ist aber: Gibt es Pläne für mehr Bogdanliteratur?

„Pläne“ würde ich es noch nicht nennen. Es gibt eine lose Idee. Jedenfalls habe ich Lust! Aber es liegen auch noch Übersetzungen an, bis zum nächsten eigenen Roman wird es also noch dauern.

Du bist Übersetzerin. In meiner total subjektiven Wahrnehmung kommen viele LektorInnen und ÜbersetzerInnen irgendwann an den Punkt, ein eigenes Buch zu schreiben. Ist es die Textarbeit, die einem verdeutlicht, dass man das auch selbst könnte? Möchte man einfach nur mal auf der anderen Seite stehen?

Als Übersetzerin wird man dauernd gefragt, ob man nicht mal selbst etwas schreiben wolle. Und diese Frage ärgert einen meist, weil dabei unterschwellig oft mitschwingt, Übersetzen sei so etwas wie „Schreiben zweiter Klasse“. Als hätten Übersetzer das „richtige“ Schreiben nicht geschafft. Aber so ist es nicht. Schreiben und Übersetzen sind zwei ganz unterschiedliche Tätigkeiten, nicht jeder Übersetzer will oder kann schreiben, und nicht jede Autorin will oder kann übersetzen.

Aber Schreiben und Übersetzen können einander sehr befruchten, in beide Richtungen.

Was war zuerst da: der Wunsch, eine abstruse Geschichte zu schreiben oder der Pfau-Plot?

Der Pfau-Plot! Ich hatte nie den dringenden Wunsch zu schreiben. Aber als mir diese Geschichte erzählt wurde – es gab tatsächlich einen verrücktgewordenen Pfau auf einem einsamen Anwesen in Schottland, der blaue Autos angriff – da wollte ich sie unbedingt aufschreiben, natürlich mit einem anderen Twist und fiktiven Figuren. Anfangs war es nur eine Kurzgeschichte, aber dann wurde sie immer länger und verwickelter.

 

lachende Isa Bogdan

Isabel Bogdan, zu Recht gut gelaunte Autorin
Foto: Smilla Dankert

Was ist in der Entstehung enervierender: ein Buch zu übersetzen, das besonders herausfordernd oder langatmig ist – oder das eigene Buch zu schreiben, bei dem man an allem, das nicht funktioniert, automatisch selbst schuld ist?

Als Übersetzerin bin ich glücklicherweise inzwischen in der Lage, mir die Bücher auszusuchen, die ich mache. Ich muss nichts mehr übersetzen, was mich schon von Anfang an nervt (denn, ja: been there, done that, und das ist wirklich anstrengend). Als Autorin kann ich alles löschen, was mir nicht gefällt. Der Vorteil beim Übersetzen ist, dass immer schon was dasteht – als Autorin habe ich die dauernde Angst, dass mir nichts mehr einfallen wird.

Das Anstrengendste war für mich eigentlich, dass ich zunächst keinen Abgabetermin hatte, denn ein Verlag kauft ein Manuskript normalerweise nicht, wenn es erst 30 Seiten lang ist. Und ohne Termin funktioniere ich schlecht. Das habe ich dadurch gelöst, dass ich mir eine Agentin gesucht habe, die mir ein bisschen Druck gemacht hat. Und die ich überhaupt heiß und innig liebe.

Wie anstrengend war das Lektorat im Vergleich zum Übersetzungslektorat?

Genauso anstrengend, nämlich gar nicht. Die Lektorinnen und Lektoren, mit denen ich in den letzten Jahren zusammengearbeitet habe, sind allesamt sehr konstruktiv und kompetent, das macht großen Spaß.

Auf die Gefahr hin, dass die Antwort niemanden überraschen wird: Entschädigt die von vornherein positive Resonanz für den Stress des Schreibens?

Ich wäre nicht auf die Idee gekommen, das gegeneinander aufzurechnen. Der „Stress“ war auch gar nicht so, dass ich mich fürchterlich unter Druck gefühlt hätte – ich habe halt ausprobiert, wie weit ich komme, und habe mit meiner Agentin jemanden gefunden, der mich unterwegs an der Hand nahm. Als KiWi es dann gekauft hatte, hatten wir auch noch genügend Zeit fürs Lektorat, das war eigentlich alles recht entspannt. Natürlich gab es Phasen, in denen ich gezweifelt habe und das Gefühl hatte, nicht weiterzukommen, aber dann hat mir auch immer schnell wieder jemand Mut gemacht. In der Rückschau empfinde ich die Zeit nicht als besonders stressig. Stressig war dann das Warten, bis es endlich wirklich erscheint.

Die positive Resonanz jetzt ist natürlich großartig, damit habe ich nie im Leben gerechnet.

Für deinen Plot mussten Banker herhalten. Hattest du noch andere klischeebeladene Berufsgruppen in der Auswahl?

Ja, mein Lektor und ich haben zwischendurch überlegt, ob wir einen anderen Beruf nehmen. Eine Abteilung irgendeines Konzerns, Versicherungsleute, Modebranche … aber am Ende ist der genaue Bereich ja gar nicht wichtig für die Geschichte, also konnten sie auch ebensogut Banker bleiben.

Kannst du jemals wieder Pute/Gans essen, ohne dabei an verrückte Pfauen zu denken?

Ich weiß zu viel über Putenmast, um überhaupt je wieder Pute zu essen.

Wie geil ist es, dass Christoph Maria Herbst das Hörbuch eingelesen hat?

Sehr! Er hat das so großartig gelesen, die ganze indirekte Rede, das ist ja nicht so einfach, und hat einen Witz reingebracht, dass ich beim Zuhören plötzlich so kleine Herzchen in den Augen hatte.

Und das Cover! Glanz und Schimmer! Der Moment, als du es das erste Mal sahst?

Das war sehr aufregend. Als erstes kam eine Mail mit zwei Entwürfen in jeweils drei verschiedenen Farbkombinationen. Ich hatte fast Angst, die Mail aufzumachen! Und dann fand ich gleich den ersten Entwurf absolut großartig, und die Farben waren dann auch schnell entschieden. Als ich es dann noch mit der Glanzfolie gesehen habe … wow. Großer Dank an Barbara Thoben! Das muss man erstmal schaffen: Ein Pfau aus Glanzfolie, der nicht kitschig ist. Ich möchte das Buch dauernd in die Hand nehmen und es im Licht schimmern lassen. Und ich glaube, im Sommer kann man damit flirten – wenn die Sonne richtig drauffällt, kann man prima mit den Lichtreflexen spielen.

Vielen Dank, Isa, für deine Antworten. Draußen scheint die Sonne – die Pfauenflirtsaison ist eröffnet!

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