“Hamburg abseits der Pfade”: Interview mit Cordula Natusch

Cordula Natusch: Hamburg abseits der Pfade. Braumüller Verlag, 978-3-99100-155-3

Meine Freundin Cordula hat ein Buch geschrieben. Einen Reiseführer. Über Hamburg. Gähn!, denkt der ein oder andere, Hamburg kennen wir inzwischen doch ganz gut, was soll es da noch geben, überhaupt, PFADE, und die soll man dann AUCH NOCH verlassen, das kann ja nur im Matschchaos enden.

Ja, denkste.

Und die Bilder sind auch nicht bunt!

Ja, stimmt. Das ist wie bei einem Roman, der funktioniert auch ohne Bilder. Man kann dieses Buch nämlich auch von vorn bis hinten einfach durchlesen. Am Anfang schrieb ich mir noch Tipps raus, aber das ließ ich alsbald bleiben, denn das muss man alles mal besuchen, am besten reicht ihr fürs nächste Frühjahr gleich mal eine Woche Urlaub ein. Das wird zwar nicht reichen, ist aber ein Anfang.

Das Buch wird euch in Keller ziehen, in Hinterhöfe und in die Vierlande.

Und das Tollste ist: Ihr könnt eins gewinnen! Wie das geht, steht unten.

Wie hat Cordula es nun geschafft, so einen unglaublich coolen Reiseführer zu schreiben? Ich geh mal fragen.

Cordula, wie hast du das geschafft? Wo hast du dir Inspiration geholt? Oder waren das lauter Zufallsfunde?

Das ist über die Jahre gewachsen. Ich bin vor fast neun Jahren nach Hamburg gezogen, weil ich schon immer nach Hamburg wollte. Seitdem bin ich viel in der Stadt unterwegs. Und da ich nicht wusste, wo man als Hamburger eher nicht hingeht, war ich schon in allen möglichen Ecken. In Rahlstedt etwa. Oder in Harburg und Barmbek-Nord. Einfach weil ich wissen wollte, wie es da aussieht. Ich bin von Natur aus furchtbar neugierig, frag mal meine Mutter, die kann ein Lied davon singen. Und ich rede gern mit Menschen. Die Hamburger selbst haben mit der Zeit ganz viele Tipps beigesteuert, was es in ihren Vierteln noch so zu sehen gibt.

Kann man, wenn man weiß, dass man drüber schreiben muss, das Ausprobieren der Routen und die Besichtigungen überhaupt noch richtig genießen? Warst du im Kopf schon am Formulieren oder hast du noch ein paar Tage abgewartet und dann nur beschrieben, was als besonders herausragend im Gedächtnis blieb?

Meist war es so ein Mittelding. Anfangs hat es einfach nur Spaß gemacht, die Touren zu planen und auszuarbeiten. Aber natürlich stand dann irgendwann die Arbeit im Vordergrund. Oft hatte ich eine Checkliste dabei mit den Punkten, die ich noch klären musste, mit Motiven, die ich noch fotografieren wollte, und mit Terminen, die ich vorher mit Gesprächspartnern verabredet hatte. Das konnte dann auch mal stressig werden. Aber es ist ein tolles Gefühl, wenn man merkt, dass da etwas rund wird, dass die Dinge sich plötzlich ineinanderfügen. Und wenn man vielleicht noch etwas entdeckt, was die Tour zu etwas ganz Besonderem macht.

Notizen hatte ich mir schon immer gemacht, während ich unterwegs war. Das ist auch notwendig, sonst hätte ich zu viel vergessen. Oft hatte ich auch schon bestimmte Formulierungen im Kopf, die wollte ich möglichst schnell aufs Papier bringen. Allerdings habe ich den Text noch ungefähr siebenunddröfzig Mal umgeschrieben. Berufskrankheit …

Autorin mit Buch

Auch im Herbst furchtlos draußen anzutreffen: Cordula Natusch an Buch

Ich bin ja der Meinung, dass es in Hamburg viel seltener regnet, als die Allgemeinheit immer behauptet. Wie oft hast du Rechercheausflüge verkürzt, abgebrochen oder gar nicht angetreten, weil das Wetter gebockt hat?

Hm, mal nachdenken. Also wenn überhaupt, dann habe ich nur sehr selten eine Tour wegen des Wetters ausfallen lassen. Der Sommer war ja eher durchschnittlich. Aber gerade der Sonne-Wolken-Mix, den ich die meiste Zeit hatte, ist doch für Radtouren oder ausgiebige Spaziergänge viel besser geeignet als brüllende Hitze, oder? Und bei Regen ging es in eines der kleinen, unbekannten Museen. Die haben mich übrigens sehr fasziniert.

Du warst da doch überall, oder?

Na klar, meist auch mehr als einmal.

Was ist dein eigener Lieblingstipp aus dem Buch? Wohin würdest du Hamburgkundige Besucher als erstes entführen?

Das ist echt schwierig. Tatsächlich mag ich die Radtour an der Elbe entlang nach Rothenburgsort sehr gern. Sie ist für mich typisch für Hamburg mit ein bisschen Glitzer am Anfang, viel Hafen, Handel und Industrie zwischendurch und am Ende steht man plötzlich in einer grünen Idylle, obwohl man doch gerade erst losgefahren ist. Und ein sehr interessantes Museum wartet da auch noch.

Und wo geht ihr anschließend essen?

In Winterhude im Trüffelschwein. So was von lecker, nett und sympathisch. Die haben mittlerweile ihren ersten Stern bekommen – und das völlig zu Recht! Das Restaurant liegt zwar in einer anderen Ecke der Stadt, aber dafür lohnt sich der Weg.

Hast du jemals darüber nachgedacht, selber Führungen anzubieten? Oder hast du längst alle Details vergessen, die du aufgeschrieben hast – wie nach einer wichtigen Klausur?

Eigentlich nicht wirklich. Aber wer weiß, ich kann ja mal mit Freunden starten. Hast du Lust, liebe Gesa? Für die Details brauche ich allerdings meine Notizen …

(Was für eine Frage! Anm. der Blogred.)

Eigentlich ist es Quatsch, das zu fragen, aber ich hätte so gern gewusst, wo du hingehst, wenn du an einem schönen Ort deine Ruhe haben willst. Ich gehe davon aus, dass du noch einen Ausweichort im Ärmel hast, wenn der von dir genannte in nächster Zeit überrannt wird.

Ein wirklich wundervolles Fleckchen, vor allem im Frühjahr und im Sommer, ist der Botanische Sondergarten in Wandsbek. Einfach schön angelegt, eher klein, sehr ruhig und überhaupt nicht überlaufen. Wie ich ja im Reiseführer geschrieben habe: Da kann man mit einem Buch vor der Nase ganz prima die Zeit vertrödeln.

Und wo gehst du am liebsten hin, wenn du Trubel haben möchtest?

Auf den Goldbek-Markt in Winterhude. Okay, das ist sehr zivilisierter Trubel. Ansonsten mag ich das Freundlich & Kompetent in Barmbek sehr.

Sind noch Pfade in Hamburg übrig, die man verlassen kann? Mit anderen Worten – ist ein zweiter Band geplant? Hättest du überhaupt Lust darauf oder bist du froh, dass du dich wieder deiner eigentlichen Arbeit zuwenden kannst?

Das war sogar das Schwierigste am Buch – zu entscheiden, welche Touren, welche Ecken ich rauslasse. Material habe ich also noch jede Menge. Ob es einen zweiten Band geben wird, entscheidet natürlich der Verlag. Lust dazu habe ich auf alle Fälle, auch wenn ich derzeit ganz froh bin, dass meine Wochenenden wieder mir und nicht mehr dem Buch gehören. Aber das wird sich schnell ändern, wie ich mich kenne. Sobald die Sonne rauskommt, bin ich wieder unterwegs.

Du bist ja freiwillig nach Hamburg gezogen. Aber hättest du je gedacht, dass du die Stadt mal so gut kennen würdest? Ist es typisch für dich, die ausgetretenen Pfade zu verlassen?

Eigentlich habe ich eher den Eindruck, jeden Tag etwas Neues in Hamburg zu entdecken. Diese Stadt ist so groß, so vielseitig und alles ändert sich so schnell. Das macht es ja so spannend, sich in Hamburg zu bewegen. Und ja, das ist sehr typisch für mich. Ich bin schon als Kind mit unserem Hund an der Leine kreuz und quer durch meine Heimatstadt gelaufen, um nachzuschauen, wie es denn woanders aussieht. Wie gesagt, meine Neugier …

Normalerweise schreibst du Ratgeber über dröge* Themen wie Finanzen, Akquise, Konzepte … du kennst also das Gefühl, dein eigenes Buch in den Händen zu halten. Ich kann mir vorstellen, dass es trotzdem anders war. Oder bist du schon so sehr Hamburgerin, dass du dir Luftsprünge verbietest?

Natürlich ist der Hamburg-Reiseführer anders als meine Ratgeber, ein echtes Lieblingsprojekt eben (auch wenn mir meine anderen Bücher natürlich auch am Herzen liegen). Ich liebe Hamburg sehr und ein eigenes gedrucktes Buch über „meine“ Stadt vor mir liegen zu haben: Da habe ich mir schon einen Luftsprung erlaubt. Einen kleinen zumindest!

Und jetzt seid Ihr dran. Kommentiert, welche Ecke Hamburgs Euch bisher gefällt und/oder wo Ihr noch nie wart und schon immer mal hin wolltet. Ihr habt bis zum 9.12.2015 um Mitternacht Zeit. Den/die Gewinner/-in zieht ein Assistenzkind per Los, der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

 

* unprofessionelle, voreingenommene und vor allem subjektive Wahrnehmung der Blogbetreiberin

13 Gedanken zu „“Hamburg abseits der Pfade”: Interview mit Cordula Natusch“

  1. Ich kenne Hamburg nur von einigen Besuchen, den Fischmarkt und die Hafenrundfahrt und die Hafenstraße und so – aber ich möchte gerne bei meinem nächsten Besuch die ausgetretenen Pfade verlassen. Am liebsten mit Gesa, denn sie ist bestimmt auch eine tolle Stadtführerin!

  2. Für mich ist das die Elbchaussee zur Weihnachtszeit, wenn in jedem Garten ein beleuchteter Tannenbaum steht und man in die Fenster der große prächtigen Villen schauen kann. Schon als Kinder haben meine Schwester und ich immer um die Wette gezählt, wer mehr Weihnachstbäume sieht! ;)

  3. Immer wieder meine Heimatinsel Wilhelmsburg. Die bietet auch fast alles. Wenn ich, wie schon häufiger geschehen, Landratten – also Festlandshamburgerinnen – mit dem Rad über die Insel führe, dann kommt angesichts der Schönheit/Idylle hier und da schon mal die Frage: “Ist dass hier AUCH noch Wilhelmsburg?” Ja, isses, denn wenn man wieder runter will von der schönen, vielseitigen, unbekannten Insel, bleibt einem nichts anderes übrig, als die Elbe zu über- oder unterqueren.

    Ich hätte super gern das Buch von Cordula!

  4. “wo ihr schon immer mal hin wolltet”?
    Es gibt viel zu viele Ecken in meiner Heimatstadt, in denen ich noch nie war. Hmm, aber das könnte daran liegen, dass ich da auch noch nie hingewollt habe.

    Ganz interessant fände ich mal Sasel. Ich bin da ein oder zweimal in meinem Leben vorbeigekommen und das sah schön aus. Dort war, glaube ich, auch irgendwo das Restaurant, in dem man so gemütlich wie im Wohnzimmer auf ganz alten Sofas saß und gut gegessen hat, eine Freundin hat uns mal eingeladen.

    Ein Tipp: Garantiert unterschätzt ist der Jugendpark in Langenhorn, gleich neben dem Flughafen. Dort hätte ich nie so ein “wildes” Stückchen vermutet.

    Ansonsten gehört mein Herz natürlich dem heimischen Fuhlsbüttel!

    Und den spannend klingenden Reiseführer würde ich gerne gewinnen.

  5. Mit am liebsten in Hamburg habe ich den Blick auf den Hafen wenn man von Süden kommend auf der A7 fährt.
    Da wird mir immer das Herz so weit , ich summe “Hamburg, meine Perle” und weiß, ich bin zu Hause.
    Sehr unbekannt ist für mich der ganze Hamburger Osten, irgendwie kommen wir nie über die Alster hinaus.
    Deshalb würde ich das Buch gern gewinnen, um noch viel,viel mehr von Hamburg zu wissen. Und wenn ich es nicht gewinne, dann kaufe ich es :)

    1. Ja, genau! Wenn wir von Süden kommen und ich dann das rot-weiße Schild an der A7 sehe, dann bin ich zu Hause. Das ist immer noch ein ganz besonderes Gefühl und da werde ich ein ganz kleines bisschen rührselig. Früher, als ich studierte und vorwiegend mit der Bahn nach Hause fuhr, hatte ich dieses Gefühl auf dem Stück zwischen Hauptbahnhof und Dammtor: Über die Lombardsbrücke fahren und auf die Binnen- und Außenalster blicken, da ging mir immer das Herz auf!

  6. ich habe mal für einen Reiseblog geschrieben und Hamburg war eines meiner Hauptgebiete. Ich kann mich daran erinnern, dass ich unheimlich viel über Hamburg entdeckt hatte, das keiner kannte. Es waren nicht nur Gebäude und andere Sehenswürdigkeiten dabei sondern auch Traditionen die in der Stadt gelebt werden. Ich weiß also, dass mit dem Buch sicher niemand öde sein wird!

  7. Radtouren sind eine wunderbare Art, die eigene Stadt – aber auch fremde Städte – kennenzulernen. Sehr gerne würde ich die Elbradtour mit dem Buch im Gepäck einmal machen …

  8. Wenn ich nicht gut drauf bin, sitze ich im Jenischpark unter einem bestimmten Baum. Da ist viel Licht, da ist es gut. Man spricht mich dort nur besser nicht an, denn ich bin ja nicht gut drauf. Zumindest nicht, wenn ich gerade unter einem Baum sitze.

    Als besonderen Garten nehme ich den Römischen Garten unter an der Elbe. Dort gibt es sogar ein kleines, grasbewachsenes Amphitheater. Wenn ich Leuten von diesem Garten erzähle, sagen sie immer “kenn ich”, um dann festzustellen, dass sie ihn doch nicht kennen. Lohnt sich also zu checken.

    Und mein ganz besonderer Ort, quasi als Geschenk an die Autorin, ist die Siedlung Glindwiese in Bramfeld. Lohnt sich, wenn man ein Faible für alte Arbeitersiedlungen hat. Ich war schon viel zu lange nicht dort.

  9. Ganz wunderbar finde ich das Eppendorfer Moor – winzig, aber ein richtiges Moor. Und wenn man schon mal auf der Ecke ist, kann man auch gleich zum Rest des Gartens von Alma de l’Aigle weiterradeln, am besten mit ihrem Buch über ebenjenen Garten unter dem Arm.
    Auch schön: mit dem Rad die Wandse entlangfahren (die allerdings mehrmals den Namen wechselt und da, wo sie in die Alster mündet, erst mal eine Weile Eilbekkanal heißt).
    Aber es gibt noch haufenweise Ecken von Hamburg, in die es mich noch nie verschlagen hat. Deshalb würde ich sehr gerne in diesem Buch schmökern!

  10. Ich bin und war noch viel zu sehr auf den altbewährten Pfaden unterwegs. Auch sehr schön, aber ich wäre gespannt auf neues.

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