“Hinterm Stall die Blumen”: Interview mit Britta Freith

Britta Freith hat vor einer Weile ein Gartenbuch geschrieben, das ich nun endlich, endlich auch gelesen habe. Mal abgesehen davon, dass es sehr hübsch ist, macht die Lektüre auch Spaß. Und ganz nebenbei bildet man sich automatisch weiter. Wenn Ihr dieses Buch auch bewundern möchtet, kommentiert mir hier bis zum 22.12.2015 um 23:59 Uhr rein, warum. Britta stellt ein Exemplar zur Verlosung bereit. Rechtsweg oder Bargeld nicht und so.

Auflösung 23.12.2015: Michaela hat gewonnen. Herzlichen Glückwunsch!

Buchcover Landfrauenbuch

Britta, du bist doch eigentlich Sprech- und Filmtante. Wie kamst du darauf, ein Gartenbuch zu schreiben? Der Besitz eines Gartens allein scheint mir dafür keine rechte Grundlage zu sein.

Sprech- und Filmtante … Himmel, ich arbeite doch schon an meiner Positionierung. Offenbar kennst du mich nur ausschnittsweise. Richtig ist, dass ich medienübergreifend arbeite. Ich schreibe genauso gern Konzepte für Onlinespiele wie für animierte Filmchen. Darum habe ich damals auch meinen Buchtrailer animiert produziert. Meine Leidenschaft gehört aber dem Schreiben. Werbetexte, Websitetexte, Longcopies … Was es halt so gibt. Das mache ich seit über 15 Jahren. Mit der Sprechtante meinst du meine Ausbildung zur Hörfunkjournalistin. Darum werde ich bis heute für Sprecherjobs gebucht, aber das ist wirklich nur ein kleiner Teil. Ich schreibe auch Radiospots, PR-Meldungen und übernehme Pressearbeit. Da bin ich breit aufgestellt. Zu allem Überfluss bringe ich anderen diese Dinge auch noch gern bei. Darum gebe ich Seminare von Podcast bis Öffentlichkeitsarbeit. Da ich lange mit einem landwirtschaftlichen Schwerpunkt gearbeitet habe (Biostudium, große Affinität zu allem Organischen), wurde ich dann irgendwann gefragt, ob ich nicht ein Buch schreiben möchte. Das erste war über Schafe und Ziegen, das zweite über Landfrauen und ihre Gärten. Lustigerweise wurde ich von verschiedenen Abteilungen des gleichen Verlags getrennt gefragt, im Abstand von ein paar Jahren. Das heißt, ich konnte im Leben schon mindestens zwei Buchverlagsmitarbeiter von meinem Können überzeugen. Toll, was? Weitere dürfen gern kommen.

Warum Landfrauen? Hättest du auch Stadtfrauen interessant gefunden? Oder bestehst du auf ausladende Grünanlagen?

Diese Landfrauenidee war schon recht weit gediehen, ich habe sie dann quasi abgearbeitet. Mich interessieren Menschen und ihre Geschichten. Die meisten Menschen haben etwas zu erzählen. Man muss es nur aus ihnen rauskitzeln. Darin sehe ich meine Aufgabe. Wenn es dann noch Themen sind, die mich interessieren, ist es natürlich umso besser. Landwirtschaft, Ernährung, Nachhaltigkeit, Garten sind ganz klar meine Themen, das ist schon richtig. Aber ich habe auch schon in ganz anderen Bereichen so gearbeitet. Mein allererster Auftrag in der Richtung war eine Radiosendung zum Thema Aids, das war Anfang der 90er-Jahre.

Das Buch behandelt ja viele Aspekte. Die Optik, die Möglichkeiten des Anbaus, aber auch die Arbeit, die der Garten macht. Wo liegt für dich der Schwerpunkt des Buchs?

Wieder: In den Geschichten, die die Frauen zu erzählen haben. In ihrem unglaublichen Wissen.

Begrünter Torbogen

Welche Auswahlkriterien mussten die Gärten bestehen? Oder hast du alles genommen, das du kriegen konntest (an auskunftsbereiten Landfrauen, meine ich)?

Es gab eine Vorauswahl, die war ungefähr doppelt so groß. Zusammen mit der planenden Lektorin bin ich dann die Auswahl durchgegangen: Wie decken wir eine möglichst große Bandbreite ab, was doppelt sich, was kann raus … Ich wollte keine Intensivmastbetriebe dabei haben. Nur Milchviehhaltung wäre auch langweilig gewesen. Es sollten kleine und große Höfe sein, sie sollten auch im Vollerwerb arbeiten. Gleichzeitig sollte das Buch nicht seltsam abgehoben sein, sondern schon die landwirtschaftliche Wirklichkeit abbilden. Die Gärten sollten unterschiedlich sein – um das abzufragen, hatten die Höfe Interviewbögen erhalten. Ganz zum Schluss kam der praktische Aspekt: Wie können die Fotografin und ich die Höfe halbwegs zeitsparend abfahren? Wir besuchten die Höfe getrennt voneinander.

Du hast viele Interviews geführt. Haben es alle ins Buch geschafft? Wie lange hast du dich in den jeweiligen Gärten aufgehalten?

Ein Garten hat es leider nicht geschafft, das macht mich bis heute traurig, der war nämlich sehr schön. Es wäre ein weiterer Garten in Ostfriesland gewesen. Der eigentliche Nutzgarten war sehr klein, dazu gab es einen großen Landschaftspark. Aber die Fotografin konnte zu der Zeit, als sie im Norden war, dort noch keine Fotos machen: Das Pflanzenwachstum war nicht weit genug. Ein weiterer Termin war schlicht nicht im Budget drin. Wirklich, wirklich schade.

Funkien


“Noch nie gezeigtes Foto vom nicht aufgenommenen Garten – seitdem pflanze ich auch Funkien an, die mochte ich vorher nicht.”

Die Termine dauerten zwischen 4 und 8 Stunden. Was, nur 4 Stunden?? Nun, als Journalistin muss ich schon schnell zur Sache kommen. Das ist eine Frage der Technik. Ich kann ja auch nicht ewig viel in ein Buch schreiben, ich musste mich also fokussieren. Bei manchen dauerte es länger, die wesentlichen Sachen herauszubekommen, bei anderen war ganz schnell ein gemeinsamer Nenner da. Am schwierigsten fand ich es das eine Mal, als ich zusammen mit der Fotografin vor Ort war. Das hat ungeheuer abgelenkt. Es muss schon eine vertrauliche Nähe entstehen, die ist für diese Arbeit nötig.

Wie empfindest du das Verhältnis der Gartenbesitzerinnen zu ihren Gärten? Überwog das Sachliche oder gerieten sie leicht ins Schwärmen?

Nee, die schwärmen überhaupt nicht. Ein Garten macht Arbeit, das wissen auch alle, die einen haben. Was aber immer rauskam: Sie mögen ihr Leben so, wie es ist. Das würde ich aber nicht Schwärmen nennen, das klingt zu wirklichkeitsfremd. Es ist eher ein bewusstes Sein.

Du kennst dich (jedenfalls im Vergleich zu mir) unglaublich gut mit Pflanzen aus. Wieso eigentlich? Wie viel neues Wissen konntest du dir durch die Gespräche aneignen?

Mein erstes Biobuch bekam ich mit acht Jahren. In dem Alter etwa bestellte ich auch meine erste Pflanze in einer Gärtnerei, eine Mimose. Sie kostete 8 Mark, weil der Gärtner nett war. Sonst wäre sie wohl teurer gewesen; ich denke, er hat sie mir zum Einkaufspreis mitgebracht. Für mich war es ungeheuer viel Geld. Ach ja, die Gärtnerei: Ich habe 5 Jahre direkt neben einer alten Gärtnerei gewohnt und in den Gewächshäusern gespielt. Bis heute liebe ich den Geruch. Meine Großeltern von beiden Seiten kamen von Bauernhöfen und bewirtschafteten beide große Nutzgärten. Beide Großmütter kochten ausgezeichnet. Das hat mich bestimmt geprägt.

Dann habe ich Biologie studiert (nach diversen anderen Ausflügen von Sprachwissenschaften bis Kunstgeschichte) und wollte in den angewandten Obstbau. Mein Schwerpunkt war Botanik, bis ich dieses Volontariatsangebot beim Radio bekam. Ich habe abgewogen und mich für den Journalismus entschieden.

Foto aus dem Auto

Gartenjournalismus: “Das habe ich geliebt, dieses Herumfahren und Sachen entdecken. Herrlich war das.”

Wissen löffele ich gern in großen Portionen. In den Gärten gab es besonders viel davon. Ich weiß vielleicht mehr als der Durchschnitt, aber weit weniger als ein richtiger Gartenprofi. Darum habe ich sehr, sehr, sehr viel gelernt und werde das auch künftig bei Gartenthemen weiter tun.

Sieht dein eigener Garten jetzt anders aus? Hast du umgepflanzt, Neues hinzugefügt oder rausgeworfen?

Im Moment sieht er in erster Linie ungepflegt aus. Ich komme gerade zu nichts. Was ich bewusster mache: Ich säe Blumen zwischen die Nutzpflanzen. Kamille und Minze zu den Kartoffeln, Ringelblumen um die Beete. Den abgeschnittenen Buchs versuche ich zu kleinen Hecken zu ziehen. Im Frühjahr werde ich sehen, was davon angewachsen ist. Mit Rosenstecklingen hatte ich bisher kein Glück, aber daran arbeite ich weiter, ich bin zuversichtlich, dass es noch klappt.

Ach, natürlich habe ich auch Neues hinzugefügt: ein großer Alant aus Österreich und gelbes Brandkraut aus der Lüneburger Heide wachsen jetzt bei mir. Die habe ich aus den Landfrauengärten mitgebracht. Der Rosenthymian aus Bayern ist leider nicht angewachsen.

Das Buch ist groß. Groß und schwer. Man kann es trotzdem in einem Rutsch lesen. Oder prominent als Coffee-Table-Book arrangieren.  Mit Rosenblättern drumrum. Siehst du das Buch mehr als hübsch oder als praktisch oder als interessant?

Alles :) Willst du eins verlosen? Dann mach das.

Ja, das mache ich. Vor Weihnachten werdet Ihr es nicht mehr bekommen, aber Ihr könnt Euch im Gewinnfall einen Gutschein an Euch selbst unter den Weihnachtsbaum legen. Viel Glück!

14 Gedanken zu „“Hinterm Stall die Blumen”: Interview mit Britta Freith“

  1. Liebe Gesa,

    ich möchte Brittas Buch auch bewundern, weil die Gärten meiner Oma und ihrer Freundinnen (alles professionelle (Erdbeer-)Bäuerinnen) leider nie fotografiert worden sind.

    Wünsche Dir ein frohes Weihnachtsfest, einen guten Rutsch und schöne Ferien!

    Clia

  2. Was für ein wunderschönes Buch! Ich brauche es! Vor allem, weil wir keinen Garten haben … und der Balkon in unserer neuen Wohnung ist zu klein für einen ordentlichen “Garten” (auf dem letzten hatten wir Gurke, Kürbis, Tomaten, Kräuter und Pflücksalat – hier nur einen Apfel-Zwerg und ein paar Kräuter).

  3. Ich möchte dieses wunderbare Buch der wunderbaren Britta gewinnen, weil wir die Liebe zu Gärten und zum Gärtnern teilen, weil sie neben einer Gärtnerei gelebt hat und ich in meinem ersten Ferienjob für 3,- Mark die Stunde in einer Gärtnerei Primeln pikiert habe, und weil wir beide Hosta-Fans sind. Und als Dankeschön schenke ich ihr einen Ableger meiner “Francis Williams” (dunkelgrün-gelb).

  4. Bei uns wohnen hinterm Stall nur zwei verrückte Pferde und drei Hühner, ein bisschen mehr “Blumen hinterm Stall” könnte unserem Hof bestimmt nicht schaden….auch wenn er so schon sehr arbeitsintensiv ist. Dafür aber auch sooooo romantisch. Landleben halt.

  5. Tcha. Ich möchte das Buch gewinnen, weil ich schon mal bei Brittas Verlosung mitgemacht hab’, das Buch aber leider noch nicht bei mir wohnt. Außerdem lebe ich auf dem Land und habe einen Stall.

    Doch unabhängig davon, ob ich gewinne oder nicht, wünsche ich euch allen frohe Weihnachten und ein glückliches, gesundes neues Jahr!

  6. Liebe Gesa, ein sehr schönes Interview. Und Brittas Buch zu verlosen macht das Interview noch viel besser.
    Ich möchte dieses tolle Buch natürlich unbedingt gewinnen. Wir haben jetzt zum ersten Mal einen eigenen Garten und ich kann gar nicht genug Tipps und Inspiration bekommen, damit das unsere neue kleine Oase im hohen Norden wird. Brittas Buch muss also zu mir ;-) Bitteee…!!

  7. Liebe Gesa, ich habe mir kürzlich in der Stadtbibliothek ein Buch über Regenversickerungsmulden ausgeliehen, weil wir sowas im Außenbereich unseres neuen Zuhauses anlegen müssen – laaaaangweilig… Jetzt brauche ich zur Abwechslung ein spannendes, hübsches, inspirierendes Gartenbuch – DIESES!

  8. Mahh, das Buch wäre wunderbar, ich liebe es mir verschiedene Gärten anzusehen und mir neue Ideen zu holen , außerdem wäre allein das Durchblättern des Buches die reinste Erholung!

  9. Bin auch eine “Landfrau”, mit einem echten bäuerlichen und einem angehaucht bäuerlichen Garten. :)
    Im echten Bauerngarten (am Main gelegen) versuche ich mich mehr oder weniger erfolgreich im Anbau von Gemüse. Dort hat das Gemüse prima Klima mit leichtem Boden. Ich wünsche mir, daß das Buch dort hinkommt, wo am meisten Bedarf an tradiertem Wissen im Anbau von Obst und Gemüse ist.

  10. Ich würde das Buch gerne gewinnen! Bauerngärten sind immer toll, schön anzuschauen und viel zum Ernten. Bisher bin ich noch nicht zufrieden mit meiner Ausbeute aus meinem Garten ;-) Ich bin schon gespannt auf die Tipps und Tricks der erfahrenen Gärtner/innen.

  11. Ich möchte das Buch gerne gewinnen denn jetzt ist ja schon wieder oder noch Sommer und dann könnte ich ja bald schon wieder loslegen mit dem Gärtnern …

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