Kategorie-Archiv: Krimskrams

Dieses und jenes, das meinen Alltag kreuzt

Kurzes Update

Man kommt ja zu nichts.

Hier eine kurze Zusammenfassung der Dinge, die ich gerade am Wickel habe:

Ich reite. [Inkl. tollem Bild!]

Ich fahre Bus. [Link folgt.]

Ich bastle.  [Inkl. Cocktails.]

Ich habe mich beim NaNoWriMo angemeldet und werde im November also 50 000 Wörter schreiben. [Inkl. leichten Zweifeln.]

Ich bin für den Virenschleuderpreis nominiert worden. [Bitte abstimmen!]

Ich fahre jetzt los zum Lektorentag.  [Inkl. rein weiblicher Podiumsdiskussion!]

Im Bett lesen

Blogparade: Wie entspannend sind Bücher?

… fragt meine Kollegin Stella Cornelius-Koch.

Komische Frage, denke ich und lege mein Buch aus der Hand. Muss man überhaupt darüber nachdenken?

Mich entspannt Lesen ungemein. Ich lese beruflich und habe lange Zeit – auch wegen der kleinen Kinder, die einen ständig davon abhalten – fast keine Bücher mehr einfach nur aus Spaß gelesen. Irgendwann stellte ich fest, dass mir das Einfach-so-Lesen enorm fehlte, kaufte mir eine Ans-Buch-klemm-Lampe fürs Bett und vertiefte mich wieder jeden Abend in ein Buch. Dann begann ich, Bücher fürs Buch-Magazin zu rezensieren, wodurch ich jetzt immer bestens mit Lesestoff ausgestattet bin.

Ich lese gern Romane, momentan recherchebedingt besonders gern Bücher, die in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts spielen. Manche Bücher lese ich einfach nur ohne Hintergedanken als reine Unterhaltung, das können Krimis sein, Liebesgeschichten von mir aus auch. Ich betrachte auch Fachbücher als Freizeitlektüre. Und manchmal hat man Glück und ein Buch in der Hand, das einen so richtig fesselt. Das war zum Beispiel “In der Nacht” von Dennis Lehane. Ein Buch wie ein Film – inklusive dem Drang, wegsehen zu wollen, wenns brutal wird. Geht ja aber nicht.

War das nun entspannend? Ja. Denn durchs Lesen wird mein Kopf frei, umherschwirrende Gedankenfetzen ziehen sich zurück und machen der Fantasie Platz. Ich lese, bis mir die Augen zufallen. Manchmal bin ich auch vernünftig und mache das Licht früher aus.

Ich lese Papierbücher, was daran liegt, dass ich meine Rezensionsexemplare so bekomme. Einen Reader habe ich daher bisher nicht. Mit Hörbüchern komme ich leider gar nicht klar, weil ich dringend einschlafen muss, wenn mir jemand eine Weile lang etwas erzählt.

Nur Bücher, die wiederholt gelesen werden möchten, dürfen in dieses Regal. Alphabetisch und nach Sprachen sortiert.

Nur Bücher, die wiederholt gelesen werden möchten, dürfen in dieses Regal. Alphabetisch und nach Sprachen sortiert.

Ich lese, wann immer die Freizeit es mir erlaubt, ich brauche dafür lediglich etwas Ruhe. Wo ich nicht lese: im Urlaub. Dort will ich in keine andere Welt eintauchen, dort will ich ganz sein. Im Urlaub lese ich eventuell einen Reiseführer und gern lokale Zeitschriften. Lektüre habe ich höchstens für die Fahrt dabei, aber auch da möchte ich lieber meine Umwelt aufsaugen.

Lesen ist an sich ja schon ein Kurzurlaub. Die Buchstaben entführen mich in eine andere Welt. Das funktioniert auch mit wirklich schlechten Büchern, allerdings ist das dann vielleicht nicht die Welt, die ich kennen möchte. Oder eine große Anzahl von Schreibfehlern bringt mich aus dem Konzept. Sehr, sehr selten finde ich überhaupt keinen Zugang zum Buch, die Tür in die fremde Welt bleibt zu. Das sind die sehr, sehr wenigen Fälle, in denen ich ein Buch nicht fertig lese.

Übrigens höre ich, wenn gerade kein Kapitelende in Sicht ist, mit dem Lesen immer nach dem ersten Absatz auf der linken Seite auf. So kann ich sofort weiterlesen, wenn ich das Buch wieder zur Hand nehme und muss nicht lange suchen, wo ich war. Spart wertvolle Sekunden!

Faltereien

Ein- statt Entfaltung

Es ist geradezu niedlich, wie Ihr Euch alle geduckt habt nach der Tine-Wittler-Ankündigung vom letzten Dienstag. Ich kann das gut verstehen. Tine Wittler ist wahrscheinlich auch ganz froh, denn sie möchte sicher nicht mit Puschelmonstern in Verbindung gebracht werden. Aber auch das schlechteste Buch (eine Beschreibung, die auf dieses hier ganz gut passt) hat eine Bestimmung. Und sei es nur als Zettelhalter. Ich zeige Euch das mal.

Zettelhalterbuch

Zettelhalterbuch

Total praktisch! Alles, was Ihr dafür tun müsst, ist:

a) Ein ungeliebtes Buch zur Hand nehmen, das niemand mehr haben will (nicht mal geschenkt!) und

b) jede Seite längs in der Mitte falten.

Und so sieht das dann mit Tine Wittler aus:

Die erste Seite bleibt aus ästhetischen Gründen ungefaltet

Dekorieren mit Tine Wittler: Die erste Seite bleibt aus ästhetischen Gründen ungefaltet.

Aber kommen wir zur nächsten Verlosung. Zahlreiche Briefe (erwähnte ich die fünf Ordner?) warten noch auf Veröffentlichung. Leider habe ich gerade ein bisschen viel zu tun. Die Ereignisse überschlagen sich geradezu. Zunächst einmal wäre da die reguläre Arbeit, dann Papas (vorne betont) Geburtstag, der mir an sich keine Arbeit macht, ABER (Textinen aus dem Netzwerk Texttreff nicken weise mit dem Kopf) und Anfang Mai bekommen wir für drei Monate Besuch aus Afghanistan. Ein kleiner Junge, den uns die Herzbrücke schickt. Besagter Junge spricht natürlich kein Wort Deutsch, und weil ich immer eine Ausrede suche, eine neue Sprache zu lernen, beschäftige ich mich jetzt mit Farsi. Ist angeblich nur unwesentlich anders als Dari, das der Junge spricht. Weit über die grundlegenden Grundkenntnisse werde ich eh nicht kommen.

Einstweilen stehe ich um kurz vor sechs auf, um meine früher mal produktivste Zeit zu nutzen und Dinge geschafft zu kriegen. Tatsächlich klappt das ganz gut. Eigentlich wache ich nur unwesentlich früher auf als sonst, denn der Sohn steht zuverlässig um zehn nach sechs vorm Bett, aber nunmehr erhebe ich mich beim ersten Dingeln des Handys und mache mich frisch ans Werk. Also so ziemlich. Nebenher falte ich das Buch.

Da ich diesen Text heute morgen angefangen habe, ist die Faltung schon ein ganzes Stück vorangekommen.

Faltereien

Faltereien

Falls Ihr etwas lesen möchtet, verlose ich heute “Mäh” von Matthias Reuter. Ohne Hütehund. Dafür müsst Ihr mir bis Montag, 7.4., um 12 Uhr sagen, wie viele Schafe auf dem Cover zu sehen sind. Wer lieber ein Buch zum Falten haben möchte, sage mir Bescheid. Aber die meisten von Euch haben sicher ein  faltbares Buch zu Hause.

Wolliges Buch

Wolliges Buch

Nächstes Mal gibt es dann auch wieder einen Brief. Blogger_Lesefreude_2014_Logo-977x1024

Puschel-Schüttel-Strubbel-Monster

Blogger_Lesefreude_2014_Logo-977x1024Ich war wieder einmal bei meinen Eltern und habe alte Spiele und Bücher mitgenommen, die für meine Kinder jetzt interessant werden. Dabei fiel mir das rote Puschelmonster in die Hände – und meine Mutter zwang mich, es mitzunehmen. Das Monster gehört meinem Vater und stammt aus den 50er-Jahren. (Stimmt gar nicht! Es ist wohl von 1968.) Leider konnte sich meine Mutter nie so recht für das possierliche Wesen erwärmen.
Es handelt sich um ein rotes Fellwesen mit grünen Eulenaugen und einer gelben Nase wie aus dem Kaugummiautomaten. Aber das ist noch nicht alles. Es ist nämlich ein Effektmonster. Man kann ihm die Haare nach hinten glattstreichen, was ihm einen leicht albernen Look verschafft. Anschließend kurz schütteln – und die Haare stehen senkrecht ab. Fantastisch.
In meiner Kindheit wohnte im Nachbarhaus das exakt gleiche Monster in Orange, das sogar noch eine Art Mülltonne als Heimatstätte aufweisen konnte.

Schüttelmonster

Schüttelmonster

Streichelmonster

Streichelmonster

Geschüttelt im Profil

Geschüttelt im Profil

Gestreichelt im Profil

Gestreichelt im Profil

Heute  (bzw. morgen, 25.3., um 12 Uhr) verlose ich das Rezensionsexemplar von Thomas Meyers „Wolkenbruchs wunderliche Reise in die Arme einer Schickse“ – weil das Monster sowohl wunderlich als auch schick ist, natürlich.

Schickes Monster mit schickem Buch

Schickes Monster mit schickem Buch

Dazu müsst Ihr dem Schüttelmonster einen Namen geben. Irgendwie hat es nämlich nie einen von uns bekommen. Wer zufällig noch etwas über diese Art von Monstern herausfindet, bekommt einen Extragewinn, über den das Monster entscheidet.

Das Buch “Wenn die Wale an Land gehen” gewinnt Daniela D. (schon wieder!!). Diesmal habe ich Zettelchen gezogen.

Best-Blog-Award mit Stöckchenverleihung

Danke für die Blumen!!

Danke für die Blumen!!

Was für ein turbulentes Wochenende. In meiner Abwesenheit (am Wochenende mache ich den Computer nur in Ausnahmefällen an) wurde ich von zwei Seiten (nämlich von Daniela, blaue Fragen, und Andrea, grüne Fragen) mit dem Best-Blog-Award ausgezeichnet und mit je einem Stöckchen bedacht. Nun habe ich also statt der 11 gleich 22 Fragen zu beantworten. Ich möchte Eure Geduld nicht überstrapazieren, drum habe ich die Fragen zu 12 Stück zusammengefasst.

1. Was war dein liebstes Buch/deine Lieblingsserie, als du ein Kind warst?
Damals wie heute habe ich jedes Buch verschlungen, das man mir hinlegte. Damals wie heute war der Inhalt fast zweitrangig. Ich habe eine Art Lesehunger, der unter allen Umständen gestillt werden muss, da kann ich auch Banales ertragen. Nur langatmig mag ich gar nicht. Ich mochte Unsere kleine Farm, Michel aus Lönneberga, Nesthäkchen und Trotzkopf (um Himmels Willen! Und ich mag es bis heute. Das heißt nicht, dass ich die Moralvorstellungen vertrete.), jeweils sowohl als Bücher als auch als Serie. Die Waltons. Später Happy Days, herrlich. Ich habe Anne auf Green Gables gelesen (alle), Grimms Märchen (alle), aber Null Uhr fünf in Urumtschi war mir zu langweilig. Abgebrochen. Das einzige Buch, von dem ich das weiß.

2. Welches ist heute dein liebstes Kinderbuch (zum Beispiel, um es deinen Kindern vorzulesen oder zu verschenken)? Du darfst gerne auch mehrere Bücher für verschiedene Altersklassen nennen!

Der Grüffelo steht bei mir hoch im Kurs, zumal man lange Jahre etwas von ihm hat. Ich liebe auch die Filme. (Kurz mal angeben: Bei den Hintergründen vom Grüffelo-Film hat mein Bruder mitgewirkt.)

3. Welches Buch/Hörbuch für Erwachsene hat dich so begeistert, dass du es deinen Lesern unbedingt ans Herz legen möchtest? Welches Buch hat dich in der letzten Zeit besonders beeindruckt?

Das einzige Buch, das ich jemals mehrfach verschenkt habe, ist „Suna“ von Pia Ziefle. Weil es einfach grandios ist.

4. Warum bloggst du? Verfolgst du bestimmte Ziele? Was hat dich bewogen zu bloggen? Hast du das Gefühl, dass Blogs etwas bewegen können?

Eigentlich war das Blog nur als eine Art Tritt in den Hintern für mich selbst gedacht, damit ich Motivation von außen bekomme, die Briefe abzuschreiben. Ich habe durchaus das erfreuliche Gefühl, dass Blogs eine gewisse meinungsbildende Reichweite haben. Heute z. B. zum Thema Homosexualität in den Medien.

5. Gibt es ein Blogpost, auf das du besonders stolz bist? Welcher Artikel hat dir die meisten Leser eingebracht? Welcher Blogbeitrag hat dir bisher am meisten Spaß gemacht? Wen würdest du zu deinem Blogthema gerne einmal interviewen?

Da ich das Bloggen als Spaß betreibe, machen alle Beiträge Spaß. Meine Favoriten sind Heimat  und Fremdsprachenlernen, die meisten Leser hat Kirchwerder. Bei den Briefen hat mich diese Beschreibung der Flucht am meisten beeindruckt. Ich habe bei den Briefen eigentlich keinen Favoriten, einige sind sehr witzig, andere erschreckend, aber keiner belanglos. Interviewen möchte ich Papa (Betonung hinten), den Vater meiner Großmutter. Und sie selbst. Aber das ist ja nun schwierig.

6. Wenn du ein weiteres Blog starten würdest, was wäre dein Thema? Und warum?

Ich habe alles, was ich brauche.

7. Wie kommst du auf deine Themen? Was schreibst du am liebsten (nicht nur in deinem Blog, sondern generell)? Was inspiriert dich? Nutzt du einen Redaktionsplan oder bloggst du spontan nach Lust und Laune? Oder ganz anders?

Die Themen fallen mir buchstäblich in den Schoß. Alles, was nicht Brief ist, wird in irgendeiner Weise von außen angeregt. Fällt mir spontan etwas zu einem Thema ein, schreibe ich es sofort auf. Da ich nicht lange recherchieren möchte, kreisen diese Themen grundsätzlich um mich selbst, da weiß ich alles auswendig. Die Inspiration kommt also von außen, triggert etwas in meinem Kopf, und schon geht’s los. Einen Plan gibt es nur für den Notfall.

8. Zuletzt gab es nach einem Urteil große Aufregung wegen der Einbindung von Stockphotos. Zuvor wurden heiße Diskussionen über die Verwendung von Coverbildern oder die Notwendigkeit von Impressen geführt. Hast du Angst, du könntest eines Tages wegen irgendwas abgemahnt werden, was du in deinem Blog tust oder unterlässt?

Angst nicht, nein.

9. Was ist das Internet für dich? Zwei Wochen ohne Internet – geht das?

Ich arbeite von zu Hause aus, das Internet ist also meine Verbindung zur Außenwelt. Es ersetzt die KollegInnen, die ich sonst in der Kantine treffen würde. Es ist Quelle der Inspiration, Recherche und die beste Möglichkeit, auf unkomplizierte Weise Freundschaften zu pflegen. Solange ich kein Smartphone habe, kann ich auch eine Weile ohne. Auch zwei Wochen. Am Wochenende bleibt der Computer ja auch aus. Hätte ich aber ständigen Zugriff, könnte ich mich kaum zurückhalten, dazu bin ich viel zu disziplinlos.

10. Was ist deine liebste Offline-Beschäftigung?

Lesen, logisch. Ich habe aber nebenher auch noch Familie, Haus/Garten und Freunde. Im Idealfall bin ich mit der Familie im Garten und es kommen spontan Freunde vorbei. Dafür lasse ich jedes Buch liegen.

11. Welchen Blogbeitrag wolltest du immer schreiben und hast es dann doch nicht getan?

Den, den ich Mariella hier versprochen habe. Ich habe den Beitrag angefangen und komme nicht weiter, weil ich feststellen musste, dass die Zeit von 19 bis 29 so ziemlich alles beinhaltet, was mich heute ausmacht. Bisher habe ich keine Möglichkeit gefunden, darüber zu schreiben, ohne alles über mich preiszugeben.

12. Welchen Rat würdest du einem Blogneuling mit auf den Weg geben?

Bin ja selbst noch einer. Vielleicht würde ich vor der Suchtgefahr warnen.

Nun soll ich selbst Fragen stellen und nominieren. Die hier gestellten Fragen finde ich aber eigentlich alle sehr prima, deshalb würde ich einfach sagen, Ihr beantwortet die, die Ihr am interessantesten findet. Ich nominiere Mariella, um sie von meinem ausstehenden Beitrag abzulenken. Alle anderen mögen sich selbst ein Stückchen vom Ast abbrechen. :)

Meine Ziele 2014 – Lexoffice Blogparade

Blogparaden haben den enormen Vorteil, dass sie mich – vorausgesetzt, das Thema spricht mich an, logisch – dazu bringen, über Dinge nachzudenken, die ich sonst mit weniger Gehirnschmalz bedacht hätte. Oder gar überhaupt nicht.

Die Blogparade von Lexoffice bringt ein allgemein bekanntes Jahresanfangsthema auf den Tisch – das mir so ausgelutscht vorkam, dass ich es eigentlich ignorieren wollte. Doch da hatte es sich schon in meinem Hirn festgesetzt. War vielleicht gar nicht so schlecht.

Das letzte Jahr war nachträglich betrachtet nicht ganz unturbulent, obwohl es mir eigentlich gar nicht so vorkam. Meine Textfuß-Kundschaft hat sich verändert, meine Arbeitszeiten ebenso. Konnte ich vorher wegen sicherer Aufbewahrung der Kinder bis halb vier arbeiten, ist heutzutage nur noch die Zeit bis halb eins sicher – danach kann ich manchmal noch ein paar Stunden abzweigen, manchmal auch nur drei Minuten. Abends arbeite ich extrem ungern, tue ich es doch, bin ich am nächsten Vormittag nicht voll leistungsfähig und so trägt die Abendarbeit eh keine Früchte.*

Im Mai 2013 startete ich dieses Blog, eigentlich war es als Tritt-in-den-Arsch für mich selbst gedacht, um mich endlich dauerhaft den Briefen zu widmen. Nebenher, wohlgemerkt. Ich ahnte nicht einmal ansatzweise, welche Ausmaße das Projekt annehmen würde. Ich habe Zuspruch und Hilfe von Verwandten und Freunden meiner Großeltern erfahren, die ich nicht einmal persönlich kenne. Und Menschen, die mir vor dem Start meines Blogs erzählt hatten, dass sie selbst die Briefe sicher interessant fänden, lesen sie nun tatsächlich. Irgendwie also ein ziemlich intensiver Ego-Trip, auf dem ich mich gerade befinde – und den ich wahrlich nicht mehr missen möchte. Zeitgleich ist das in den Briefen beschriebene Schicksal manchmal nur sehr schwer auszuhalten.

Nun ist mein größter Wunsch für 2014, mit der Recherche der Hintergründe voll durchzustarten und zeitgleich an dem entsprechenden Buch zu schreiben. Die Zeit dafür ließe sich finden, blöd ist nur, dass man währenddessen kein Geld verdient.

Klar, das Blog muss selbstständig werden, da gehe ich konform mit Daniela. Einen Job wird es aber nicht ersetzen – SO spannend sind anderer Leute alte Briefe eben doch nicht für die Allgemeinheit.

Trotzdem.

Im November war ich in Lenis altem Gutshaus in Mecklenburg, bin die Fluchtroute abgefahren und habe mich gefreut, dass das Herrenhaus sinnvoll genutzt wird. Doch gleichzeitig dachte ich, dass sich Leni dort schrecklich gelangweilt haben muss. Sie war ein Stadtmädchen, sie mochte Trubel – etwas, das man zwischen dem großen, dunklen Wald und dem großen, blauen See vergeblich sucht. Vielmehr spürte ich die bedrückende Enge, die im Krieg geherrscht haben muss, als sie sich an diesem einsamen Fleck allein mit Nazi-Bediensteten und vier kleinen Kindern wiederfand.

Ich kehrte nach Hause zurück und begann mit den ersten Notizen für das Buch.

Dann brachte mir mein Vater vier weitere Ordner und einen kleinen Stapel Liebesbriefe, die Leni zum größten Teil vor ihrer Hochzeit an Friedrich schrieb. Während dieser Zeit wohnte sie auf dem Gut. Sie ist beseelt von ihrer Liebe zu Friedrich, doch was sie über die Schönheit des Gutes schreibt, kann nicht allein darauf zurückzuführen sein. Während ich die Briefe las, übermannte mich die Sehnsucht, auch wieder dorthin zu fahren.

Letztes Wochenende schnappte ich mir die Kinder und fuhr los. Landstraße. Eine wunderschöne Strecke, am Ziel das “große, große Haus”, das um diese Jahreszeit leer dastand. Ansage an die Kinder: „Ihr dürft so laut sein, wie ihr wollt.“ Die Kinder nahmen das Haus in Beschlag, als gehörte es ihnen. Sind sie normalerweise in fremder Umgebung eher scheu, war es ihnen bereits nach zwei Minuten völlig egal, ob ich im Keller war und sie unterm Dach. Da werde ich ja zu Hause mehr gesucht!

Ich hatte ein bisschen Sorge, dass die Kinder die Landschaft nicht würden zu schätzen wissen. Als Elbkinder ist ihnen Wald nicht so geläufig wie mir, die ich am Waldrand aufgewachsen bin. Ich hatte ein bisschen Sorge, dass meine Erwartungen (welche eigentlich?) enttäuscht würden.

Das Gegenteil ist passiert. Wenn ich es nach zwei Tagen dort so schön fand, wie muss es Leni und ihren kleinen Kindern da erst gegangen sein?

Ich muss mit dem Schreiben anfangen. 2014 ist mein Jahr des Buches.

*was mir, seien wir mal ehrlich, ja mega-recht ist.

Kram, Krämer, am krämsten

Ein Blogwichtelbeitrag von Annette Lindstädt

Blogwichteln wird immer zum Jahresende/Nächstjahresanfang vom Netzwerk Texttreff veranstaltet. Wie beim “richtigen” Wichteln bekommt jede einen Namen zugelost – und für diejenige verfasst sie dann einen Blogbeitrag. Mir wurde Annette von der Worthauerei zugelost – und hier ist das Ergebnis! Ein paar sehr schöne Gedanken zum Thema “Kram”.

In diesem wunderbar nostalgischen Blog geht es um Kram. Und „Kram“ ist ja eins dieser fabelhaften Wörter, die so universell verwend- und kombinierbar sind, dass man ohne sie gar nicht auskommt. Ich jedenfalls nicht. Ich habe beim Nachdenken über diesen Gastbeitrag festgestellt, dass ich Kram täglich mehrmals verwende, und zwar in den unterschiedlichsten Zusammenhängen.

Kinderkram

Kinderkram

Doch erst mal zu den Fakten: Wikipedia sagt, Kram bezeichne „unwichtige oder minderwertige Angelegenheiten oder Kleinteile oder auch ein Durcheinander vieler schwer unterscheidbarer Dinge.“ Als Synonyme bei Wiktionary werden genannt: Bettel, Gerümpel, Klimbim, Plunder, Zeug. Ich kenne noch die schönen Begriffe Geraffel, Gelumpe, Gerlerch, Plörren, Krempel, Tinnef und Krusch (mit langem U), aber fragt mich nicht, woher.

Eins haben sie gemeinsam: Synonyme von und Kombinationen mit Kram, die man so findet, sind allesamt negativ konnotiert. Gesakram selbstverständlich ausgenommen, aber das ist schließlich ein Sonderfall. Ich will die Synonyme hier mal nicht näher analysieren, denn das würde ein Erforschen verschiedenster regionaler Herkunft erfordern und führte zu weit. Schließlich geht es hier um Kram und nicht um Krempel.

Also mal zu den Kombinationen bzw. Ableitungen. Da wären zuerst der Krämer nebst dazugehörigem -laden und entsprechender -seele zu nennen. Mag man die drei? Nicht wirklich. Wobei – beim norddeutschen Teil meiner Familie konnte ich einen durchaus neutralen Gebrauch des Begriffes Krämerladen wahrnehmen, der die sonst mitschwingende Kleinkariertheit hanseatisch-nüchtern ignoriert und recht wertneutral ein kleines Geschäft bezeichnet, in dem man alles Mögliche und Notwendige bekommt, und das oftmals in sehr kleinen Mengen. Seine direkten Verwandten, der Geheimnis- und der Umstandskrämer, sind jedoch eindeutig unsympathische Gesellen. Wen von beiden man schlimmer findet, ist sicherlich subjektiv – mich persönlich treiben Umstandskrämer in den Wahnsinn, während ich Geheimniskrämer gut aushalten kann (bin ja rechercheerfahren und kriege Dinge notfalls auch anders raus).

Die bisher genannten sind jedoch nicht die Kram-Komposita, die ich täglich verwende – die kommen jetzt:

Kabelkram - oft ein ziemlicher Tüddelkram

Kabelkram – oft ein ziemlicher Tüddelkram

Mit einem Hamburger als Ehemann hielt unmittelbar das Wort „Tüddelkram“ hier Einzug. Im Grunde ist Tüddelkram nichts anderes als Kram: überflüssiges Zeug, das immer genau da rumliegt, wo man es nicht braucht. Aber klingt es nicht viel netter als das schnöde „Kram“?

„Was für ein Nervkram!“ ist ein in unserer Familie häufig gebrauchter Ausruf. Typischerweise verwendet, wenn technische Geräte nicht so funktionieren, wie sie sollen, eine aussetzende Netzverbindung in den Wahnsinn treibt oder bürokratische Hemmnisse die Geduld auf eine harte Probe stellen.

Handarbeitskram - kann schnell zu Fummelkram werden

Handarbeitskram – kann schnell zu Fummelkram werden

Ungeduld ist auch der Treiber für den Fluch „Verdammter Fummelkram!“ – das verwenden wir hier innerfamiliär (Blitzumfrage: Sagt das außer uns noch jemand?), wenn irgendwas Fummeliges zu bewältigen ist. Oft in kausalem Zusammenhang mit Reparaturen, Handarbeiten oder dem Zusammenbau zimmergroßer Konstruktionen aus Lego oder Playmobil zu hören.

Und jetzt hab ich über die Assoziationskette Fummelkram-Playmobil-Kinderzimmer-Kind tatsächlich doch noch eine einzige positiv besetzte Kombination mit Kram gefunden, die vor allem bei der minderjährigen Bewohnerin sehr angesagt ist: Süßkram.

Vielen Dank, Annette! Und ich kann Dir bestätigen, dass auch ich häufiger Fummelkram verfluche. Bei den Synonymen kenne ich Kruscht mit T, statt Tinnef sage ich Tünnef, statt Zeug sage ich Zeuchs. Auch Plörren verwende ich, während ich Gelumpe nur von meinem Süddeutschen Mann kenne (dann natürlich als Glump). Witzigerweise ist – im Gegensatz zum Krämer – bei mir der Kinderkram negativ besetzt. Das ist alles, was baby-acker (oder -eier)-leicht geht. 

Mein eigener Blogwichtelbeitrag ging übrigens an Julia Dombrowski und beschäftigt sich mit den bisher von der Forschung wenig beachteten Gedankenzombies.

Croissant, Carrefour, Carte Bleue: Blogparade Frankreich von Katja Flinzner

Katja hat den Frankreichmonat ausgerufen, da juckt es mich natürlich sofort in den Fingern. 

Ich habe zweimal in Frankreich gewohnt: Mit 19 habe ich ein halbes Jahr lang einen Französischkurs in Straßburg besucht, am Ende meines Studiums (lassen wir das mit dem Alter, auch in einer jüngeren Version wäre ich viel älter gewesen als meine Mitstudierenden) verbrachte ich zwei Jahre in Caen, wo ich auch meinen Abschluss in Deutsch (mittelgut) und Skandinavistik (gar nicht schlecht) machte.

In Straßburg erlebte ich zahlreiche lustige Dinge, die aber weniger mit dem Land zu tun hatten, daher kann ich darüber wenig berichten. Interessant war, dass man mit der normalen Busfahrkarte im 7er-Bus nach Kehl rüberfahren konnte. Das war auch gut so, denn die BahnCard war in französischen Reisebüros (damals war es ja noch nicht so mit Internet) zwar bekannt, konnte aber auch nach mehreren STUNDEN des Probierens nicht erfolgreich auf eine Fahrkartenbuchung angewendet werden.

Aus Caen hingegen kann ich mehr erzählen. Los ging es an meinem Heimatbahnhof bei Hamburg, wo ich eine Fahrkarte erstehen wollte (mit Internet war es auch damals noch nicht so). Ich erklärte dem netten Menschen hinterm Tresen mein Anliegen, er sah etwas ratlos aus, tippte, und fragte dann schließlich, wie man den Ort schreibe. Ich sprach: „C-A-E-N“ und er stieß erleichtert hervor: „Ach, Cannes!“ Ich habe die Fahrkarte mehrfach geprüft, hatte aber bis zum Schluss leichte Sorge, wo ich ankommen würde.

Seinerzeit trug ich meine Haare kurz. Wenn ich in Caen zum Frisör ging, musste ich um jeden Millimeter feilschen, der mir abgeschnitten werden sollte. Es ging den (übrigens fast grundsätzlich elegant schwarzgekleideten) Frisörinnen einfach nicht in den Kopf, dass eine Frau sich freiwillig der Wirkung langer Haare berauben wollte.

Auf die häufig gestellte Frage nach meinem Familienstand antwortete ich stets wahrheitsgemäß, dass ich einen Freund in Deutschland habe. Die Reaktion: „Ach, dann bist du also Single.“

Wirklich interessant war es aber an der Uni. Hier könnte ich sehr ausschweifend werden, aber ich mag Frankreich wirklich. Breiten wir also über die Tücken der Bürokratie (die die deutsche leicht in den Schatten stellen kann) den Mantel des Schweigens.

Ich hatte mich für meine alten Fächer Deutsch, Englisch und Schwedisch eingeschrieben und suchte mir aus den ausgehängten Kursen diejenigen aus, die für mich interessant klangen. Zwei Tage später wurde ich angesprochen, warum ich bei Kurs X nicht anwesend gewesen sei – und erst da dämmerte es mir, dass die angeschlagenen Kurse sämtlichst von mir besucht werden sollten. So war schnell klar, dass die drei Fächer nicht parallel würden laufen können. Der Abschied von Englisch fiel mir nicht schwer, ich hatte schon um den Verlust meiner Englischkenntnisse gebangt, würde ich mich weiter dem schrecklichen Akzent der AnglistInnen aussetzen.

Nun saß ich also in deutschen und skandinavischen Veranstaltungen, jeweils größtenteils von Deutschen bzw. Skandinaviern unterrichtet. Die Deutschen hatten sich sehr gut an das französische System angepasst: Bei Verben wurde zuallererst die Gruppe genannt, zu der sie gehörten. Da ich die Nummern eher nicht verinnerlicht hatte, waren meine deutschen Grammatiknoten entsprechend. Themen wie Landeskunde oder Literatur wurden meist als Vorlesungen abgehandelt. Das ist durchaus wörtlich zu verstehen: Vorn saß der oder die Lehrende und las vor. Wir schrieben auf. Also Diktat. Eine einzige Professorin zog den deutschen Stil vor, was die französischen Studentinnen vollkommen überforderte. Einer der wenigen Fälle, dass sie bei mir abschrieben.

In der Skandinavistik sah es etwas anders aus. Der Lehrkörper bestand aus zwei Franzosen und Dozentinnen aus allen skandinavischen Ländern. Der eine Franzose zeichnete sich durch eine gewisse Verplantheit aus, die sich auch in seinen wirren Locken widerspiegelte, der andere war der Chef, sehr schlau und sehr gefestigt in seinen Ansichten.

In meinem ersten Jahr in Caen hatten wir (drei) bei ihm altisländische Übersetzung. Ich hatte einige Jahre mit Altisländisch hinter mir, konnte die Texte problemlos verstehen – allein, es haperte an meinem Schriftfranzösisch. Der Unterricht sah ungefähr so aus – es ging um die Übersetzung von Ragnars saga lóðbrókar. Þóra bekommt einen Lindwurm geschenkt, den sie auf einem Schatz in ihrer Laube platziert. Natürlich fängt er dort sogleich an zu wachsen – und mit ihm das Gold unter ihm. Bald hat er keinen Platz mehr.

Wir sind an dieser Stelle:

Nú liggr hann utan um skemmuna, svá at saman tók höfuð ok sporðr, ok illr gerist hann viðreignar, ok þorir engi maðr at koma til skemmunnar fyrir þessum ormi nema sá einn, er honum færir fæðslu, ok oxa þarf hann í mál.

Prof: „Virginie, vous pouvez traduire ?“

Virginie: „…“

Prof: „Tatiana ?“

Taz: „Euh, ‚Maintenant …‘“

Prof: „Louise ?“

Ich: „Maintenant il est couché autour du pavillon, alors que la tête et la queue se touchent.“

Prof: „Oui, c’est pas faux.“

Es folgen einige Ausführungen über die französische Sprache und wie schön man mit ihr Dinge ausdrücken kann. Insbesondere, dass der Lindwurm um die Laube liegt, könne man schöner sagen.

Prof: „Je pense à un mot qui commence avec un l.“

Alle: „?“

Virginie: „Enrouler ?“

Prof: „Non. Lover.“

Um mich herum: Augenrollen.

Ich: „C’est quoi ?“

Prof: „C’est ce que fait un serpent.“

Hier ist die Übersetzung in ihrer von mir notierten endgültigen Fassung: Alors il est lové autour du pavillon si bien que la tête et la queue se touchaient et il était horrible d’avoir affaire à lui et personne n’osait approcher le pavillon à cause de ce serpent sauf celui qui lui apportait à manger, et il lui faillait un bœuf par repas.

Wie viel banaler klingt da doch die deutsche Übersetzung von Ulrike Strerath-Bolz: Nun liegt er außen um das Haus, so daß Kopf und Schwanzspitze aneinanderstießen, und er ist so bösartig, daß niemand es wagt, sich dem Haus zu nähern wegen dieses Wurmes, außer dem Mann, der ihm Futter bringt, und dafür braucht es jedesmal einen Ochsen.

Nun begab es sich, dass wir im zweiten Jahr bei einer Isländerin Altisländisch hatten, die naturgemäß mehr Gewicht auf das Textverständnis als die Poesie der Übersetzung legte. In einer mündlichen Abschlussprüfung sollten wir Verbformen im Text bestimmen. Das konnte ich und erreichte 20/20. Bekanntermaßen eine Note, die in Frankreich eher nicht vergeben wird. Die bereits gut assimilierte schwedische Dozentin* schlug dann auch umgehend Alarm. Die Isländerin argumentierte dagegen, dass es sich um eine Note wie in Mathe handelt – alles richtig lässt keinen Spielraum nach oben – und ich durfte meine Note behalten. Somit quasi meine erste 1 in Mathe, indirekt.

Uniklausurpapier

Uniklausurpapier

Uniklausurpapiernamensumknickecke

Uniklausurpapiernamensumknickecke

Klausuren wurden anonym auf Uni-eigenem Papier geschrieben. Oben rechts schrieb man seinen Namen auf, befeuchtete den Rand des Blattes und klebte die Ecke um, sodass der Name nicht mehr sichtbar war. Eine schöne Sache, als einzige Schwedischstudentin bzw. mit typisch deutschem Schriftbild behaftete eine von drei Studentinnen relativ überflüssig.

Bei meiner Abschlussarbeit stand ich plötzlich vor der Frage, in welcher Sprache sie zu verfassen sei. Die einfache Regel: Französische Studierende schreiben auf Französisch oder „ihrer“ skandinavischen Sprache (was natürlich niemand freiwillig macht), skandinavische Studierende schreiben auf Französisch. Da ich nach Professorenmeinung eher als skandinavische Studentin einzuordnen war, wollte er mir Französisch aufzwängen. Ich hielt das für Quatsch, weil a) alle meine Quellen aufgrund des Themas auf Schwedisch oder Deutsch waren und (vor allem) b) weil ich den von ihm erwarteten gehobenen Stil niemals erreicht hätte. (Ich denke an ein Wort mit i – inacceptable.) Ich versprach, zur Verteidigung der Arbeit einen Kuchen mitzubringen und durfte auf Schwedisch schreiben.

Am Tag der Prüfung kaufte ich eine große Schokoladentorte auf dem Weg zu Uni. Bei meiner Verteidigung sollten der französische Professor, der wirrhaarige französische Dozent und die schwedische Dozentin anwesend sein. Leider kam der Krauskopf nicht und so überließ ich den beiden allein die Torte. Wenige Stunden später erfuhr ich, dass sie sie allein aufgegessen hatten, ohne irgendeinem Mitglied der Fakultät auch nur einen Krümel abzugeben. Das erstaunte mich sowohl menschlich als auch körperlich über alle Maßen.

Abschließend könnte ich mich noch über meine Liebe zu Paris auslassen, meiner absoluten Lieblingsstadt, dem Geruch in der Metro, den Bauten, den Restaurants … aber das wird dann wieder so sentimental. Im Übrigen kommen die größten mir bekannten Metalfreaks aus Frankreich.

*Im Jahr zuvor war sie noch die Schwedischdozentin gewesen. Dann hatte sie erfolgreich an der Sorbonne promoviert und war fortan die schwedische Dozentin, die auch Landeskundethemen unterrichten durfte. Für den Schwedischunterricht bekamen wir eine neue Schwedin, die bedeutend entspannter war.

Apfel, Nuss und Mandelkern: Blogstöckchen #apfelnussmandelkern

Wenke Bönisch von Garten2null stellte Fragen. Und weil das Fragen sind, die ich fast ausnahmslos mit einem Wort beantworten kann, habe ich das auch gleich getan. Der besseren Unterhaltung halber habe ich noch ein paar Schmuckwörter um das allumfassende eine Wort gelegt.

Wer auch etwas dazu schreiben möchte, möge das Blogstöckchen aufgreifen und dies tun. Ich denke da besonders an Mariella, die hat da bestimmt einiges zu sagen.

 wie gestalten Sie das Jahresende?
 welche lustigen Geschichten haben Sie zu Advent, Weihnachten oder Silvester erlebt?
 was bedeutet Ihnen der November oder der Dezember?
 was verbinden Sie mit der Lichterzeit?
 auf was freuen Sie sich jetzt besonders?
 was nervt Sie jetzt mehr als im übrigen Jahr?
 wie gestalten Sie Ihren Garten, Ihr Haus oder Ihre Wohnung? (gerne sehen wir uns Fotos, Fotos, Fotos an)
 welche Bücher lesen Sie jetzt oder haben sich vorgenommen zu lesen?
 und die Frage aller Fragen: kaufen Sie jetzt schon Weihnachtsgeschenke ein?

Macht warm und gemütlich: der Ofen. Kann man auch Pizza, Nachos mit Käse und Bratäpfel drin machen

Macht warm und gemütlich: der Ofen. Kann man auch Pizza, Nachos mit Käse und Bratäpfel drin machen

Wie gestalten Sie das Jahresende?
Gemütlich. Winter ist ja bekanntermaßen die Zeit, in der man ein bisschen näher zusammenrückt, die Hände schützend (oder vielmehr sich wärmend) um eine Tasse glühenden Getränks gelegt, gern auch am Kamin. Stress möchte man vermeiden, ist damit aber nicht immer erfolgreich. Schließlich sind um die Weihnachtszeit die meisten Altbekanntschaften in der Heimat, es besteht also die Chance, einen ganzen Haufen von ihnen zu treffen. Das muss organisiert und natürlich auch durchgeführt werden. Trotzdem verweigere ich mich recht erfolgreich jeglichem Stress.
Hilfreich für die Vorweihnachtszeit ist, dass der Bergedorfer Weihnachtsmarkt (der mit der schönen Schlosskulisse) bis Silvester geöffnet bleibt, sodass man nach den Feiertagen entspannt drüberschlendern kann bzw. können wird, es ist ja noch nicht so weit.

Welche lustigen Geschichten haben Sie zu Advent, Weihnachten oder Silverster erlebt?
Ich kann mich an viele schöne Silverster erinnern, verwüstete Häuser und ein windstilles und demzufolge vollkommen von Feuerwerk zugeräuchertes Berlin 1999/2000. Lustige Geschichten? Fehlanzeige.

Was bedeutet Ihnen der November oder der Dezember?
Der November ist grau, der Dezember meistens zwar auch, aber da er mit Weihnachtsbeleuchtung und dem ganz besonderen Weihnachtsflair angereichert ist, finde ich ihn wesentlich sympathischer. November heißt: Es wird kalt und windig, es ist dunkel und ungemütlich. Aber es ist auch die Zeit der Laternenumzüge.
Dezember heißt: Es ist zwar kalt und windig, aber die Dunkelheit ist mit Kerzen beleuchtet und es ist gemütlich.

Schlecht erkennbar, weil es ja gar nicht dunkel ist: Schwibbogen

Schlecht erkennbar, weil es ja gar nicht dunkel ist: Schwibbogen

Was verbinden Sie mit der Lichterzeit?
Gemütlichkeit! Falls meine Antworten noch nicht deutlich genug waren, hier noch einmal der Hinweis, dass ich Dunkelheit in Verbindung mit Kerzen sehr gemütlich finde. Ich sitze am Ofen und esse Plätzchen, draußen weht der Wind, es darf auch schneien, aber das passiert ja doch nur selten.
Lichter trägt natürlich auch Lucia am 13. Dezember auf dem Kopf, allerdings wohnt sie (obwohl Italienerin) in Schweden und ich hatte bisher keine Lust, mich zwischen die Menschenmassen auf dem Hamburger Luciafest zu quetschen. Vielleicht sind da auch gar keine Menschenmassen, ich traue mich aber nicht, das auszuprobieren.

Winterhaus

Winterhaus

Treppchen von innen, durch Karteikasten etwas herabgesetzt

Treppchen von innen, durch Karteikasten etwas herabgesetzt

Auf was freuen Sie sich jetzt besonders?
Auf Weihnachten an sich, wobei ich die Vorweihnachtszeit schon auch sehr genieße. Hatte ich die Gemütlichkeit erwähnt?

Was nervt Sie jetzt mehr als im übrigen Jahr?
Der Stress der anderen. Der nervt mich immer, aber nur kurz vor Weihnachten schreien einem alle (na gut, nicht alle, aber viele) ihren Stress ins Gesicht. Wenn man Menschen hat, die Geschenke verdienen, sollte man dafür doch eher dankbar sein als sich über den Stress des Geschenkekaufens aufzuregen.

Wie gestalten Sie Ihren Garten, Ihr Haus oder Ihre Wohnung?
Mit zwei Bastelkindern gibt es immer genug Deko, wenn man dann noch eine dekokaufwillige Schwiegermutter hat, gerät man fast in Platznot. Wobei sie zum Kaufen von untereinander hängenden Sternen/Engeln neigt, man braucht also nur genug Nägel in der Wand oder an der Decke.

Sterne ... über meiner Arbeitszimmertür ...

Sterne … über meiner Arbeitszimmertür …

... am Deckenbalken hinten ...

… am Deckenbalken hinten …

... und am Deckenbalken vorne

… und am Deckenbalken vorne

Farblich abgepasst: Engel im Klo

Farblich abgepasst: Engel im Klo

Oder im Bad, da hat man ja auch Haken.

Gern erbe ich aussortierte Deko aus den Altbeständen meiner Eltern und Schwiegereltern, wegen des Nostalgieeffekts. Auf Wunsch meines Mannes gibt es nun auch einen Schwibbogen in unserem Fenster. Ein bisschen schäme ich mich dafür, andererseits kann man einen gewissen Gemütlichkeitsfaktor nicht leugnen.

Zusätzlich erbten wir gestern ein Treppchen von der Omi meines Mannes. Ein Treppchen! Na gut, wer zur Weihnachtszeit mal in Schweden war, weiß, wie gemütlich … äh. Ich habe die verblassten Plastiktannennadelkerzenumrundungen entfernt und das Ding tatsächlich in mein Arbeitszimmer gestellt. Quasi als Warnung für die Autofahrer: Achtung, Hausecke!

Mein Garten ist ungestaltet. Ich werde mir keine Rentiere in den Garten stellen und mir auch keinen Weihnachtsmann aufs Dach werfen. Immerhin gibt es zwei Weihnachtssterne im Haus. Einen neuen, vorschriftsmäßig roten, und einen vom letzten Jahr, der sogar ein paar kleine, rote Blätter bekommen hat.

Rote Blätter trotz meiner Pflege

Rote Blätter trotz meiner Pflege

Welche Bücher lesen Sie jetzt oder haben sich vorgenommen zu lesen?
Ich lese, was auf meinem Tisch landet, egal, ob ich es selbst hingelegt habe oder es ein Rezensionsexemplar ist. Wobei ich mir auch die selbst aussuche. Nervös werde ich, wenn mir die Bücher ausgehen und ich mich ausschließlich an Altbeständen bedienen kann. Ab und zu was lesen, das ich schon kenne, ist zwar in Ordnung, aber kein akzeptabler Dauerzustand.

Und die Frage aller Fragen: Kaufen Sie jetzt schon Weihnachtsgeschenke ein?
Ich kaufe das ganze Jahr über Geschenke, wenn sie meinen Weg kreuzen. Trotzdem bleiben immer ein paar übrig, die auf den letzten Drücker hermüssen. Auch das ist inzwischen aber restlos erledigt.

Dinge, die aus unserem Alltag verschwinden – Blogparade #dailyvanish

Dinge, die aus unserem Alltag verschwinden – oder vielmehr: bereits verschwunden sind

Über Twitter erfuhr ich gestern von dieser Blogparade von Sebastian Hartmann. Als Mediävistin fällt mir da natürlich sofort einiges ein (Pergament! Wikinger!), als Kind der 70er ebenso (Kassetten! Telefone mit Wahlscheibe!). Nebenbei bewohne ich ein sehr altes Fachwerkhaus (Zweiständerbau! Einfach verglaste Fenster!) – Themen hätte ich also genug.
Nun beschäftige ich mich aber auf diesem Blog mit den Briefen meiner Familie. Der erste stammt von 1927, inzwischen bin ich mit dem Abschreiben im Jahr 1946 angelangt.* Welche Dinge, die in den Briefen selbstverständlich sind, haben sich verändert? Was wird heutzutage aus nostalgischen Gründen immer wieder rausgekramt, was ist in Vergessenheit geraten?
Da haben wir zunächst die Briefe an sich. Die ältesten stammen von Rudu, der an seine Schwester (meine Großmutter) schreibt. Er schreibt in Kurrent, der deutschen Schreibschrift. Viele kennen diese Schrift als Sütterlin. Diese wurde aber erst 1911 von Ludwig Sütterlin entwickelt und ist weniger schräg als die Kurrent. Rudu hat also noch Kurrent in der Schule gelernt. Schreibt er in den ersten Briefen (kurz nach dem Abi) noch sehr leserlich, so verändert sich seine Schrift mit den Jahren deutlich in die unleserliche Richtung. Wer sich nachträglich Sütterlin oder Kurrent beibringt, wird schwerlich jemals bei dieser Art von Sauklaue anlangen. Kurrent-Sauklaue ist also aus unserem Alltag verschwunden.

Kurrentschrift kurz nach dem Abi: noch gut lesbar

Kurrentschrift kurz nach dem Abi: noch gut lesbar

Kurrentschrift 11 Jahre später: puh

Kurrentschrift 11 Jahre später: puh

Rudu schrieb mit einer Feder, man kann erkennen, wann er sie ins Tintenfass getunkt hat. Das Schreiben mit Feder gehört zu den Dingen, die noch immer praktiziert werden, es gibt genug Kalligrafie-Fans. Nicht mehr hergestellt werden Stiftablagen mit Federhaltern im wörtlichen Sinne, nämlich Vorrichtungen, die Federhalter halten. Oder Stiftablagen mit integriertem Tintenfässchen.
Frakturschrift war in der Jugend meiner Großeltern auch noch geläufig in Büchern. Fallen einem heutzutage neue Druckerzeugnisse in Frakturschrift in die Hände, tut man in der Regel gut daran, sie beherzt hinter sich zu werfen. Die Inhalte** dürften ruhig verschwinden.

Stiftablagenvariationen: 3x Hund, 2x Tintenfass, 1x Federhalterhalter

Stiftablagenvariationen: 3x Hund, 2x Tintenfass, 1x Federhalterhalter

Nachdem Rudu nach Guatemala ausgewandert war, schrieb meine Großmutter Leni ihm auf der Schreibmaschine, um mehr Text auf dem dünnen Luftpostpapier unterbringen zu können. Sie schrieb auf Durchschlagpapier. Mechanische Schreibmaschinen werden laut meiner absolut oberflächlichen Recherche nicht mehr hergestellt, elektrische hingegen scheinen sich noch ganz gut zu halten. Durchschlagpapier gibt es ebenfalls immer noch, ich würde sogar sagen, viel öfter als es so einem Old-School-Produkt eigentlich zusteht. Wie oft bekomme ich handgeschriebene Quittungen in die Hand gedrückt und mein Gegenüber behält den Durchschlag … geht nur mir das so? Luftpostpapier gibt es auch noch immer, obwohl man es bei internationalen Sendungen nur braucht, wenn man lange Briefe verschicken will. Die leichtesten Sendungen gehen bei maximal 20 g Gewicht los, zwei normale DIN-A4-Blätter also. Hier komme ich also nicht weiter.

Durchschlagpapier ruft mir aber die Matrizen-Nudelmaschine in der Grundschule in Erinnerung. Da musste man mit Durchschlag auf Blaupausenpapier schreiben, das dann durchgenudelt wurde (in meiner Erinnerung sah die Maschine tatsächlich wie eine Nudelmaschine aus) und mit lila Schrift bedrucktes, ganz besonders stinkendes riechendes Papier ausspuckte. Papiernudelmaschinen sind ja wohl ganz sicher ausgestorben.

In einem Nachkriegsbrief bedankt sich Leni für das Zusenden von Gummiko. Damit muss Gummikordel gemeint sein, also eine Rolle Gummiband. Diese Abkürzung scheint mir aus dem deutschen Wortschatz verschwunden zu sein. Ebenso verschwunden ist die Reichsmark. Überhaupt, Währungen, aber das gehört nicht in den abgesteckten Bereich. Nein, Papiernudelmaschinen auch nicht. Aber die wollte ich unbedingt unterbringen.

Zum Schluss noch eine kurze Prognose zu Dingen, die niemals verschwinden werden:
- Wandkalender
- hochhackige Schuhe
- Großeltern, die von „ihre Kinder“ sprechen und damit ihre Enkel meinen (und mich damit kurzzeitig sehr irritieren)
- Capri-Sonne
- Milchschnitte

Und nun seid Ihr dran. Was verschwindet aus Eurem Alltag?

*Veröffentlich habe ich bis 1938, ich bin dem Blog immer ein wenig voraus.
**Hiermit meine ich auch die Inhalte der meisten Frakturschriftpullis

A band, a birthday guy, a cake. And me.

Orphaned Land – not a review but an advertisement. Or a token of love. Or both.

I don’t often go to concerts simply because there aren’t too many bands that interest me to a point that I want to see them on stage. One I was really looking forward to, though, was Orphaned Land. Never heard of them? They make great music.* They’re from Israel. What’s even more interesting, though, is the lyrics. Never in my entire life** have I listened to words that felt so right. Now this sounds very pathetic, I know, but regarding the fact that there are quite a lot of people in the world who eye each other suspiciously*** for the simple reason that the other was raised with another religious background – it is nice to hear someone say ‘All Is One.ʼ

To see that an Israeli band has fans from all sorts of cultures not in spite but because of their message is even nicer.

To listen to the music and it all fits perfectly together is bliss.

So, yesterday I grabbed my husband and went to their concert. Well, that’s not entirely true as it’s always him who (i) finds new great bands to listen to and (ii) knows who’s playing when and where.

The evening started with a shot a the Rock ‘nʼ Roll Warehouse in Hamburg. A shot glass of schnapps, that is, for all of us waiting outside as the tour bus had broken down and things were running late. We’re talking 10 minutes here,**** so that was a clear plus for the place. Another plus was the Haribo sweets box at the entrance. Even the queue at the loo was never longer than 3 girls***** and when the toilet paper was finished, the lovely lady behind me even gave me a hankie. (I nearly wrote ‘lent‘ there!)

I could go on about the support acts (Klone and The Mars Chronicles from France plus Bilocate from Jordan) and Orphaned Land, of course, but I’m not an expert, I like or I don’t like. In this case, I liked very much. Just listen to them. To give you a small idea, this sums it all up quite nicely.

As it was the night before my husband‘s birthday, he had made a cake for the band that you can marvel at here. Great people deserve a great cake!

A band, a birthday guy, a cake. And me.

A band, a birthday guy, a cake. And me.

Have a great birthday, Andi!

 

* I realize not everyone likes metal. It doesn’t matter, it’s still great music.

** I think I’m finally old enough to say that

*** If it stopped at that, the world would already be a better place.

**** The poor guys on the bus had to suffer much more than we did, obviously!

***** I had expected much worse considering that the women’s toilet was upstairs so you could use the stairs for queuing…

Kurioses aus meinem Garten

Primel im September

Primel im September

Es ist September und da blüht eine Primel. Im Frühjahr war es nicht zu sehen, was daran liegen könnte, dass ich in Unkenntnis ihrer Existenz an diese Stelle rosa Margeriten gepflanzt hatte. Selbige wurden komplett (aber sowas von!) von Schnecken verspeist. Netterweise waren sie an keiner anderen Pflanze interessiert, insofern habe ich das Opfer fast gern gebracht. Nun sind die Margeriten also verschwunden – und auf tauchen irgendwelche grünen Blätter. Grundsätzlich lasse ich alle grünen Blätter erstmal in Ruhe, weil ich mich bekannterweise kein Stück mit Blumen auskenne. Also warte ich ab, was noch draus wird. Und siehe da, es kamen Knospen und dann Blüten und schließlich meine Schwiegermutter, die verzückt rief „Ja sage mol, blüht da a Primle?“

Ja, da blüht es ganz tapfer.

Braucht keine BU. Pflanze allgemein bekannt.

Braucht keine BU. Pflanze allgemein bekannt.

Weigelie, auch im September

Weigelie, auch im September

Die Weigelie blüht ein zweites Mal, das war meines Wissens auch nicht so ausgeschildert. Reizend. Und die Sonnenblumen blühen endlich. Auf dem Foto sehen sie sehr viel größer aus, als sie tatsächlich sind.  Das soll so.

Heimat – ein großes Wort (Blogparade)

Mein momentanes Zuhause liegt hier – aber ist es auch meine Heimat? Ich bin der wunderbaren Blogparadenfrage von Katja Wenk nachgegangen und habe mir darüber Gedanken gemacht, was Heimat für mich bedeutet.
Wie ich hier bereits erzählt habe, bin ich häufig umgezogen seit ich 17 war, habe längere Zeit im Ausland gelebt und verbrachte nur in zwei Fällen ganze vier Jahre an einem Ort. Mein erster Gedanke war: Heimat ist da, wo meine Familie ist. Klar, mit meinem Mann und meinen Kindern kann ich überall glücklich sein. Aber ob das dann Heimat ist?

Und was war denn, bevor sie mein Leben auf den Kopf stellten?

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Den Sommer einfangen: mein Garten (Blogparade)

Blumen mit Haus

Blumen mit Haus

Meine Netzwerkkollegin Katrin Zinoun hat hier berichtet, wie sie den Sommer einfängt. Da ich nicht küchenkompatibel bin, kommt Marmeladekochen für mich nicht infrage. Seit ich einen Garten habe, bin ich aber quasi über Nacht zur Beetbewohnerin mutiert. Den Garten haben wir seit einem guten Jahr, allerdings wurde sich ihm erst im letzten Spätherbst gewidmet. Seit diesem Frühjahr begutachte ich den Bestand, pflanze neu, stelle fest, dass darunter doch noch eine Pflanze rauskommt und lerne, die netten von den egozentrischen Pflanzen zu unterscheiden. Wenn es sich ergibt und mir jemand vorsagt, lerne ich sogar die Namen der Gewächse.

Eng hier!

Eng hier!

Den Sommer fange ich mit meinem Kopf ein. Ähnlich wie die Maus Frederick stehe ich manchmal einfach da und sauge den Garten in mich auf. Das funktioniert ganz gut, denn wir wohnen in einer Art Paralleluniversum, gartentechnisch gesehen. Nicht, dass wir mitten in der Stadt wohnen würden, nein, beschaulich ist es hier sowieso. Aber wenn ich in meinen Garten trete, dann ist Urlaub. Unabhängige Testpersonen haben das bestätigt. Alles, was ich tun muss, ist, mich im Winter an das Sommerurlaubsfeeling zu erinnern.

Schon wieder ein Nachbarhaus

Schon wieder ein Nachbarhaus

Ich glaube, das wird ganz gut funktionieren, denn wenn ich jetzt vom Garten in die Stube mit dem Kamin blicke, denke ich an das Winterurlaubsfeeling. Ich sehe mich im Winter drinnen auf dem Sofa sitzen, mir ist warm und ich esse Nachos mit Käse.* In einigen Monaten werde ich in der Stube sitzen, werde nach draußen blicken und mich im Strandkorb sitzen sehen, mir ist warm heiß und ich esse Eis. So hangle ich mich mit einem selig-debilen Lächeln von Jahreszeit zu Jahreszeit und speichere die Idylle jeden Tag aufs Neue ab. Auf der Tonspur hört man wenig, Bienchen und Hummeln summen, ab und zu fährt ein Trecker vorbei.

Vorbeifahrender Trecker

Vorbeifahrender Trecker

Bienchen und Hummelchen an Blümchen

Bienchen und Hummelchen an Blümchen

Die Beschaffenheit unserer Oase ist zunächst nicht besonders. Unser Garten wird von diversen Häusern gesäumt – wir stehen nämlich auf einer Düne und liegen somit besonders hoch, was direkt an der Elbe kein Nachteil ist. Man kann sogar – was ja eigentlich total ungemütlich ist – von der Straße aus in den Garten hineinsehen, das macht aber nichts. Man muss eben ab und zu grüßen, denn hier geht man nicht einfach vorbei und tut so, als hätte man nicht geguckt. Hier wird geguckt und gegrüßt, und so nimmt man es auch niemandem übel, wenn man auf Veränderungen im Garten angesprochen wird.
A propos Veränderung: Besonders in Erinnerung behalten werde ich meinen Phlox. Der blüht nämlich lila, aber die Farbe sieht zu jeder Tageszeit anders aus und ich fing schon an, mein Gedächtnis anzuzweifeln. Fotos beweisen nun aber, dass ich recht hatte. Fotos können natürlich auch helfen, sich an den Sommer zu erinnern. Aber ich glaube, die brauche ich gar nicht.

Phlox am Abend

Phlox am Abend

Phlox am Morgen

Phlox am Morgen

Phlox zur Mittagszeit

Phlox zur Mittagszeit

 

* Nahrungsmittel mit Käse überbacken kann ich übrigens selbst. Es fällt aber nicht in meinen Zuständigkeitsbereich.

Auf der Schaukel unter der 300 Jahre alten Esche

Auf der Schaukel unter der 300 Jahre alten Esche

 

Mein Leben ohne Ponyhof (Blogparade)

Unscharfes, verblichenes Bild von Pony Molli

Unscharfes, verblichenes Bild von Pony Molli

Blogparade „Das Leben ist kein Ponyhof“ von Anne Schüßler

Auf dem Land bin ich zwar aufgewachsen, mit Ponys aber nicht. Etwa zeitgleich während der Grundschulzeit fanden folgende pferdebezogene Szenarios statt:

  • Die Nachbarstochter (2 Jahre älter als ich) fuhr mit meinem Bruder (1,5 Jahre älter als ich) auf einen Ponyhof. Ich war beim Abholen dabei und fand es faszinierend. Irgendwie wollte ich auch hin, aber irgendwie fand das nie statt. Ich weiß auch gar nicht, ob die Nachbarstochter noch einmal hingefahren ist und ob es meinem Bruder da überhaupt gefallen hat. Mein Bruder hat mir Aufkleber mitgebracht, das weiß ich noch. Pferde waren nicht drauf. Und dann hat er mir ein Foto von dem Pony Molli geschenkt. Warum? Weiß nicht. Es war jedenfalls nicht “sein” Pferd während der Ponyhofzeit. Seins war schwarz.
  • Die Nachbarstochter bekam ein eigenes Pferd, das irgendwo im Ort stand. Ab und zu brachte sie es mit in unseren Garten und ich bin drauf geritten. Eines schönen Wintertages wurde das Pferd von einem Auto angefahren und starb. Auch auf dem Nachfolgepferd bin ich mal geritten.
  • Ich ging zum Voltigieren. Wer mich kennt, weiß, dass das eine Schnapsidee war. Zeitgleich wurde in der Halle Reitunterricht gegeben und ich wollte auch reiten können. Irgendwann hörte ich mit dem Voltigieren auf.
Mit der Nachbarstochter im Garten - man beachte, wer den Helm trägt!

Mit der Nachbarstochter im Garten – man beachte, wer den Helm trägt!

Zu Teenagerzeiten gab es in meiner Klasse eine Reiterinnen-Fraktion, mit der ich nicht viel zu tun hatte, die ich aber ein ganz klein wenig neidisch beäugte.

Die Wendy habe ich nur gelesen, wenn man sie mir in die Hand gedrückt hat, also einmal.* Ich kann mich nicht erinnern, worum es in der Comicgeschichte ging, aber es war irgendwas Intrigantes. Sehr unentspannt. Die Reitermädels in meiner Klasse waren auch unentspannt. Wenn ich unentspannt sein will, brauche ich dazu kein Pferd.

Dann gab es noch eine weitere Klassenkameradin, die im Garten zwei Ponys stehen hatte, aber nicht zum Reitunterricht ging. Von der Sorte habe ich noch eine weitere Freundin. Die sind entspannter – und können trotzdem reiten.

Heutzutage besuchen wir ab und zu mit den Kindern einen Reitstall, hauptsächlich zum Gucken. Die Kinder wollen Reiten lernen und das werden sie wahrscheinlich auch. Wann immer das Gespräch darauf kommt, denke ich: ‚Ich möchte das auch können.‘ Doch ich möchte meinen Kindern die Schmach ersparen, als peinliche Anfängermama neben ihnen herzureiten. Außerdem – und das ist kein ganz unwesentlicher Punkt – möchte ich es ja nur können. Auf Lernprozesse habe ich keinen Bock. Das ist mir viel zu unentspannt.

 

*Wenn man mir etwas mit Schrift drauf/drin in die Hand drückt, dann lese ich es. Ist so eine Art Zwang.

Kirchwerder – eine Liebeserklärung

Hamburg ist ja mit 755,26 km2 bekanntermaßen nicht sehr klein. 2401 Einwohner pro km2 im Durchschnitt. Die 32,3 km2 im Südosten heißen Kirchwerder und haben 283,5 Einwohner pro km2*. 9156 waren es laut Wikipedia Ende 2011. Kirchwerder ist Teil der Vierlande, zu denen auch noch Curslack, Altengamme und Neuengamme gehören.

Hier wohne ich.

Manche belächeln mich dafür, manche halten mich wahrscheinlich für bekloppt.** Weil ich Orientierungslegasthenikerin bin, fahre ich mit dem Bus in die Stadt. Das dauert. Ich fahre unheimlich gern Bus. Das glaubt mir auch keiner.

Ich rede mir meinen Wohnort nicht schön. Das muss ich nicht. Ich bin hier nämlich freiwillig hergezogen und möchte nicht mehr weg. Das heißt nicht, dass alle anderen auch herziehen sollen. Obwohl in Fünfhausen sicher ein Haus frei ist. Fünfhausen ist ein Ortsteil von Kirchwerder, in dem jede Woche fünf Häuser gebaut werden. So kommt es mir jedenfalls vor.

Wenn mich Freunde besuchen, kommen sie, um sich zu erholen (trotz der vorhandenen Kinder!!) – und sind heilfroh, wenn sie sich wieder in die Stadt begeben dürfen. Win-win-Situation vom Feinsten. Es gibt hier sogar eine Cocktailbar.

Es gibt viel zu entdecken auf so einem Deich

Es gibt viel zu entdecken auf so einem Deich

Auf dem Deich blöken die Schafe, der Storch stolziert durchs Grün. Wenn abends nur noch eine der beiden Buslinien fährt, muss ich übers Feld gehen, um nach Hause zu kommen. Dort quaken die Frösche in den Gräben und ich habe einen unglaublichen Sternenhimmel über mir. Meine Füße werden nass vom Gras, aber ich bin ja auf dem Nachhauseweg.

Morgens gehen wir bei Else Brötchen kaufen. Da wird noch selbst gebacken, aber nicht von Else, denn die ist knapp 88 und für den Verkauf zuständig. Wenn man Glück hat, steht sie nicht an der Brötchentheke, sondern an der Kasse. Sie hört nämlich nicht mehr einwandfrei, rechnen kann sie aber noch. Manchmal vergisst sie, was sie schon abgerechnet hat und was nicht, weil sie nebenher Geschichten erzählt. Wenn man ihr dann zu helfen versucht, wird es oft verwirrend. Niemand wird grantig, wenn es an der Kasse länger dauert, denn das weiß man vorher. Eilige bestellen ihre Brötchen vor, holen sie morgens nur raus und zahlen einmal pro Woche. Das könnten wir auch tun, aber wir schätzen die Spontaneität bei der morgendlichen Essensauswahl.

Else hat natürlich auch einen Nachnamen, der ist aber unerheblich, denn hier duzt man sich. Trifft man jemanden auf der Straße, wird sich begrüßt. Natürlich weiß so ziemlich jeder so ziemlich alles über so ziemlich jeden, damit muss man leben. Für mich hat es nichts Unangenehmes, denn gelästert wird nicht, nur festgestellt. Neugierige Fragen werden direkt gestellt, es wird nicht hintenrum spekuliert. Das finde ich okay.

Ich mag die Ruhe hier draußen, die trotzdem nicht tödlich ist. Ich mag die Felder und ich liebe die Elbe mit den sehr hohen Deichen. Wenn kein Hochwasser ist, gibt es hier sogar Sandstrände zum Baden. Das Einzige, das mir fehlt, ist Wald. Die Landschaft hier ist weit und offen, da würde Wald gar nicht passen, aber ich bin eben ursprünglich auch nicht von hier.

Kirchwerder hat eine sehr schöne Kirche (wie übrigens alle Teile der Vierlande, im Schönekirchenbauen ist man hier echt gut) und eine Mühle. Kaffee trinkt man mit den Bikern am Imbiss des Fähranlegers oder hier. Als mich einmal eine Freundin aus Hamburg mit Mann und Kind besuchte, sprach sie sinngemäß zu ihrem Gatten: „Das Haus finden wir ganz leicht, es hat ein Reetdach.“ Von meinem Arbeitszimmer aus sehe ich vier Reetdachhäuser. Das allein reicht also nicht als Beschreibung.

Man trifft sich an der Fähre

Man trifft sich an der Fähre

Hier draußen auf dem Land sind Drei-Generationen-Häuser noch üblich, aber nicht die Regel. Oft baut sich der erwachsene Nachwuchs ein Haus im Garten der Eltern. Die Jugendlichen wollen weg von hier, als Erwachsene kommen sie gern wieder, auch zum Wohnen. Es ist halt so nett hier.

Meinen Vater hat Else übrigens für einen Doktor gehalten. Oder einen Professor. Weil er so schön spricht.

Die Inspiration, über meinen “Hood” zu schreiben, kommt von Maximilian Buddenbohm, bevor ich wieder vergesse, das zu erwähnen.

__________________________

*Habe ich das richtig ausgerechnet, dass ich allein theoretisch über 11.000 m2 Platz habe?

**Das sagen sie natürlich nicht. Aber sie fragen mit einem subtilen Kopfschütteln: „Warum?“

Das Haus

Falsch zitiert!

Bei der Erwähnung von Straßennamen meinerseits fragt mein Vater immer sofort, nach wem die Straße benannt ist, wer das war usw. Vielleicht ist das der Grund, dass ich immer in Straßen gewohnt habe, die eindeutig zuzuordnen waren (Fehmarner Straße, Auf dem Kreuz, Elbdeich* …). Einzige Ausnahme (die mir jetzt gerade einfällt) war die rue Paul Appell.**

Nun wohne ich neuerdings in einem Haus mit Inschrift, an deren Ende eine Bibelstelle zitiert wird. Diese Bibelstelle wird auch an anderen Häusern angegeben. Es hat ein gutes Jahr gedauert, aber neulich habe ich sie dann doch mal überprüft.

Falsch

Falsch

Da steht:

Nun hebe an zu Segnen das Haus deines Knechts, denn was Du Herr Segnest, das ist gesegnet ewiglich. 1. buch der Crohnica am 18. verse 27

Chronica ist tatsächlich falsch geschrieben.

Zufällig hatte ich am anderen Ende der Straße gesehen, dass dort der gleiche Bibelvers am Haus steht. Dort wird als Quelle Chronica am 18 Verse 20 angegeben.

Auch falsch

Auch falsch

Oh.

Nun nahm ich eine meiner Bibeln zur Hand*** und sah nach.  Und wo steht es? In der 1. Chronik 17, Vers 27.

Beide Inschriften sind aufgemalt, ich halte es aber für unwahrscheinlich, dass beim Nachmalen die Sieben versehentlich zu einer Acht wurde – an zwei Häusern. Das würde bedeuten, dass die Quelle beider Inschriften seit dem 18. Jahrhundert falsch angegeben ist. Sehr lustig. Und nein, wir werden es beim Renovieren nicht berichtigen, obwohl es bereits ernst gemeinte Vorschläge zur Veränderung der Inschrift gab (eigenen Namen einsetzen usw.). Die Wahrheit ist: Es ist falsch.

Auf die Idee, die Inschrift zu überprüfen, kam ich übrigens durch den mittlerweile abgelaufenen Fotowettbewerb von Corinna Dürr, der sich wiederum auf Heike Abidis neues Buch Wahrheit wird völlig überbewertet bezog.

_______________

*Wir wohnen an der Elbe, sind aber von dem Hochwasser dank hervorragender Deiche nicht betroffen. Mein Mitgefühl geht an alle, deren Landesregierungen Deichschutz nicht für nötig (genug) halten.

**1855-1930; franz. Mathematiker

***Ich habe eine kleine Bibelsammlung, die mir zufällig zugelaufen ist. Und wenn man schon so eine Sammlung hat, darf man nicht im Internet suchen, das verbietet die Ehre. Als ich das Zitat nicht an der angegebenen Stelle fand, bin ich aber natürlich sofort an den Rechner geeilt und habe die Stelle nicht (obwohl ich kurz mit mir haderte) in den anderen Bibeln überprüft.

Blogparade Fremdsprachenlernen: Von Vokabelpauken und Grammatiktests

Ricarda Essrich möchte wissen, wie wir Fremdsprachen lernen. Dazu kann ich einiges beitragen.

Meine erste Fremdsprache war Latein. Das ist ja eine ganz tolle Sprache. Damit kann man später super Französisch und so lernen. Aber dazu später.

Latein, 5. Klasse, 1. Lektion: Servus clamat – der Sklave ruft. So weit, so gut. Neben diesem Satz erinnere ich mich noch an ein paar Vokabeln wie tandem – endlich und debere – schulden, müssen, verdanken.

Wie habe ich Latein gelernt? Gar nicht. Ich habe mich nie mit der Sprache anfreunden können, was mich bis heute etwas wundert. Immerhin habe ich das Latinum erlangt, ohne einen vernünftigen Satz übersetzen zu können. Die Antwort wäre also eher: Systematisch schummelnd habe ich Latein „gelernt“.

Meine zweite Fremdsprache war Englisch. Weil Latein so doof war, habe ich schon vor der 7. Klasse angefangen, mit Lernheften („Englisch lernen mit BBC“ – kennt das noch jemand?) und Kassetten Englisch zu lernen. Als der Unterricht an der Schule losging, fand ich es einfach. Von meinem Englischlehrer habe ich mir Agatha-Christie-Krimis ausgeliehen, bis er keinen Nachschub mehr hatte. Dann bin ich nach England gezogen und habe dort Abi gemacht. Vokabeln gelernt habe ich nur für Vokabeltests, aber da hat es gereicht, sie einmal durchzulesen. Ansonsten: Bücher lesen. Und natürlich in England wohnen, das hilft enorm. Die erste Vokabel, die ich dort bewusst kennengelernt habe, war pregnant. Aber nur, weil das bei Neighbours gerade Thema war. (Es ging um Natalie Imbruglia alias Beth, die dann aber „nur“ eine Vergiftung hatte …)

Später habe ich Anglistik studiert und mich mit Altenglisch und Mittelenglisch befasst. Das war sehr schön und ging prima ohne Vokabellernen. Grammatik wende ich nach Gefühl an.

Meine dritte Fremdsprache war Französisch, 9. Klasse. Trotz eines unfähigen (1. Jahr) bzw. eines stets kranken (2. Jahr) Lehrers lief auch das ganz gut. Viel gelernt haben wir trotzdem nicht. Als ich dann nach England ging und nach kürzester Zeit feststellte, dass Chemistry A-level (LK) nicht klappen würde, fragte mich die Französischlehrerin, ob ich es nicht mit – ja, genau – French A-level versuchen wollte. Ich stellte klar, dass ich gar kein Französisch konnte und ließ mich trotzdem überreden. Hat prima geklappt. Gelernt habe ich für die Prüfungen nicht, da ich der Überzeugung war (und bin), dass man unmöglich die thematisch passenden Vokabeln erwischen kann. Das wiederum würde bedeuten, dass man einfach ALLES lernen muss, und wer will das schon. Auswendig gelernt habe ich nur die Zitate aus den Büchern, weil wir mit Seitenzahlen zitieren mussten, aber ohne das Buch. Alles ging auch so, und in der Tat kam ein Text über Frösche vor, also die Vokabel hätte ich ja niemals gelernt. Irgendwie habe ich sie aber wohl erkannt.

Nach der Schule bin ich für ein halbes Jahr nach Straßburg gezogen und habe einen Französischkurs besucht. Einige Jahre später hing ich in Berlin rum und mein Studium zog sich wie Kaugummi. Ich wollte wieder ins Ausland, wo man zum Lernen geprügelt animiert wird. Da Frankreich das einzige Land war, das ein angefangenes Studium anerkannte, bin ich nach Caen gezogen. Vorher habe ich noch schnell ein Semester Französisch studiert.

Das Studium in Frankreich war sehr bereichernd, vor allem, weil ich altisländische Texte ins Französische übersetzen musste und es mir eher an den französischen als an den isländischen Vokabeln haperte. Ging aber trotzdem gut und ohne viel Gelerne.

Meine vierte Fremdsprache weiß ich jetzt gar nicht so genau. Ich habe in England kurz mit Italienisch angefangen, wurde aber gezwungen, den Unterricht abzubrechen (weil, völlig aus der Luft gegriffen natürlich, die Schule der Meinung war, ich würde nicht genug für die anderen Fächer tun).

Zu Beginn meines Studiums dachte ich, Russisch wäre ein prima Hauptfach. Im ersten Semester musste man einen Intensivkurs belegen, der offiziell 15 Wochenstunden hatte, tatsächlich aber 20. Nebenher sollte man noch nicht mit dem eigentlichen Studium beginnen. Das brachte ich nicht über mich, ging trotzdem zu den anderen Vorlesungen und verbrachte etwa 10 Stunden im Russischunterricht. Am Ende des Semesters stellte ich fest, dass mich Russisch eigentlich gar nicht interessierte, weil ich viel lieber Schwedisch lernen wollte. Mein Russischlehrer war stinksauer und hat nie wieder mit mir gesprochen.

Meine richtig gelernte vierte Fremdsprache war also Schwedisch. Das war nett und einfach und während dem ersten Semester habe ich angefangen, Astrid Lindgren im Original zu lesen. Also auch hier wieder lernen durch lesen. Später habe ich dann auch noch ein Jahr in Schweden studiert – u. a. Französisch und Unterwasserarchäologie, weil ohnehin klar war, dass mir die Scheine nicht anerkannt würden.

Im Grundstudium habe ich noch Niederländisch und ein bisschen Isländisch gelernt und nach meiner Rückkehr aus Schweden habe ich in Berlin an der VHS mit Hebräisch angefangen, das aber schnell abgebrochen, weil wir nur 2 Buchstaben pro Stunde durchnahmen, sich die Leute beschwert haben, dass es zu schnell ging und ich beinah Amok gelaufen wäre. Dann habe ich es mit Jiddisch versucht (wo man das Alphabet in der ersten Stunde komplett durchnahm), ging dann aber nach Frankreich usw.

Im Studium habe ich außerdem neben dem erwähnten Alt- und Mittelenglisch noch Alt- und Mittelhochdeutsch, Gotisch, Altisländisch und Mittelniederländisch gelernt. Dadurch, dass ich nur germanische Sprachen studiert habe, musste ich eigentlich nur einmal die Ablautreihen der starken Verben lernen. Praktisch. Immer wieder habe ich gedacht, dass ich doch inzwischen auch Latein kapieren müsste, immerhin habe ich mich ja recht viel mit toten Sprachen beschäftigt. Ich habe mir sogar die „Germania“ von Tacitus in der zweisprachigen Ausgabe angeschafft. Fehlanzeige. Manchmal helfen mir meine Französischkenntnisse ein bisschen.

Meine Schwächen liegen auf jeden Fall im Fleißbereich. Was sich nicht durch das Lesen von Texten lernen lässt, ist bei mir nicht willkommen. Deshalb kann ich auch so schlecht Isländisch, da muss man ganz viele Endungen lernen. Lesen kann ich es ganz gut, aber ich habe einfach zu wenig isländische Bücher. Vielleicht wird es doch noch was, wenn ich mehr lese.

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