Kategorie-Archiv: Bücher

Rezensionen, Lieblingsbücher usw.

Kleiner als ein Elch, aber viel geradliniger als Tigerstreifen

„Zwei Minuten für die Sprache“ von Juliane Topka

Kleiner als ein Elch, aber viel geradliniger als Tigerstreifen

Kleiner als ein Elch, aber viel geradliniger als Tigerstreifen

Tipps und Tricks, um besser zu schreiben

Ein nettes kleines Büchlein, außen von der Deichgrafikerin Katja Frauenkron in Schulheftoptik und den CI-Farben der Autorin gestaltet. Innen perfekt und übersichtlich gesetzt, das muss ich erwähnen, auch wenn es hier eigentlich um den Inhalt geht. BoD-Vorurteile gibt es ja genug.

Man könnte mein Urteilsvermögen anzweifeln, da ich Juliane und ihre herausragenden Sprachpingel-Eigenschaften kenne, aber ich möchte doch zu Bedenken geben, dass es sich bei diesem entzückenden Sprachwerk um ein ganz hervorragendes handelt. Dafür kann ich nichts, daran ist die Autorin schuld. Unfair wäre es Euch gegenüber, wenn ich Euch dieses Kleinod nicht empfehlen würde.

Ich bin überhaupt kein Fan von Eigentlich-heißt-das-aber-anders-Nörgeleien, noch weniger mag ich Wenn-der-Genitiv-stirbt-sind-wir-alsbald-alle-des-Todes-Miesepetereien. Ich konnte nur deshalb Sprachgeschichte studieren, weil Sprache sich verändert. Diese Veränderungen sind eine Tatsache, die man auch mit lautem Protest nicht dauerhaft aufhalten kann. Eine weitere Tatsache ist, dass die Schriftsprache immer konservativer ist als die gesprochene Sprache. Was ich im Gespräch problemlos von mir geben kann, darf ich noch lange nicht so schreiben. Das ist auch ganz okay, finde ich, denn ein geschriebener Text muss auf Anhieb verständlich sein (auch ohne hervorhebende Betonung), Leser und Leserin können ihn nicht um Erläuterungen bitten, wenn sie etwas nicht verstehen.

Juliane Topka hat 40 Ausgaben ihres Newsletters „Zwei Minuten für die Sprache“ für die Veröffentlichung ausgewählt. Das bedeutet, dass man die Lektüre durchaus in 80 Minuten beenden kann. Damit ist der Spaß aber noch lange nicht vorbei, denn dieses Buch wirkt nach! Jedem dieser Anderthalbseiter* geht ein kurzes Quiz voraus, das einem zeigt, wo das Sprachproblem liegt und wie gut man selbst damit umzugehen weiß. Die Themen gehören allesamt in die Kategorien „Wie war das doch gleich?“ und „Ach, das ist falsch?“ Als Lektorin für Unternehmenskommunikation richtet sich Juliane natürlich vornehmlich an Unternehmen, die gern Newsletter mit ebenso umständlichen wie (bei näherer Betrachtung) falschen Formulierungen in Umlauf bringen. Aber auch wir Normalsterblichen sind angesprochen.

Wem Kommasetzung schon immer ein Dorn im Auge war, der betrachte doch einmal diese zwei Sätze:

1) Können Sie mir noch einen weiteren spannenden Film empfehlen?

2) Können Sie mir noch einen weiteren, spannenden Film empfehlen?

Unterschied verstanden? Wenn nicht, einfach im Buch nachlesen. Die Erklärungen sind ebenso einfach wie logisch.

Wer noch auf der Suche nach Weihnachtsgeschenken ist und Menschen zu beschenken hat, die sich für Sprache interessieren (oder sich darüber beklagen, dass sie bestimmte Regeln nicht verstehen), der möge Julianes Buch hier bestellen. Ihren Newsletter abonniert Ihr hier.

*1,5 Seiten = 2 Minuten Lesezeit

Warum haben Bücher keinen Beipackzettel?

„Warum haben Eltern keinen Beipackzettel?“ von Sabine und Roland Bösel

Warum haben Bücher keinen Beipackzettel?

Warum haben Bücher keinen Beipackzettel?

Über Risiken und Nebenwirkungen des emotionalen Erbes fragen Sie Ihre Partnerin oder Ihren Partner

Meine erste Reaktion (als ich mich nach dem Auspacken endlich dem Inhalt des Buches zuwende, s. u.): Was ist denn das für ein Buch? Ein Kinderratgeber („Wie erziehe ich meine Eltern?“), ein BEziehungsratgeber („Warum funktioniert unsere Ehe nicht?“) oder gar ein ERziehungsratgeber („So vermeiden Sie, dass Ihre Kinder total verkorksen!“)?

Auf dem Cover sind mit einem Pflaster notdürftig verarztete gebrochene Herzen zu sehen.

Also, worum geht es? Um Verhaltensmuster, die wir in der Kindheit (unbewusst) gelernt haben und die uns nun – gerade, wenn wir uns in einer Beziehung befinden – im Weg rumliegen.

Doch dazu komme ich später. Als ich das Buch aus dem Briefumschlag zog, fiel mir zunächst die angenehm matte Oberfläche auf. Dann schlug ich es auf und … oh, dieser Duft! Oooohh! Kennt Ihr das, wenn Druckerzeugnisse je nach Papier ganz unterschiedliche Duftnoten aufweisen? Hier handelt es sich um ein etwas dickeres Papier, das knarzt, wenn man es zwischen den Fingern reibt. Ich fühlte mich umgehend an mein Lesebuch aus der 2. Klasse erinnert, in dem Quiesel eingeführt wurde. In der 1. Klasse hatte ich noch mit Fu gelernt, dann kamen die neuen Bücher – mit eben diesem Geruch.*

Nun wollte ich wissen, ob das sein kann und habe in der Druckerei Theiss nachgefragt. Herr Granig antwortete postwendend: „Das Papier nennt sich bei uns in Österreich ‚HelloFat matt‘ – es ist vergleichbar mit dem früheren ‚Biberist Furioso matt‘, welches durchaus bei Schulbüchern eingesetzt wurde.“ Die Druckfarbe könne zwar auch noch einen eigenen Geruch verursachen, aber ich fühle mich bestätigt. HelloFat matt! Wenn das kein toller Name ist! Weitere Recherche ergab, dass mein neues Lieblingspapier relativ dick ist, ohne dadurch schwerer zu werden. Noch dazu ist es FSC-zertifiziert.

Die erste durch dieses Buch erworbene Erkenntnis war also schon wirklich bereichernd. Gespannt wandte ich mich dem Gedruckten zu. Das Thema des Buches sind Beziehungsprobleme und wie man sie löst. Der Ansatz ist dabei nicht, auf Biegen und Brechen Kompromisse einzugehen und zu versuchen, irgendwie auf einen Nenner zu kommen, sondern der Ursache der Probleme auf die Schliche zu kommen. Jede/r verhält sich manchmal irrational und reagiert in den Augen der anderen merkwürdig. Das Autorenehepaar – zwei erfahrene Paartherapeuten – suchen die Ursachen für das merkwürdige Verhalten in der Kindheit der Person. Der Schlüssel liegt häufig darin, dass das Kind unbewusst die (mitunter ebenso merkwürdige) Reaktionsweise eines Elternteils kopiert, um diesem zu zeigen, dass es zu ihm hält und um positive Resonanz hervorzurufen. Dass das kaum klappen kann, ist klar, ändert aber nichts an diesem offenbar sehr gängigen kindlichen Verhalten.

Anhand zahlreicher Beispiele werden die Verhaltensmuster aufgedröselt, analysiert und aus dem Weg geschafft. Dabei ersetzt das Buch keineswegs die Paartherapie. Das ginge auch gar nicht. Ein zerstrittenes Paar wird niemals den Dingen so auf den Grund gehen können, wie das ein unabhängiger Dritter schafft. Wer jedoch Beziehungsprobleme hat, wird anhand dieses Buches durchaus erkennen können, dass es bei einer Paartherapie nicht darum geht, jemanden (nach Möglichkeit natürlich den anderen bzw. die andere) zu ändern. Es gilt, gewohnte Wege zu verlassen. Dies erreicht man nur, wenn man herausfindet, wie man auf diesen Weg geraten ist. Das heißt jetzt nicht, dass man seinen Eltern munter die Schuld zuschieben und sich entspannt zurücklehnen darf. Um Probleme bekämpfen zu können, muss man sie halt erst einmal kennen. Ein weiterer wichtiger Schritt ist die Vergebung. Bestehende Vorwürfe halten das Problem am Leben. Erst durch Vergebung können sie sich in Wohlgefallen auflösen.

Wenn das Buch nun aber nicht die Paartherapie ersetzt, ist es dann eine Kommt-zu-unserer-Paartherapie-Werbeveranstaltung? Nein. Doch. Mithilfe des Buches versteht man, dass eine Paartherapie nicht nur der Beziehung helfen kann, sondern auch zu einer tiefgehenden Erkenntnis über einen selbst führt. Vieles scheint banal, selbst auf die Lösung kommen würde ich trotzdem nicht. Die bestechende Logik der beiden Paartherapeuten ist für mich auch keineswegs immer nachvollziehbar. An mancher Stelle hätte es mehr Erklärungsbedarf gegeben. Manche Probleme wurden so verkürzt dargestellt, dass die Lösung nur eine von vielen zu sein scheint, weil mir als Leserin ein paar Puzzleteile fehlen.

Ein weiterer Aspekt neben der Paartherapie ist der Generationen-Workshop, der ebenfalls von dem Autorenpaar angeboten wird. Die vom Kind übernommenen Verhaltensmuster sollen durch ein Gespräch mit den Eltern aufgebrochen werden. Scheint zu funktionieren. Auch hier wieder: Allein ist das kaum zu bewältigen. Es gibt einen Test, mit dessen Hilfe man ausloten kann, ob bestimmte Bereiche in der eigenen Kindheit zu kurz gekommen sind. Das ist zumindest eine Orientierungshilfe.

Überhaupt muss (oder sollte) man sich ständig fragen, ob man sich oder einer anderen Person das Leben in irgendeiner Weise schwer macht. Diesen Ansatz finde ich sehr spannend: Das eigene Verhalten verhindert das Fortkommen – ohne, dass man es merkt. Im eigenen Bewusstsein scheint der Partner/die Partnerin die bremsende Kraft zu sein, man selbst möchte ja schließlich weiterkommen.

Spannendes Thema.

Ich selbst werde in Zukunft sicher genauer drauf achten, wie ich reagiere. Eine Frage bleibt jedoch offen: Gibt es auch Beziehungen, die sich nicht retten lassen? Scheitern Paartherapien nur, wenn der Konfliktbewältigungswille des Paares zu gering ist oder gibt es auch eine Nicht-Kompatibiliät?

Natürlich beschreibt das Autorenpaar ausschließlich erfolgreiche Konfliktlösung, alles andere wäre ja auch blöd. Trotzdem. Ein bisschen beschleicht mich das Gefühl, dass man jede Beziehung zu retten versuchen sollte. Manchmal will man das aber doch gar nicht. Wenn ich mir vorstelle, ich hätte meinen ersten Freund zur Paartherapie geschleppt, als er mit mir Schluss gemacht hat … Du meine Güte. Gäbe es einen Punkt, an dem die Therapeuten meinem Partner und mir raten würden: „Ach, lassen Sie’s, das hat echt keinen Sinn.“? Klar, die zu Therapierenden kommen in die Praxis, weil sie ihre Beziehung retten wollen. Von „Liebe“ war dabei aber nie die Rede. Vielleicht ist das schon wieder zu selbstverständlich, aber für mich wäre das aber doch die erste Frage, die zu klären ist.

Besonders spannend sind übrigens die Episoden aus dem eigenen Leben der Therapeuten. Unglaublich persönlich. Eine gute Idee, den Beziehungsproblembelasteten zu zeigen, dass es ihnen auch nicht besser geht und dass auch sie um ihre Partnerschaft kämpfen müssen, auch wenn mir die Beschreibungen ja manchmal ein bisschen peinlich waren. Wenn ich jemals zu einer Paartherapeutin gehe,** möge sie mir intime Details aus ihrer Vergangenheit bitte verschweigen.

Fazit: Wer sich und der eigenen Beziehung auf den Grund gehen möchte, lese dieses Buch. Wer schwerwiegende Beziehungsprobleme hat, lese dieses Buch und begebe sich dann in eine Paartherapie. Wer in der Paartherapie erfährt, dass viele Probleme aus der eigenen Kindheit herrühren, lese dieses Buch und begebe sich mit mindestens einem Elternteil in den Generationen-Workshop.

Wer Kinder hat, lese dieses Buch, um Verhaltensmuster frühzeitig zu entlarven. Wer Eltern hat,*** lese dieses Buch, um Verhaltensmuster zu erkennen, bevor sie zum Beziehungsproblem werden.

* Übrigens ist auch das ein Thema im Buch: mit Erinnerungen verknüpfte Gerüche / mit Gerüchen verknüpfte Erinnerungen

** weiblich ist wahrscheinlicher

*** „Eltern“ steht stellvertretend für alle, die an der eigenen Erziehung einen Anteil hatten.

Wie war das im Mittelteil?

“Taube Nuss” von Alexander Görsdorf

Wie war das im Mittelteil?

Wie war das im Mittelteil?

“Nichtgehörtes aus dem Leben eines Schwerhörigen”

Ein Buch über die Erlebnisse eines Schwerhörigen. Natürlich weiß ich, dass es Schwerhörige gibt. Außer mit Else, der 88-jährigen Tante-Emma-Laden-Besitzerin im Ort, habe ich aber im täglichen Leben keinerlei Kontakt mit Schwerhörigen. Auch nie gehabt. Bis auf ein einziges Mal. Glaube ich. Glaubte ich. Jetzt bin ich mir nicht mehr so sicher.
Ich dachte ja immer, wenn man schwerhörig ist, beschafft man sich ein Hörgerät und gut ist. Ich kann meine Kurzsichtigkeit ja auch ausgleichen. So einfach ist es aber offenbar nicht. Hörgeräte sind launischer als Brillen und nehmen keine Rücksicht auf die Wichtigkeit der Geräusche. Noch dazu müssen sie ständig mit frischen Batterien versorgt werden.

Alexander Görsdorf beschreibt in kurzen Episoden, was er im täglichen Leben mit seiner Schwerhörigkeit erlebt – oder vielmehr, nicht erlebt. Von einem Missverständnis gerät er ins nächste, stolpert von einem gescheiterten Lösungsversuch zum nächsten. So lernt er aus bezahltechnischen Gründen die Brötchenpreise auswendig und unterstellt eines Tages der Bäckerin, sie würde ihn übers Ohr hauen (figurativ gesprochen), weil die Anzeige auf der Kasse nicht mit dem von ihm errechneten Betrag übereinstimmt. Das Ganze ist ein Missverständnis, denn sie hatte sich vertippt, ihm aber den korrekten Betrag genannt – er zahlt fortan nur noch mit Schein. Eine Lösung, die eine in beide Richtungen erfolgreiche Kommunikation unnötig macht.
Als Schwerhöriger hat Alexander Görsdorf wenig Chancen, einfach nur nett und umkompliziert mit Fremden zu plaudern. Schwerhörigkeit ist ab dem ersten Satz ein Thema, weil er nachfragen muss, um sein Gegenüber zu verstehen. In fremde Gespräche einklinken? Unmöglich. Spätestens beim Sex kommt es zu kniffligen Situationen – Hörgeräte raus (bequem) oder rein (nichts mitkriegen)?
Die logische Folge: Er zieht sich zurück. Ich konnte die Einsamkeit spüren und war sehr froh, dass er sich nicht unterkriegen ließ. Dieses Buch hätte auch ein wirklich deprimierendes welches werden können. Es blieb aber heiter bis wolkig. Mitgefiebert habe ich beim Einsetzen des Cochlea-Implantats. Die Angst, dass das Hören nicht besser wird, dass es doch nicht richtig war, den Eingriff vornehmen zu lassen. Und dann die Erleichterung – fast. Wenn er mit CI doch nicht alles versteht, muss das ja nichts heißen. Auch Flotthörige müssen schließlich manchmal nachfragen.

„Flotthörige“ ist übrigens bei Alexander Görsdorf das Gegenteil von „Schwerhörige“. Das sieht auf den ersten Blick lustig aus, stimmte mich dann aber doch etwas nachdenklich. Denn das eigentliche Gegenteil von „flott“ wäre ja wiederum „langsam“. Wenn man schlecht hört, ist man nicht automatisch langsam. Oder doch?
In dem Buch wird immer wieder deutlich, wie langsam sich ein Gespräch entwickelt, wenn ein Gesprächspartner ständig nachfragen muss. Wenn es sich denn überhaupt entwickelt. Der Schwerhörige begreift langsam, weil er “langsam” hört. Das weckt bei allen anderen den Anschein, dass er ein bisschen dumm ist. Oder besoffen. Und das ist genau der Punkt, über den man nachdenken sollte. Natürlich wissen wir, dass es Menschen gibt, die schlecht hören. Natürlich wissen wir, dass sie nicht automatisch dumm sind. Theoretisch.
Else vom Tante-Emma-Laden hört sehr schlecht (trotz Hörgeräten), es ist schwierig, sich mit ihr zu unterhalten. Ich würde aber nie auf die Idee kommen, sie deswegen für dumm zu halten. Wieso auch? Sie ist eben alt.
Was aber würde ich von jemandem in meinem Alter halten, der in einem Gruppengespräch eine völlig absurde Pointe anbringt oder etwas sagt, das gerade von jemand anderem gesagt wurde? Etwas fragt, das gerade erst erklärt wurde? Wie lange wäre ich geduldig, ab wann wäre mir der Kontakt zu anstrengend? Und wenn der dann auch noch piepst, wenn man ihn umarmt? Da kann es anscheinend Rückkopplungsprobleme mit den Hörgeräten geben.

Ein wirklich schönes Buch, das nachdenklich macht und schmunzeln lässt. Insgesamt hätte ich mir manchmal mehr Drama und deutlichere Pointen gewünscht. So kratzt der Text oft nur an der Oberfläche. Das wiederum ist aber unsagbar clever, denn so bekommt man ein gutes Gefühl dafür, wie es ist, nur am Rand zu stehen und nicht mittendrin.

Ein wichtiger Beitrag zum Thema Nicht-alle-meine-Mitmenschen-sind-genau-wie-ich-und-dafür-sollte-ich-Verständnis-haben. Also: Lesen!
Wem das nicht reicht, dem sei noch das Blog des Autors ans Herz gelegt.

Auf den Inhalt kommt es an!

„Ist mein Kopf noch im Büro?“ von Anne Otto und Carola Kleinschmidt

Auf den Inhalt kommt es an!

Auf den Inhalt kommt es an!

Vorletzte Woche landete das Rezensionsexemplar in meinem Briefkasten. Dass ich nicht früher eine Rezension veröffentlicht habe, liegt an meiner Abwesenheit (weil: London) und dem folgenden Feiertagsgedöns.
Das Cover des Buches sagte mir erst einmal so gar nicht zu, weil es so wirr ist und schräg und dann auch noch ein Button hier und Farbverlauf da – das kann aber auch Taktik sein, denn plötzlich fühle ich mich nervös genug, um mich als „Zielgruppe“ zu erkennen. Denn genau darum geht es: Menschen – insbesondere Frauen – die Schwierigkeiten mit der Entspannung haben. Der Untertitel ist dementsprechend: „In 10 verblüffend einfachen Schritten zu mehr Gelassenheit, Klarheit und Spaß im Leben“. Hat was von Diät, Brigitte-Diät, um genau zu sein, denn es ist ja ein Brigitte-Buch.
Von der Brigitte-Diät hört man ja immer wieder Wunderbares, und ich würde mich nicht wundern, wenn dieses Buch bei den gestressten Working Mums zum Geheimtipp würde. Ach was, geheim!

Aber der Reihe nach.
Das Buch beschränkt sich nicht auf das klassische „Sie haben Stress? – Entspannen Sie sich!“-Gelaber. Denn zunächst einmal ist es gut zu wissen, warum man Stress hat. Banal? Gar nicht so. Da gibt es zum Beispiel die, die nicht Nein sagen können, wenn der Chef mit einer weiteren Zusatzaufgabe kommt. Oder diejenigen, die sich bei der Arbeit verzetteln. Oder diejenigen, die zwar ab und zu nichts tun (also nicht arbeiten, nicht, auf der Arbeit nichts tun!), sich aber dabei trotzdem nicht erholen. Oder die mit dem Beziehungsstress.
Für jeden Typ gibt es einen eigenen Entspannungstrick. Die verschiedenen Szenarien sind so dargestellt, dass es recht einfach sein sollte, sich selbst zuzuordnen. So erkennt die Leserin ihre eigenen Symptome und findet eine individuelle Lösung.
Die Beispielfälle sind angenehm kurz dargestellt, die Lösungen ebenso. Insgesamt ist das Buch wunderbar praxisorientiert und realistisch. Gegenstimmen wird sofort der Wind aus den Segeln genommen, à la „Vielleicht sagen Sie jetzt: Was ist das denn für eine seltsame Idee? Wenn das so leicht wäre, würde ich das ja wohl tun – und alle anderen auch!“ (S. 44) Tja, und dann stellt man plötzlich fest, dass die Lösung tatsächlich so einfach ist, wie sie klingt und dass wir uns nur ständig selbst im Weg rumstehen. Ein Buch zum Sich-selbst-aus-dem-Weg-räumen also.*

Immer wieder kommt die Aufforderung, Zettel und Stift zur Hand zu nehmen und über eigene Wünsche, Beziehungen zu FreundInnen usw. nachzudenken. Oder mal zu überprüfen, wann am Tag die eigenen Hoch- und Tiefzeiten sind.
Ja, es ist so einfach, wie es klingt, trotzdem macht man sich darüber viel zu wenig Gedanken. Mein eigener Kopf ist nie nach Feierabend im Büro, trotzdem war ich in letzter Zeit häufig müde. Ich dachte, ich würde ich ausreichend entspannen, weil ich ja abends nicht arbeite. Das allein reicht aber nicht. Inzwischen weiß ich, was ich falsch gemacht habe.
Gegenstimmen werden laut, die sagen: „Siehste, vorher hattest du kein Problem und jetzt hat das Buch dir eins suggeriert!“ Nö, gar nicht wahr. Ich sage ja auch nicht, dass ich plötzlich zu einem gestressten Wesen geworden bin. Nichts läge mir ferner. Alles hat für mich auch nicht funktioniert. Wenn es zum Beispiel darum geht, die eigenen Freundschaften zu sortieren und mit denjenigen, die einem wichtig sind, mehr Kontakt zu pflegen. Das bedeutet aber in dem Fall auch, sie öfter zu sehen. Meine Freundschaftsliste gibt das nicht her, weil nur ein Bruchteil meiner Lieblingsfreunde und –freundinnen in meiner Nähe hausen.

Ich empfehle dieses Buch allen, die neben der Arbeit auch noch ein Leben haben wollen, das nicht nur der Familie gehört. Familie ist wichtig, logisch, aber sie besteht aus lauter Individuen, die auch mal Zeit für sich brauchen. Diese Empfehlung beschränkt sich nicht auf Frauen. Ich kenne durchaus Männer, denen es ähnlich geht.

Ich könnte noch mehr schreiben, aber ich muss jetzt dringend eine Runde spazieren gehen, Burn-out verhindern. Wer mehr wissen möchte, möge hier weiterlesen.

* Nicht im Sinne von „umbringen“, natürlich.

Süßigkeiten sind in diesem Fall nicht des Rätsels Lösung, können aber helfen

Rezension: Parolenrätsel

Süßigkeiten sind in diesem Fall nicht des Rätsels Lösung, können aber helfen

Süßigkeiten sind in diesem Fall nicht des Rätsels Lösung, können aber helfen

– Faszinierende Wortspiele

Eher per Zufall bin ich auf dieses kleine Buch gestoßen. Von außen ist es durchaus unscheinbar und das Layout konkurriert mit den Doktorarbeiten, die ich im Studium lesen musste. Darauf kommt es aber in diesem Fall nicht an. Wir haben es hier mit einer mir gänzlich neuen Rätselform zu tun, die mich sofort gefesselt hat. Entstanden sind die Rätsel in einer XING-Gruppe, deren Mitglieder sie sich gegenseitig gestellt haben. Sie sind also alle erprobt und lösbar.

Aber kommen wir zum Thema: der Inhalt.

Es werden immer drei Parolen vorgegeben. Ganze Sätze, die irgendeine Gemeinsamkeit haben. Dazu kommen zwei Sätze, die die Eigenschaften der Parolen nicht erfüllen. Und nun? Na, die Gemeinsamkeit finden. Das kann recht einfach sein, z. B. bei

Marianne mag meistens Mus.

Peter packt prima Pakete.

Susanne sagt super Sachen.

Gegenbeispiele:

Markus mag kein Mus.

Greta fährt Fahrrad.

Rausgefunden? Gleicher Anfangsbuchstabe muss sein, klar. Man könnte aber auch noch eine schwierigere Variante draus bauen, z. B. so:

Marianne mag meistens Mus.

Peter packt prima Pakete.

Susanne sagt super Sachen.

Gegenbeispiele:

Markus mag manchmal mildes Mus.

Greta ging gerade zurück.

Hä? Ach so: Jetzt müssen es zusätzlich zu den Anfangsbuchstaben auch genau vier Wörter sein. Das könnte man jetzt beliebig fortführen, aber ich denke, Ihr habt das System verstanden. Wenn man das Rätsel anhand der 5 vorgegebenen Sätze nicht lösen kann, gibt es noch weitere Positivbeispiele und einen Tipp. Damit bekommt man das meiste tatsächlich raus, obwohl manchmal das allseits bekannte Brett vor dem Kopf den Blick auf den Wald doch deutlich verschlechtert.

Als Logik-Trainer-Fan liebe ich diese Art von Rätseln. Mir fehlen nur ein paar Kleinigkeiten zu meinem vollkommenen Glück, die mit dem Buch aber nichts zu tun haben:

1) jemand, der miträtselt

2) mehr Geduld.

Punkt 1 ließe sich lösen, wenn ich in die entsprechende XING-Gruppe eintreten würde („Das Wortwerk“). Allein, ich traue mich nicht, denn ich spüre schon von Weitem einen gewissen Suchtfaktor.

Punkt 2 ist schon schwieriger. Bei den Lösungsstrategien steht etwas von einer halben Stunde bis Stunde, die man die Lösung suchen sollte. Puh! Das ist nichts für mich. Bei mir lag die Höchstnachdenkdauer bei Nichtlösung unter 10 Minuten, wobei ich auch erst die ersten zehn Rätsel gelöst habe. Vielleicht wird sich mein Ehrgeiz mit der Zeit steigern, und somit auch die Nachdenklänge.

Zum Aufbau des Buches:

Es sind 60 Rätsel, die in „leicht“, „mittel“, „schwer“ und „mit Referenzsystem“ aufgeteilt sind. Im letzteren Fall braucht man Insiderwissen, um die Parole zu lösen. Am Schluss stehen die Lösungen, logisch. Vor den Lösungen gibt es noch das Kapitel „Lösungsstrategien“, wobei ich das nach vorn zur Einführung gestellt hätte, denn die Strategien brauche ich doch, bevor ich beginne, finde ich.

Da ich eine visuelle Lernerin bin, passt es mir gut, die Parolen schriftlich vor mir zu haben, um sie zu lösen. Wer lieber hört, statt zu sehen, hat es etwas schwerer: Einige Parolen sind von der Schrift abhängig. Im Fall von aufgelösten Umlauten (oe) kann ich z. B. davon ausgehen, dass die Anzahl der Buchstaben irgendeine Rolle spielt. Das funktioniert natürlich nicht, wenn ich die Parole nur höre.

Ob sich die Parolenrätsel nun als Partyspiel eignen, ist Euch überlassen. Meine Bekannten fänden es wahrscheinlich weniger lustig – und auch ich selbst möchte auf einer Fete nicht denken müssen, jedenfalls nicht mehr als nötig.

Empfehlen kann ich das Buch allen Denksportaffinen, denn es macht wirklich Spaß!

Mehr Infos gibt es auf der Website zum Buch und im Buch selbst: „Parolenrätsel“, Books on Demand, 152 Seiten, ISBN 978-3-8391-2275-9. Preis: € 9,90.

 

 

 

"Brandbücher" von Birgit Ebbert

„Brandbücher“ von Birgit Ebbert

"Brandbücher" von Birgit Ebbert

“Brandbücher” von Birgit Ebbert

Ganz frisch erschienen ist dieser Kriminalroman von Birgit Ebbert. Seit langem verfolge ich ihr Blog www.buecherverbrennung.de, auf dem sie uns an ihren Recherchen teilhaben ließ. Nun ist also der Krimi fertig und wurde von mir umgehend verschlungen.
Bücherverbrennung im Dritten Reich ist ein Thema, von dem wir alle schon gehört haben, aber über das die wenigsten richtig gut Bescheid wissen. Nach der Lektüre dieses Buches ist das anders, denn hier wird Fiktion geschickt mit der Realität vermischt.
Beim Sichten des Nachlasses ihrer Großtante stößt Karina auf alte Postkarten, die diese geschrieben hat. Jedes Kapitel setzt sich zusammen aus zwei bis fünf zusammenhängenden Postkarten, gefolgt von einem Abschnitt über die Jetzt-Zeit mit Karinas Nachforschungen über die Vergangenheit ihrer Großtante. Darauf folgt ein Abschnitt über die Anfänge des Dritten Reichs, der das tatsächlich Erlebte von Karinas Großtante darstellt.
Trotz oder wegen dieses Hin-und-her-Springens liest sich das Buch sehr flüssig, denn man möchte jeden Erzählstrang so schnell wie möglich weiterverfolgen. Die Angst des jüdischen Studenten Samuel wird deutlich spürbar, als sich sein Umfeld gegen ihn wendet. Karina stößt bei ihren Nachforschungen auf die Nachkommen von Samuels Verfolgern, die darüber wenig erbaut sind. Obwohl auch sie bedroht wird, ist ihre Angst weniger greifbar. Das könnte daran liegen, dass sie einen Verbündeten hat, insgesamt finde ich die Bezeichnung „Kriminalroman“ aber etwas hoch gegriffen. Für mich ist es ein spannender Roman, der wegen seines brisanten Inhalts fesselt, nicht wegen der akuten Bedrohung.

Die Handlung spielt in einem kleinen Ort im Münsterland, in dem die älteren Bewohner gern Plattdeutsch sprechen. Die Autorin hat die plattdeutschen Repliken bewusst kurz gehalten, aber ich frage mich trotzdem, ob sie einen nicht-Platt-affinen Leser nicht zu sehr aus dem Lesefluss werfen. Andererseits tragen sie sehr schön zum kleinstädtischen Bild bei und sorgen für Authentizität. Ich habe also keine überzeugende Lösung für das Problem* und bitte daher die besagten Plattdeutsch-fernen Leser um eine Stellungnahme.
Echte Zitate und Personen wurden in die Fiktion eingewoben, wobei die Zitate mit einem Asterisk gekennzeichnet sind. Leider erfährt man erst im Nachwort, was es damit auf sich hat. Ich hatte schon verzweifelt den Anhang gesucht.

Insgesamt bietet der Roman eine fesselnde Lektüre, bei der man ganz nebenbei viel Geschichtliches lernt. Das Buch eignet sich meines Erachtens sehr gut für den Unterricht an Schulen, ist aber selbstverständlich für Erwachsene ebenso lesenswert. Ich bin gespannt, welches Thema Birgit Ebbert uns als nächstes präsentiert!

Witzigerweise ist entspricht Birgit Ebberts Buch vom Aufbau her ungefähr genau dem, was ich auf lange Sicht mit meinen echten Briefen vorhabe. Ich bin sehr froh, dass sich die Idee als absolut praktikabel entpuppt!

Am Schluss noch eine Frage in eigener Sache:
Die Protagonistin Karina findet, dass die Sütterlin-Schreibschrift leichter zu lesen ist als die gedruckte Frakturschrift. Mir geht es da ganz anders. Was sagt Ihr dazu?

 

* Wer will schon mit Fußnoten arbeiten?

Fesselnde Lektüre

„… jeden Tag ein Stück“ von Andrea Behnke

Fesselnde Lektüre

Fesselnde Lektüre

Dieses Buch mit 10 „Kindergeschichten vom Großwerden“ ist für die Gruppenarbeit mit Kindern von 3 bis 6 Jahren konzipiert. Auf die zweiseitigen Geschichten folgen Fragen zum Text und zum persönlich Erlebten der Kinder im Textzusammenhang. Zusätzlich gibt es passende Lieder, Basteleien und Spiele.

Mangels Mut, mir zum Ausprobieren eine Horde Kinder ins Haus zu holen, habe ich das Buch an meinem 3-jährigen Sohn und meiner 4-jährigen Tochter getestet.

Wie geht das Lied noch mal?

Wie geht das Lied noch mal?

Die Geschichten sind hübsch illustriert und auch für eine kurze Aufmerkamkeitsspanne geeignet, ohne dass der Inhalt zu kurz kommt. Sie behandeln alltägliche Probleme aus dem Kinderalltag, die auf sehr kindgerechte und phantasievolle Weise beschrieben werden. Die Fragen zum Text wurden besonders von meiner Tochter problemlos und teilweise recht kreativ beantwortet („Warum wartet Antonia sehnsüchtig auf ihren ersten Wackelzahn?“ – „Weil sie ein Geschenk von der Zahnfee haben will.“ – „Glaubt Antonia an die Zahnfee?“ – „Neeiiin, natürlich nicht!“), auch die Traurigkeit, wenn die beste Freundin wegzieht, konnten beide Kinder sehr gut nachvollziehen. Die Geschichten mit den anschließenden Fragen haben ihnen sehr viel Spaß gemacht.

Die zu den Texten passenden Lieder wurden mit Begeisterung gesungen, die Fingerspiele kamen ebenfalls gut an. Die Basteleien heben wir uns für schlechteres Wetter auf, die Bildvorlagen wurden bereits ausgemalt. (“Was kommt alles in den Laster, wenn man umzieht?” – “Getränkekisten.”)

Getränkekisten

Getränkekisten

An einer Stelle hat die Hauptperson plötzlich einen anderen Namen, in einer anderen Geschichte hat sie gar keinen. Das ist ungünstig, wenn man mit den Kindern über sie reden soll. Wir mussten erst gemeinsam einen Namen für die Ich-Erzählerin finden, um die Fragen beantworten zu können. Das trübt aber nicht den Spaß an dem gemeinsamen Leseerlebnis. Tatsächlich eignet sich das Buch wunderbar fürs Vorlesen zu Hause, zumal sich auch die Gruppenaktionen ebenso gut mit weniger Kindern bewältigen lassen.

Ich war erstaunt darüber, wie präzise Kinder in dem Alter schon die Gefühle von anderen erkennen und benennen können. Die Themen ließen sich gut nachvollziehen, einzig bei der Geschichte von dem neuen Papa und dem Stiefbruder fehlte das Verständnis vollkommen, da sie diese Situation noch nicht kennen. Dennoch ist es natürlich wichtig, dass gerade dieses Thema behandelt wird.

Ich kann das Buch jedem mit Kindern in dem Alter empfehlen! Auch als Erwachsene/r hat man viel Spaß am Erarbeiten der verschiedenen Themen.

Mehr über die Autorin und ihre weiteren Bücher erfahrt Ihr hier.

Das Buch in seinem natürlichen Umfeld

“Social Media für Gründer und Selbstständige” von Constanze Wolff und Roland Panter

Das Buch in seinem natürlichen Umfeld

Das Buch in seinem natürlichen Umfeld

Als Selbstständige bekommt man ständig zu hören, wie wichtig Social Media für das berufliche Vorankommen ist. Allein, wer zeigt einem denn, wie es geht? Ja, ich bin bei Facebook, Xing, LinkedIn, Google+ und Twitter, aber wen außer meinen Freunden interessiert das denn? Wie kann ich diese Netzwerke beruflich sinnvoll nutzen?

Constanze Wolff und Roland Panter zeigen den richtigen Umgang mit den diversen Plattformen. Nacheinander werden die oben genannten Netzwerke vorgestellt, wobei immer der Nutzen für den/die Selbstständige/n im Vordergrund steht (Also im Endeffekt immer: Wie gewinne ich Kunden?). Außerdem erhält man hilfreiche Tipps zum Thema „eigenes Blog“.

Die beiden Autoren machen deutlich, dass jede/r ein Recht auf eine Lieblingsplattform hat. Niemand wird genötigt, auf allen Hochzeiten gleichzeitig zu tanzen. Anhand der herausgearbeiteten Unterschiede zwischen den Netzwerken fällt es leicht, die eigenen Vorlieben zu erkennen und dementsprechend zu handeln.

Ich habe das Buch einmal von vorne bis hinten durchgelesen und war begeistert. Seitdem hat es meinen Schreibtisch nicht verlassen, sondern liegt als ständiges Nachschlagewerk immer in erreichbarer Nähe. Kein Buch zum Pflegen, sondern zum Zerlesen. Da sich in der Netzwerkwelt ständig Dinge ändern, wird bis zum endgültigen Auseinanderfallen des Buches hoffentlich ein Nachfolgeband erschienen sein.

Kaufempfehlung für alle, die sich mit dem Thema beruflich beschäftigen (müssen). Es macht tatsächlich Spaß!

Die Eisprinzessin und ihre Freunde

“Eisprinzessin” von Lisa Graf-Riemann

Die Eisprinzessin und ihre Freunde

Die Eisprinzessin und ihre Freunde

Endlich wieder* hat Lisa Graf-Riemann einen Krimi geschrieben, den dritten um Hauptkommissar Stefan Meißner aus Ingolstadt. Es ist ein Regionalkrimi (Oberbayern), aber das ist für mich als Ingolstadt-Nichtkennerin nebensächlich. Andere werden die Straßennamen wissend lächeln wiedererkennen, das ist ein schöner Bonus, den ich aber keineswegs brauche: Die Geschichte an sich ist es ja, worauf es ankommt, und die ließ mich das Buch nur widerwillig aus der Hand legen. Aus erziehungstechnischen Gründen darf ich beim Essen nicht lesen. Selber schuld.

Ab und zu fielen mir im Text kleine Unstimmigkeiten auf, z. B. wenn es nach Fleisch und Zwiebelringen riechen soll und ich mich fragte, ob man die Schnittweise der Zwiebeln wohl riechen kann.** Für den Lesegenuss spielt das aber keine Rolle, denn keine Unstimmigkeit verdirbt mir diese weiterlesfreundliche Lektüre. Das Buch ist so frisch erschienen, dass die Druckerschwärze quasi noch feucht ist. Dementsprechend aktuell ist die Anspielung auf die Pferdefleischlasagne.

Das Innenleben der agierenden Personen ist überzeugend und authentisch beschrieben; sensationell ist die Darstellung von Moritz Eberl unter Drogeneinfluss. Da fragt man sich doch glatt, ob Frau G.-R. das selbst ausprobiert hat. Lieber verbuche ich die Szene aber als schriftstellerische Meisterleistung.

Insgesamt ein flüssiger, cleverer und spannender Krimi, dem man auch dann mühelos folgen kann, wenn man die ersten beiden Bände nicht kennt. Lesen sollte man sie dennoch. Zur Erinnerung: Sie heißen „Eine schöne Leich“ und „Donaugrab“. Dazu empfehle ich „Hirschgulasch“, das Lisa Graf-Riemann gemeinsam mit Ottmar Neuburger geschrieben hat. Furios!

*Man kann wirklich nicht sagen, dass die Autorin beim Schreiben trödelt! Ich warte aber so ungern, deshalb wird mir die Zeit so lang …

**Vielleicht ist das ja auch so ein Regionalding, dass man in Ingolstadt halt weiß, wenn die Art von Fleisch gebraten wird, gibt es Zwiebelringe dazu.

Zutaten für einen gelungenen Urlaub

“Ist das jetzt der Urlaub?” von Christine Hutterer

Zutaten für einen gelungenen Urlaub

Zutaten für einen gelungenen Urlaub

Was ich besonders an Reiseberichten schätze, ist die Tatsache, dass ich die Reisen nicht selbst machen muss und trotzdem einen tollen Einblick in eine mir vollkommen unbekannte Gegend bekomme. Dieses wunderbare Buch ist aber viel mehr als nur ein Reisebericht.

Eine Familie möchte für 4 Wochen verreisen. Der Urlaub soll Bewegung beinhalten und trotzdem mit zwei kleinen Kindern zu bewältigen sein. Die Wahl fällt nach vielem Hin und Her und diversen Telefonaten auf Korsika. Dort kann man wandern – in Begleitung eines Esels, der Teile des Gepäcks und die Tochter (3) trägt. Ein Elternteil trägt den Rest des Gepäcks, der andere den Jungen (knapp 1). Minutiös plant Christine die Reise, wiegt jedes Kleidungsstück ab und erstellt Listen. Um jede Unterhose, die mitdarf, wird gefeilscht (und eventuell ein bisschen geschummelt).

Als die Wanderung losgeht, muss sich die Perfektionistin mit vollkommen unvorhergesehenen Problemen herumschlagen: Blasen an den Füßen trotz eingelaufener Wanderstiefel, ein verdorbener Magen, ein Esel, der fremde Menschen schubst oder schlicht und ergreifend schlechte Laune. Wunderbar ehrlich beschreibt Christine ihre eigenen inneren Konflikte, ohne sentimental oder rechthaberisch zu werden. Man kann förmlich dabei zusehen, wie die Familie an diesem Abenteuer wächst. Am Ende wird sogar noch ein Umweg eingelegt, um den Abschied vom Esel so lang wie möglich herauszuzögern.

Zahlreiche Fotos sorgen dafür, dass man sich das Beschriebene wunderbar vorstellen kann.

Die Route ist im Buch dargestellt und Interessierte finden wichtige Tipps, wenn sie die Reise “nachmachen” möchten. Ich beschränke mich aufs Lesen, leide mit, wenn der nächste Bankautomat Kilometer entfernt ist, und freue mich mit, wenn ein erfrischendes Flussbad auf dem Plan steht.

Vielen Dank für dieses wunderbare Buch, Christine! Unbedingte Leseempfehlung! Zum Buchblog geht es hier entlang.