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Holzarbeiten Teil II: Fensterlos durch den Tag

Freitag

„Es könnte sein, dass wir heute schon dein Küchenfenster ausbauen“, ruft es mir am Morgen fröhlich entgegen. Zehn Minuten später ist aus dem Konjunktiv eine Tatsache geworden. Ich gehe zur Arbeit, darauf vertrauend, dass die jungen Männer so kompetent sind, wie ich gern glauben möchte.

Ssssst, klopf, fluch: Fenster weg

Ssssst, klopf, fluch: Fenster weg

Als ich wiederkomme, ist die Verwüstung nicht zu übersehen. Bad- und Küchenfenster wurden durch liebevoll* eingepasste Spanplatten mit einer flauschigen Dämmschicht ersetzt. Diverse Ausfachungen fehlen, es gibt einen Stapel mit gerettetem Klinker und einen bereits recht vollen Schuttsack.

fehlendes Fenster

Küche

fensterloses Bad

Bad

Niemand wusste, wie die Balken von der anderen Seite aussehen würden, weil eben auch niemand wusste, wie die Isolierung aussehen würde. Umso größer die Freude, als sie rückseitig noch ganz fit erscheinen. Die Innenseite ist grün, wie ich es vom Innenraum des Hauses schon kenne.

Fachwerkrenovierung

Tut schon ein bisschen weh

 

Am Abend sieht das Haus recht mitgenommen aus. „Naja, muss ja sein, ne?“, sagt die Nachbarschaft.

"Brauchst du ne Werkbank?" "Nö, ich bau mir hier schnell eine."

“Brauchst du ne Werkbank?”
“Nö, ich bau mir schnell eine.”

 

* Natürlich geschah das nicht liebevoll, ich bin ja nicht doof. Aber es ist doch eine schöne Vorstellung und das Ergebnis sieht so aus.

 

Holzarbeiten Teil I

Eigentlich sollte die Renovierung schon vor Jahren passieren. EU-Gelder waren genehmigt, alles war prima. Passiert sind dann diverse andere (nicht so primae) Dinge, da musste das Haus warten. Die EU-Gelder gibt es nicht mehr.

Als Zimmermann Martin vor einigen Monaten wiederkommt, um ein neues Angebot zu erstellen, sieht er mit geradezu zufriedenem Entsetzen, wie viel weiter das Holz inzwischen verrottet ist. („Genau das sag ich den Leuten immer: Das gammelt wie verrückt!“)
Das Holz nämlich – das Fachwerk der Westseite, die älteste Wand vom Haus. Nun ist es so weit, die Wand wird renoviert.

Fachwerkhaus

Fachwerkwand mit zwei kleinen Männern – so nennt man das Muster

Gestern dann – die Zimmermänner kommen, um mein Haus kaputt zu machen. „Nein, heil!“, sagt Lukas, aber dann steht er mit Gerrit vor der Fachwerkwand und sie bohren im morschen Holz rum, dass es nur so rieselt und mir ganz elendig zumute wird. Das Haus zuckt nicht mal.

kaputtes Fachwerk

Bröselholz

Eckpfosten kaputt

Kaputte Ecke

Sie fangen auch noch gar nicht an, sie messen erst mal noch und freuen sich, dass das alles Eiche ist und nicht Lärche oder Kiefer, nein, Eiche! „Damit kann man toll arbeiten.“ Aha. Ich denke einstweilen darüber nach, was man aus den nicht-morschen Reststücken der Balken bauen könnte. Bänke und einen Tisch für den Garten, zum Beispiel. Mal sehen.

Ob sie die Maschinen im Haus werden lagern dürfen, werde ich gefragt. Ja, logisch, am besten im Eingang hier. Skeptischer Blick. Nanu? Ach so. „Ich bin eigentlich nicht so ordentlich, ich hatte nur gerade Gäste. Ihr könnt hier ruhig alles vollstellen.“

Wie erkennt man eigentlich nur durchs Hingucken, dass das Eiche ist? Für mich ist das alles … Holz. Also rein optisch jetzt.

Martin, der Chef, ist übrigens krank. Erkältet, heißt es. Hallo, ich denke, der ist Zimmermann? Immer nur draußen, abgehärtet und so? Nein? Nicht mal auf die eigenen Vorurteile ist mehr Verlass.

Donnerstag. Das Notdach soll gebaut werden, quasi ein Anbau, unter dem dann gearbeitet wird. „Moin, ich bin Hans.“ – „Ich bin Gesa.“ – „Jo, hab schon gehört. Sonst weiß ich aber nichts über dich. Lukas hat gesagt: ‚Fahr mal hin, siehste dann schon.‘“

Alles klar. Es nieselt ununterbrochen. Als es richtig zu regnen anfängt, sehe ich draußen mal nach dem Rechten. Die Folie ist angebracht, ich habe jetzt ein Partyzelt am Haus – nicht schlecht, eigentlich. Gefällt mir. Gartenparty, anyone?

Partyzelt

Partyzelt

„Wollte mal sehen, wie ihr klarkommt.“
„JETZT ERST?? Wir sind fertig.“
Na, dann war das doch ganz gut vom Timing her.

Mittelgut vom Timing her ist natürlich der angekündigte Sturm.

“Mordswetter” von Uli Aechtner: mein liebster Nebenschauplatz, das Bembelboot

Statt Regionalkrimi ein Wetterkrimi: Uli Aechtner hat eine spannende Gewitterstory geschrieben, in der es nur so blitzt und donnert: Mordswetter. Dies ist ein Beitrag zur Blogtour, daher gibt es auch etwas zu gewinnen, guckt mal unten!

Buchcover mit Tourdaten

Auch wenn das Gewitter eine wesentliche Rolle in dem Krimi spielt,  ist das Wetter in dieser hessischen Geschichte dann doch nicht immer schlecht. Und da der Schauplatz teilweise in Offenbach liegt, ist es völlig klar, wohin es die Protagonisten verschlägt, als die Sonne scheint: zum Mainufer. Und somit zum Bembelboot.

Es war Samstag und halbwegs schönes Wetter. Der Main lag so still wie ein Spiegel, vom anderen Ufer blitzten die silbrigen Bankentürme von Frankfurt herüber. Dienstschluss, Abendsonne, ein laues Lüftchen vom Wasser her ... Da fehlte ihr nur noch ein Geripptes in der Hand.
Vor ihnen legte wie auf Bestellung ein Boot an. Der Rumpf war graublau bemalt und hatte ein Dekor wie ein Apfelweinkrug.
"Das Bembelboot", sagte Roberta. Der Kapitän war Apfelweinwirt.
[S. 163 f]

Inzwischen war ich oft genug in der Frankfurter Gegend, um mir automatisch unter einem “Gerippten” ein Glas mit Rautenmuster vorzustellen. Das sind die Gläser, aus denen man Apfelwein trinkt. Die Einheimischen sagen dazu Äppelwoi – ich bin etwas vorsichtig, als Norddeutsche mit den Dialektwörtern anderer Sprachgruppierungen zu jonglieren, das endet leicht im Chaos, weil einen niemand versteht. Apfelwein ist, das muss man wissen, keineswegs wie Cidre, sondern sauer bis in die Zehenspitzen. Deshalb trinkt man ihn auch verdünnt. Wenn man darauf vorbereitet ist, kommt man aber gut mit ihm klar, ähnlich wie mit einem sarkastischen Freund. Er ist etwas anstrengend, aber meint es doch gut.

Dieses Bembelboot jedenfalls legt regelmäßig (bei schönem Wetter) in Offenbach an und der Wirt bestückt das Ufer mit Liegestühlen. Vom Boot aus werden die Getränke und Speisen verteilt – wie oft dabei wohl das Kleingeld in den Main fällt?

Auch ich hatte schon die reizende Gelegenheit, mir dort einen lustigen Cocktail auf Apfelweinbasis zu bestellen. Ich wählte den Äpplerchiddo, das ist – ganz genau – ein Mojito mit Äppelwoi. Da sich für mich viel zu selten die Kombination Offenbach-warmes Wetter-Bembelboot ergibt, gebe ich diesen Tipp nur zu gern an euch weiter. Dem Betreiber sei es gegönnt! :)

GEWINNSPIEL

Um zu gewinnen, müsst ihr hier bis einschließlich 26.9.2017 kommentieren, welche Äppelwoi-Cocktail-Kreationen euch  einfallen – wenn es der Name nicht schon selbst erklärt (wie beim Äpplerchiddo), schreibt gern noch das Rezept dazu. 
Am 27.9. wird die Gewinnerin oder der Gewinner bekannt gegeben.
Gewinne:
Preis 1-3: Je ein Buch »Mordswetter« von Uli Aechtner & 1 Paar Gummistiefeletten
Teilnahmebedingungen:
Mit der Teilnahme am Gewinnspiel erklärt ihr euch mit den
Teilnahmebedingungen einverstanden.

 

Bett 8a und 9a

Die Betten meiner Vergangenheit – zahlreich sind sie, und ich bin noch nicht am Ende angelangt.

Erinnerungen haben eine große Macht in mir. Und ich merke, dass es mich befreit, wenn ich sie niederschreibe, dann ist mein Kopf damit nicht mehr so blockiert und ich kann ihn mit neuem Kram vollstopfen. Ich kam auf die Idee, diese Serie zu schreiben, weil ich, wenn ich nicht einschlafen konnte, mich in die Betten meiner Vergangenheit zurückträumte. Das tue ich momentan überhaupt nicht mehr. Vielleicht kommt das wieder, vielleicht habe ich die Erinnerung jetzt auch einfach outgesourct. Vielleicht schlafe ich auch einfach zu schnell ein.

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“Das Buch der Wunder”: Interview mit Stefan Beuse

Einen Roman „Das Buch der Wunder“ zu nennen, birgt einen gewissen Anspruch in sich. Ich zumindest erwarte dann etwas Ungewöhnliches, etwas, das mich zum Nachdenken bringt, aber bitte auf eine schöne Art, denn sonst müsste es „Das Buch der unschönen Erkenntnisse“ heißen und wer möchte das schon lesen. Mein Anspruch wurde erfüllt, ich war ordnungsgemäß an manchen Stellen verwundert, habe den Stil wahrlich bewundert und das Buch gleich ein zweites Mal gelesen. Da habe ich manche Emotionen anders empfunden – darüber habe ich mich dann aber schon nicht mehr gewundert.*

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“Niemand ist bei den Kälbern”: Interview mit Alina Herbing

Alina Herbing hat ein Buch über das Landleben geschrieben und ich habe sie dazu ausgefragt. Ich bin übrigens selbst auf dem Land aufgewachsen und nenne zwei Paar Gummistiefel mein Eigen (ein Paar zum Ausgehen) – falls ihr noch Bedarf an Buch oder Gummistiefeln habt (ich empfehle beides!), beantwortet bis zum 20.2.17 um 16:59 Uhr die unten stehende Frage. Doch nun ist erst einmal die Autorin mit dem Antworten dran.

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Urban Yoga – Verlosung für den guten Vorsatz

Die Verlosung hat ergeben: Ein Yogabuch bekommen Ulrike, Maja, Heike, Anne und Alex. Herzlichen Glückwunsch!

Ein frohes neues Jahr wünsche ich euch! Sicher habt ihr lauter gute Vorsätze. “Mehr Sport” zum Beispiel. Da kann ich euch behilflich sein, denn Amiena Zylla hat wieder einmal ein praxisnahes Yogabuch veröffentlicht, das ihr hier fünfmal gewinnen könnt. Hinterlasst mir einfach bis zum 23.01.2017 um 17 Uhr einen Kommentar hier. Ich lose dann aus.

fünf Yoga-Bücher

Ich habe Amiena ein paar Fragen zu ihrem Buch gestellt.

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“Nächte der Toten”: Interview mit Tim Vogler

“Nächte der Toten” ist der zweite Band der Reihe “Berlin Metropolis” von Tim Vogler.

Ich habe selten ein Buch gelesen, das auf so vielen verschiedenen Zeitebenen spielt. Da haben wir einerseits das Berlin des Jahres 2049, andererseits aber seine separaten Viertel, in denen die Menschen wie zur Kaiserzeit bzw. zur Zeit des geteilten Berlins leben. Damit ihr euch das vorstellen könnt, gibt es hier den Trailer zum ersten Band “Stunde der Rache” (zu dem Zeitpunkt noch mit dem Arbeitstitel “Hinterland”):

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Nostalgiebetten – Bett 8 und 9

Als ich aus Straßburg zurückkam, stand fest: Sprachen will ich studieren. Warum es ausgerechnet Tübingen wurde und warum ausgerechnet Russisch, Englisch und Deutsch – ich glaube, die Sprachen habe ich am Ende ausgelost. Tübingen wurde mir empfohlen. Ich war da recht leidenschaftslos, glaube ich, vielleicht hatte ich auch einfach keine Lust, mir Gedanken über Orte zu machen, die ich ohnehin nicht kannte. Es gibt eine gewisse In-Tübingen-studieren-Familientradition, die noch aus der Zeit von vor zwei Generationen stammt, Fußstapfen und so, lassen wir das.

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Nostalgiebetten – Bett 7

Sinnieren über die Betten meiner Vergangenheit: die Zeit nach dem Abi. Wenn ich nicht einschlafen kann, träume ich mich in frühere Schlafstätten zurück. 

Einmal nur, einmal kam ich in eine neue Behausung und fand sie schrecklich. Graue Einbaumöbel an blauem Linoleumboden, an der Wand eine Art handgemachte Hardcore-Raufaser-Beschichtung, weiß lackiert und mit so spitzen Spitzen, dass die Poster nach kurzer Zeit aussahen, als hätten sie Pickel. Weiterlesen